PT 05

Wintertagung 2006 – Eröffnungsrede
Energie: Schlüsselfaktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland
Walter Hohlefelder
Das Thema Energie steht aufgrund der aktuellen Ereignisse ganz oben auf der politischen Agenda. Es gilt dringend, ein schlüssiges und langfristiges Energiekonzept zu entwickeln, das einen stabilen und vor allem verlässlichen Rahmen gibt. Standortvorteile kann sich Deutschland sich nur sichern durch wachsende Unabhängigkeit von politisch instabilen Regionen und das heißt vor allem durch die Nutzung eines breiten Energiemixes. Wenn es um diese für die Zukunftssicherung Deutschland entscheidende Frage geht, darf die Kernenergie nicht ausgespart werden.

 

Betriebserfahrungen mit Kernkraftwerken 2005
VGB-Fachausschuss Kernkraftwerksbetrieb:
Innerhalb des VGB-Fachausschusses „Kernkraftwerksbetrieb" wird seit mehr als 30 Jahren ein reger Austausch von Betriebserfahrungen mit Kernkraftwerken gepflegt. An diesem Erfahrungsaustausch sind 36 Kernkraftwerke aus Deutschland, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz und Spanien beteiligt. Über im Jahre 2005 erzielte Betriebsergebnisse sowie über sicherheitsrelevante Ereignisse, wichtige Reparaturmaßnahmen, besondere Umrüstmaßnahmen und Jahresabgaberaten an radioaktiven Stoffen wird berichtet.

 

Kernfusion, ITER und der Kyoto-Prozess
Alexander Bradshaw
Fusionskraftwerke könnten einen fast unbegrenzten Brennstoffvorrat erschließen und damit zu einem Pfeiler einer künftigen nachhaltigen Energieversorgung werden. Nächster Schritt der weltweiten Fusionsforschung ist das internationale Großexperiment ITER, das die Partner gemeinsam am europäischen Standort Cadarache in Südfrankreich bauen und betreiben werden. Der Testreaktor soll ein Energie lieferndes Plasma unter kraftwerksähnlichen Bedingungen erzeugen und damit die physikalische und technische Machbarkeit der Kernfusion als Energiequelle demonstrieren.

 

Ökonomische Auswirkungen alternativer Laufzeiten von Kernkraftwerken in Deutschland
Dietmar Lindenberger, Ralf Wissen, Michael Bartels, Hans-Georg Buttermann und Bernhard Hildebrand
Die Auswirkungen längerer Laufzeiten der bestehenden Kernkraftwerke (KKW) im Vergleich zu den Regelungen unter dem – bestehenden – Ausstiegsgesetz werden behandelt. Im einzelnen werden die Auswirkungen längerer KKW-Laufzeiten auf die Entwicklung der deutschen Kraftwerkskapazitäten, der Stromerzeugung, des Brennstoffverbrauchs und der Brennstoffimporte, die resultierenden CO2-Emissionen, die Kosten der Stromerzeugung und Strompreise sowie die damit verbundenen sektoralen und gesamtwirtschaftlichen Produktions- und Beschäftigungseffekte untersucht.

 

Systemdekontamination im Kernkraftwerk Stade vorlaufend zum Rückbau – Verfahrenstechnische Durchführung
Bernd Volkmann, Andreas Engemann und Lutz-Hagen Kemp
Das an der Elbe liegende Kernkraftwerk Stade hat am 14. November 2003 seinen Leistungsbetrieb eingestellt. Beginnend noch während des Leistungsbetriebes wurden Planungsarbeiten für die Nachbetriebsphase und den späteren Rückbau der Gesamtanlage aufgenommen. Als vorlaufende Maßnahme wurde eine chemische Reinigung radioaktiv kontaminierter Oberflächen, eine Systemdekontamination, vorbereitet und durchgeführt. Im Ergebnis der erfolgreich abgeschlossenen Systemdekontamination konnte die Dosisleistung in den Anlagenräumen deutlich abgesenkt werden.


Systemdekontamination im Kernkraftwerk Stade vorlaufend zum Rückbau
Christoph Stiepani und Karl Seidelmann
Im Kernkraftwerk Stade wurde zeitnah nach der Stilllegung im November 2003 eine Dekontamination des Primärkreises und der wichtigsten Hilfssysteme (Not- und Nachkühlung, Kühlmittelreinigung, Volumenregelung) durchgeführt. Das angewandte Dekontverfahren HP/CORD® UV und die während der Gesamtsystemdekontamination erzielten Ergebnisse werden beschrieben, einschließlich deren Vorteile als zentrale Maßnahme vorlaufend zum Rückbau. Das Potenzial für die Dosisleistungsreduzierung für Kernkraftwerke im Betrieb wird aufgezeigt.

 

Neue Wege der Kohleverflüssigung – Eine Möglichkeit zur Minderung der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten sowie ein Weg zur Wiederbelebung der heimischen Kohleindustrie
Karsten R. Radtke, Max Heinritz-Adrian und Claudio Marsico
Derzeit erlangt weltweit heimische Kohle wieder an Bedeutung. Ausgehend von der Kohle als fossilen Energieträger, insbesondere Kohle geringerer Qualität, können über mehrere Prozess-Schritte unterschiedliche Endprodukte wie Treibstoffe, Chemikalien oder auch Strom hergestellt werden. Eine Besonderheit bilden hierbei die IGCC's zur reinen Verstromung von Kohle. Aktuelle Kostenschätzungen für diskutierte Projekte belegen, dass diese Technologie wettbewerbsfähig ist. Einflüsse des Marktes sowie die Technologien Coal-to-Liquids (CTL) und Coal-to-Gasoline (CTG) werden diskutiert.

