PT 09

Kurzbericht über die Tätigkeit der VGB PowerTech e.V. 2005/2006
Karl A. Theis
Neben dem Beitrag von VGB PowerTech e.V. – kurz VGB genannt – zur energiepolitischen Diskussion in Deutschland und Europa lebt die Arbeit von den vielen Unterstützern und Mitarbeitern in den Unternehmen und der Geschäftsstelle. Hier werden Detailthemen, z. B. Brandschutz, Schadensstatistiken sowie Richtlinienentwürfe, systematisch und konsequent behandelt, aufgegriffen und fortentwickelt. Auch bei der Kraftwerksforschung bringt sich VGB über die Forschungsstiftung ein und fördert wichtige Themen aus Mitteln der Mitgliedsunternehmen. Zusätzlich zu diesen Arbeiten veranstaltet VGB Seminare, Fachtagungen, Konferenzen und den jährlich stattfindenden Kongress „Kraftwerke“. Diese Tagungen sind weitere Plattformen des internationalen Erfahrungsaustausches – und nicht zuletzt auch diese Fachzeitschrift.

 

Das PowerPortal für EnBW Kraftwerke AG – Realisierung und erste Erfahrungen –
Jürgen Aydt und Hans-Richard Kraft
Um das in unterschiedlichen IT-Systemen abgelegte Wissen zu vernetzen, werden häufig Expertensysteme durch eine umfassendere Software ersetzt, in die dann Funktionalitäten der abzulösenden Programme erneut – zumindest in Teilen – programmiert werden. Durch diese Wissensvernetzung und eine damit kompetentere Sacharbeit sollen Produktivität und Wirtschaftlichkeit gesteigert werden. Die EnBW Kraftwerke haben sich für ein PowerPortal als Alternative zu dieser Lösung entschieden.

 

Mark-E und Statkraft: Neubau einer 400-MW-Gas- und Dampfturbinenanlage
in Herdecke (NRW)
Uwe Johänntgen, Hilmar Lichte und Frank Albers
Mark-E und Statkraft errichten gemeinsam eine 400-MW-Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) in Herdecke (NRW). Das Kraftwerk mit einem Netto-Wirkungsgrad von über 57,5 % soll im Sommer 2007 in Betrieb gehen und dann jährlich rund 2,4 Mrd. kWh Strom erzeugen. Finanziert wird der Neubau mit einem Investitionsvolumen von 220 Mill. Euro durch eine Projektfinanzierung. Die Anteilseigner sind hierbei zugleich auch Stromabnehmer. Als Generalunternehmer ist Siemens PowerGeneration beauftragt worden.

 

Perspektiven der deutschen Braunkohlenindustrie 2006
Matthias Hartung
Für die Perspektiven der deutschen Braunkohlenindustrie ist eine wesentliche Komponente die Frage nach der weltweiten energiewirtschaftlichen Situation und der weiteren Entwicklung. Wichtige Aspekte zeigt eine Analyse energiewirtschaftlicher Ereignisse und Strategien seit der ersten Erdölpreiskrise Anfang der 70er-Jahre auf. Das Jahr 2005 war für die deutsche Braunkohle in der Gesamtbilanz erneut ein gutes Jahr. Die Produktion war auf hohem Niveau stabil, und die verfügbaren Kraftwerkskapazitäten wurden weiter intensiv genutzt.

 

Konsequenzen aus dem niederländischen Kohlevertrag (Coal Convenant) für Essent: Mitverbrennung und Vergasung
Toon van Dijsseldonk und Martijn Spanjers
Als Konsequenz aus dem 1997 unterzeichneten Kyoto-Protokoll vereinbarten die niederländischen EVU mit dem niederländischen Wirtschafts- und Umweltministerium im Jahr 2002 Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen in kohlebefeuerten Kraftwerken. Aufgrund des Kohlevertrages verpflichtete sich Essent zur Mitverbrennung von zumindest so viel Biomasse in seinen kohlebefeuerten Anlagen, dass die CO2-Emissionen von 0,931 Mill. t/a, d. h. 147,37 MW (el.) kohlebefeuerter Kapazität, verringert werden.

 

Leittechnik Retrofit – warum?
Christian Vocke
Retrofitmaßnahmen bei der Leittechnik befinden sich in einer kontinuierlichen Diskussion aufgrund der Frage nach ihrer Notwendigkeit. Unberührt davon muss jede Leittechnik irgendwann ersetzt werden, will man die wirtschaftlichen Ressourcen der Kraftwerkskomponenten, sinnvoll aufeinander abgestimmt, langfristig weiter nutzen. Der liberalisierte Markt mit seinen Anforderungen an die Flexibilität einzelner Blockanlagen hat die Debatte in der jüngeren Vergangenheit neu belebt.

