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Stromerzeugung: Klimaschutz erfordert hohe Investitionen

Aktuelle Pressemitteilung von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young  

Szenario für die Energieerzeugung in Deutschland im Jahr 2020

Stuttgart, 04. September 2006 - In den kommenden 15 Jahren werden in Deutschland – aus politischen und technischen Gründen – zahlreiche Kraftwerke vom Netz gehen. Dadurch wird fast die Hälfte der aktuellen Stromerzeugungskapazitäten wegfallen. Die so entstehende Lücke von 60 Gigawatt müssen neu zu errichtende Kraftwerke schließen. Wenn Deutschland am Atomausstieg festhält, werden neue Investitionen in Höhe von mindestens 86 Milliarden Euro nötig sein. Falls der Atomausstieg rückgängig gemacht wird und die Energiepolitik zudem weiter europäisiert wird, wird die Investitionssumme 68 Milliarden Euro betragen. Eine konsequent am Klimaschutz ausgerichtete Investitionspolitik würde hingegen bis 2020 Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Euro erfordern. Das sind Ergebnisse einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die verschiedene Szenarien untersucht, die sich aus unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen ergeben.

„Klimaschutz-Szenario“: hohe Investitionen, niedrige Emissionen

Wenn die Investitionspolitik konsequent auf das Ziel des Klimaschutzes ausgerichtet wird, kann der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von derzeit zehn Prozent auf 25 Prozent im Jahr 2020 deutlich gesteigert und so die CO2-Emissionen um 14 Prozent gesenkt werden. Der CO2-Ausstoß würde von heute 372 Millionen Tonnen auf 292 Millionen Tonnen im Jahr 2020 reduziert werden. Dem stünden Investitionskosten von insgesamt 100 Milliarden Euro gegenüber. Allerdings könnte es aufgrund der dann fehlenden Grundlastkraftwerke zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen.

Im Fall einer weiteren Nutzung der Kernenergie würden die CO2-Emissionen um zwölf Prozent sinken – trotz einer prognostizierten Steigerung des Strombedarfs in Höhe von jährlich 0,5 Prozent. Bei einer Weiterführung der derzeitigen Energiepolitik – also im „Business as usual“-Szenario – verringern sich die CO2-Emissionen bis 2020 lediglich um ein Prozent bei einer stagnierenden Stromnachfrage.

Niedrigere Investitionskosten bei Weiterbetrieb der AKWs

Bei einem besseren länderübergreifenden Stromaustausch, einer Europäisierung der Energiepolitik und einer Ausdehnung der Laufzeiten der Kernkraftwerke auf 60 Jahre wären im Lauf der kommenden 15 Jahre Investitionen in Höhe von 68 Milliarden Euro nötig. Wenn am Atomausstieg festgehalten wird, aber keine klare Priorisierung des Klimaschutzes vorgenommen wird („Business-as-usual“), werden die Investitionskosten 92 Milliarden Euro betragen.

Abhängigkeit von importiertem Erdgas steigt an

Die Abhängigkeit von (importiertem) Erdgas steigt in allen untersuchten Szenarien an. Am größten wird sie sein im so genannten „Business as usual-Szenario“ – also im Fall einer Weiterführung der bisherigen Energiepolitik. In diesem Szenario werden 141 TWh – dies entspricht 23 Prozent des Stroms – auf Erdgasbasis produziert. In einer konsequent auf den Klimawandel ausgerichteten Energiepolitik trägt Erdgas ebenfalls mit 23 Prozent zur gesamten Stromproduktion bei, allerdings werden nur 131 TWh erzeugt, da der gesamte Strombedarf aufgrund von verstärkten Energieeffizienzbemühungen zurückgeht. Im Falle einer weiteren Nutzung der Kernenergie wird Erdgas im Jahr 2020 einen Anteil von lediglich 15 Prozent an der Stromproduktion haben – das sind nur vier Prozentpunkte mehr als im Jahr 2005.

Vielzahl an Risiken für Kraftwerksbauer

Die vier untersuchten Szenarien führen zu gravierenden Unterschieden im Hinblick auf den Einsatz von Erdgas in der Stromerzeugung, den CO2-Emissionen und dem kumulierten Investitionsbedarf. Dies hat erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit jeder einzelnen Investitionsmaßnahme im Kraftwerksbereich und muss von den Kraftwerksplanern und –bauern entsprechend berücksichtigt werden.

„Die Wirtschaftlichkeit von Kraftwerksprojekten wird heutzutage von sehr viel mehr Faktoren beeinflusst als in der Vergangenheit und ist mit deutlich höheren Unsicherheiten und damit Risiken behaftet“, erläutert Helmut Edelmann, Autor der Studie und Direktor Energieversorgung bei Ernst & Young. Ein umfassendes und begleitendes Risikomanagement von der ersten Planungsstunde an sei daher Gebot für alle potenziellen Investoren. „Ein zentrales Element des Risikomanagements ist das Denken in möglichen Szenarien, um auch unwahrscheinliche – dafür aber mit gravierenden Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit verbundene – Entwicklungen bereits in der Investitionsplanungsphase mit zu berücksichtigen“ ergänzt Gerd Lützeler, Leiter des Bereichs Energieversorgung bei Ernst & Young.

Download der Studie

Sie können die Studie als Download (PDF - 819 KB, 28 Seiten) lesen.

Kontakt

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Ernst & Young AG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Steuerberatungsgesellschaft
Dag-Stefan Rittmeister
Mittlerer Pfad 15
70499 Stuttgart
Telefon +49 (711) 988 11 59 80
Telefax +49 (711) 988 11 51 77

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