 

Austausch und Ertüchtigung der Leittechnik im Block C des Kraftwerks Scholven
Ralf Hartwiger und Eckhard Schröder
Ende Oktober 2005 schloss E.ON die Ertüchtigung der Leittechnik im Block C des Kohlekraftwerks Scholven ab. Dieses Projekt umfasste die Leittechnik für die gesamte Anlage einschließlich der Dampfturbine und der Rauchgasreinigung. E.ON führte diese Maßnahmen innerhalb eines zehnwöchigen Revisionsstillstandes durch. Dabei ersetzte das Unternehmen nicht nur das bestehende Leitsystem sondern verbesserte auch das hydraulische und elektrische Schutz- und Leitsystem der Turbine. Das Projekt setzt auf innovative Techniken auf und ertüchtigt das Kraftwerk unter den Rahmenbedingungen des Energiemarktes.

 

Verhinderung von Stillstands-Korrosion an der ND-Turbine der Kraftwerksanlage Bexbach durch optimiertes Abfahren
Frank Udo Leidich und Andreas Klein
In der Vergangenheit wurden an ND-Turbinenläufern verschiedener Kraftwerke Schäden an Niederdruckschaufeln gefunden, die auf Lochkorrosionsangriffe zurückzuführen sind und teilweise aufwändig saniert werden mussten. Zur Verhinderung von Korrosionsangriffen an Turbinenteilen des Kraftwerks Bexbach während kurzer Betriebsstillstände wurde das Abfahren der Turbine so modifiziert, dass aufgrund der Absenkung der relativen Feuchte im ND-Turbinengehäuse dort keine Korrosion stattfinden kann. Dazu wurde ein Meß- und Diagnoseverfahren zur Erfassung und Bewertung der Einflussgrössen entwickelt.

 

Brandschutzmaßnahmen bei Instandsetzungsarbeiten im Kraftwerk
Ulrich Fischer
Brandschutzmaßnahmen bei Instandsetzungsarbeiten stellen eine wichtige Maßnahme dar, um mögliche Schäden zu vermeiden und die Anlagensicherheit zu erhöhen. Statistiken zeigen, dass rund 6 % aller Brandschäden auf unsachgemäß ausgeführte Heißarbeiten zurückzuführen sind. Hier gilt es, im Vorfeld einer Instandsetzungsmaßnahme und begleitend entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Wichtigste Maßnahme neben dem technischen Brandschutz stellt eine auf die Instandsetzungsmaßnahme bezogene Brandschutzkonzeption dar. Wesentliche Inhalte können den einschlägigen BG-Vorschriften sowie der VGB Richtlinie R 108 entnommen werden.

 

Entölung u. Aufbereitung von Kondensat durch Adsorption an einer Aktivkohle mit optimalen Adsorptionseigenschaften und minimaler Abgabe von Silikat
Joachim Herzer
Durch Adsorption an granulierter Aktivkohle werden gelöste organische Verunreinigungen zuverlässig aus Kondensat entfernt. Durch eine auf die Größe der zu adsorbierenden Stoffe abgestimmte Porengröße der Aktivkohle wird die höchste Adsorptionskapazität und Standzeit erreicht. Aus den insgesamt 150 verschiedenen Aktivkohlen allein bei NORIT stehen zur Kondensataufbereitung 8 verschiedene Aktivkohlesorten zur Verfügung. Diese unterscheiden sich in den Adsorptionseigenschaften und in der Reinheit. Zum Betrieb der Adsorptionsstufe werden Hinweise zur Auslegung und zum Betrieb gegeben.

 

Herstellung von flüssigem Streusalz durch Verdampfung von REA-Abwasser im Kraftwerk Nordjyllandsværket 3
Niels Ole Knudsen
Das 1998 in Betrieb genommene Kraftwerk „Nordjyllandsværket, Block 3" in Dänemark (380 MW, Betreiber Elsam) wird mit pulverisierter Kohle befeuert und ist mit einer Kalkstein-gestützten Rauchgas-Entschwefelungsanlage (REA) von Mitsubishi Heavy Industries (MHI) ausgerüstet. Aufgrund verschärfter Umweltbestimmungen bezüglich REA-Abwasserableitungen sah man sich gezwungen – im Rahmen eines Austauschs des GAVOs –, alle Abwässer zukünftig zu verdampfen. Die Arbeiten zur Nachrüstung wurden in 2005 vorgenommen. Das jetzt beim Verdampfen entstehende Produkt, eine konzentrierte Kalziumchlorid-Salzlösung, wird als flüssiges Streusalz verkauft.

 

Optimierung der NH4OH-Eindüsung einer SCR-Anlage mittels Fuzzy Control am Beispiel der MVA Flötzersteig
Erich Pawelka, Marcus Kuhn, und Christian Gierend
Mit Einführung der Fuzzy-Feuerleistungsregelung (MK1 in 2001, MK2 und MK3 in 2002) an allen drei Feuerungen der MVA Flötzersteig wurde mit gesteigerter Leistungsfähigkeit der Feuerungen neben der Frischdampferzeugung auch im Wesentlichen die Rauchgasmenge angehoben. Eine neue Fuzzy-Regelung ermöglicht es, die Grenzwerte für Emissionen gesichert einzuhalten und diese (NOx und NH3-Schlupf) weiter zu senken. Automatisch ergänzten sich die Feuerleistungsregelung und die DeNOx-Anlagen-Regelung mittels Fuzzy Control beim Ausgleichen von veränderten Betriebsbedingungen.