Regeldynamisches Zusammenwirken von Kraftwerken und Netzen bei deregulierter Energiewirtschaft - Umsetzung von Maßnahmen zur Reduktion der Kraftwerksbeanspruchung

Projektnummer 332

Die Ergebnisse der an der Universität Stuttgart unter der Leitung von Dr. Tobias Weißbach durchgeführten Arbeiten zum VGB-Projekt 306 "Regeldynamisches Zusammenwirken von Kraftwerken und Netzen bei deregulierter Energiewirtschaft - Maßnahmen zur Reduktion der Kraftwerksbeanspruchung" haben in Fachkreisen große Aufmerksamkeit und Anerkennung erfahren.

Folgendes sind die Kernaussagen:

  • Da der Stromhandel europaweit nahezu ausschließlich im 1-h-Raster erfolgt, treten zum Stundenwechsel große Leistungsungleichgewichte zwischen dem sich überwiegend kontinuierlich verhaltenden Lastgangverlauf und dem treppenförmigem Fahrplanverlauf auf. Diese im jährlichen Mittel größer werdenden Leistungsungleichgewichte führen zu ebenfalls größer werdenden Frequenzabweichungen, die bereits jetzt mit erheblichen Nachteilen für den Kraftwerks- und Netzbetrieb verbunden sind.
  • Sowohl die höhere Belastung der Kraftwerksblöcke, die dauerhaft in die Leistungspreise der Primärregelung eingehen muss, als auch der bei größer werdenden handelsbedingten Leistungsungleichgewichten ansteigende Bedarf an Sekundärregelarbeit führen langfristig unweigerlich zu steigenden Regelenergiekosten.
  • Insbesondere während den morgendlichen und abendlichen großen Frequenzabweichungen steht ein erheblicher Teil der vorgehaltenen Primärregelreserve nicht mehr zur Verfügung, so dass die auf die Primärregelung bezogenen Auslegungskriterien der UCTE (Ausfall von 3.000 MW, "Doppelblockausfall") nicht mehr gewährleistet sind.

Die im Rahmen des VGB-Forschungsprojekts 306 erarbeiteten Verbesserungsmaßnahmen zielen darauf ab, die erzeugerseitigen Fahrpläne unter Beibehaltung des bestehenden Stromhandels im 1-h-Raster besser an das reale Lastverhalten anzupassen.

Diese wissenschaftlich begründeten Ansätze sind nun in konkrete Maßnahmen bei Netz- und Kraftwerksbetreibern sowie in die geltenden Spielregeln des europäischen Markes zu überführen und umzusetzen.

Die Umsetzung wird von der Abteilung Stromerzeugung und Automatisierungstechnik am Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik (IFK) der Universität Stuttgart wissenschaftlich begleitet. Ebenso sind Entwicklung der Frequenzabweichungen sowie Veränderungen der europäischen und nationalen Vorgaben und Marktspielregeln zu beobachten und zeitnah auszuwerten. Gegebenenfalls müssen die Lösungsansätze präzisiert bzw. angepasst werden.

Ansprechpartner

  • Jörg Kaiser
    Telefon: +49-(0)2 01-81 28-2 88
    Fax: +49-(0)2 01-81 28-3 21
    E-Mail: joerg.kaiser@vgb.org