 

Gesamtplanung für die komponentenweise Abwicklung von Großkraftwerken – Projektabwicklung, erforderliche Kompetenzen und Tools
Rainer Alzinger und Falko Weber
Bei der derzeit anlaufenden Erneuerung des deutschen Kraftwerksparks muss auch die Frage nach der Beschaffung und Abwicklung der Planungskapazitäten gelöst werden. Für Großkraftwerke bietet sich die Projektrealisierung in Bauherren-Eigenregie mit Zukauf von Einzelkomponenten und -systemen in Zusammenarbeit mit einem Engineering-Unternehmen für die Gesamtplanung an. Möglichkeiten der Abwicklung für eine Gesamtplanung als „owners engineer“ über die Projektphasen werden vorgestellt.

 

Aktuelle Beispiele aus Europa zur umfassenden Modernisierung von Müllheizkraftwerken im laufenden Betrieb
Gerhard Lohe
Auch vor dem Hintergrund der notwendigen Maßnahmen und Aufwändungen für die Vermeidung und teilweise Wiederverwertung von städtischen Abfällen in vielen Regionen Europas soll ein Einblick in die Entwicklung vermittelt werden, die zu Entscheidungen für eine Beibehaltung vorhandener MVA-Standorte und somit zu einer umfassenden Rekonstruktion von Anlagen geführt hat. Die Anforderungen sowie die technischen Randbedingungen aus Sicht des Generalunternehmers werden für solche Vorhaben beschrieben.

 

Leitsysteme und deren Zuverlässigkeit – Beschäftigen wir uns noch mit dem Richtigen?
Frieder Greiner
Die Zuverlässigkeit von heutigen Leitsystemen wird einleitend thematisiert. Die frühere hochzuverlässige festverdrahtete Leittechnik war durch bewährte Auslegungsphilosophien geprägt. Der Übergang zur höher zentralisierten Digitaltechnik, die Einführung von Standard-IT-Komponenten und die z. T. falsche Projektierung führten zu Flaschenhälsen, die die Systemausfälle zur Folge hatten. VGB hat daraufhin mit der Richtlinie R 170 A1 reagiert. Auf Schwerpunkte bei der Entwicklung und Abwicklung von leittechnischen Aufgabenstellungen wird eingegangen.

 

Cogeneration – Dampfturbinen für die Kraft-Wärme-Kopplung
Dirk Holtorf
Die Kombination von Stromerzeugung und Wärmeauskopplung in Kraftwerken ermöglicht eine hervorragende Brennstoffausnutzung. Beispiele hierfür sind Stahlwerke in China mit eigenen Kraftwerken oder Kraftwerke in Kombination mit Meerwasserentsalzungsanlagen. Bei den Cogeneration-Turbinen liegt das Hauptaugenmerk auf der Verfügbarkeit der Komponenten, weil der von der Dampfturbine entnommene Dampf einen Prozess mit Energie versorgt und somit essentiell für die Produktion ist.

 

IT-Risiken erkennen, vorausschauend handeln oder „Praktische Gründe für umfassende IT-Security“
Philippe A.R. Schaeffer
Umfassende IT-Security bedeutet, alle Bedrohungswege zu betrachten, mögliche Konsequenzen zu erkennen und daraus die Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen abzuleiten. Beispielhaft werden zwei Bedrohungswege aufgezeigt, die nach Erfahrungswerten in der überwiegenden Zahl der Unternehmen heute existieren: „Hacking in internen Netzen“ sowie „Viel versprechende Ziele: Web-Applikationen“.

 

Nanocomp PP: Nanokeramische Schutzschichten für Kraftwerke im Praxistest
Frank Meyer, Stefan Faber und Anja Novy
Rohre in Kesseln und Wärmetauschern von Kraftwerken neigen dazu, massive Schlacke- und Ascheanbackungen aufzuweisen, die aus Brennstoffrückständen stammen. Werden die Anbackungen zu stark, kann es zu erheblichen Betriebsstörungen kommen. Die keramische Beschichtung (Nanocomp PP) fungiert als Antihaftbeschichtung und verhindert Anbackungen. Sie schützt gleichzeitig vor Korrosion (Verzunderung) der Wärmetauscherrohre.