PT 05
Eröffnungsansprache: Wintertagung 2007
Walter Hohlefelder
Das Thema Energiepolitik ganz oben auf der politischen Agenda. Die Europäische Kommission hat ihr Strategiepapier „Eine Energiepolitik für Europa“ präsentiert und in Deutschland wird ein weiterer Energiegipfel stattfinden, der zentrale Weichenstellungen für ein Energiekonzept markieren soll. In Sachen Kernenergie hat die EU-Kommission klar und nüchtern den heutigen Beitrag der Kernenergie in der EU und vor allem auch die Chancen eines weiteren Ausbaus der Kernenergie im Hinblick auf CO2-Vermeidung, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit hervorgehoben. An
einer grundsätzlichen Neubewertung der Kernenergie führt kein Weg vorbei.
Betriebserfahrungen mit Kernkraftwerken 2006
VGB-Fachausschuss Kernkraftwerksbetrieb
Innerhalb des VGB-Fachausschusses „Kernkraftwerksbetrieb“ wird seit mehr als 30 Jahren ein reger Austausch von Betriebserfahrungen mit Kernkraftwerken gepflegt. An diesem Erfahrungsaustausch sind Kernkraftwerke aus Deutschland, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz und Spanien beteiligt. Über im Jahre 2006 erzielte Betriebsergebnisse sowie über sicherheitsrelevante Ereignisse, wichtige Reparaturmaßnahmen, besondere Umrüstmaßnahmen und Jahresabgaben an radioaktiven Stoffen wird berichtet.
Die Zukunft wird Realität: Investitionen in neue Kernkraftwerke
Laurent Stricker
Ein großes Interesse an neuen Kernkraftwerken ist in Ländern wie den USA, Indien und China zu verzeichnen. Europa steht besonders im Fokus, so Finnland mit dem ersten EPR in Olkiluoto (OL 3) und Großbritannien, wo über den Bau neuer Anlagen nachgedacht wird. Darüber hinaus wird die Situation in Frankreich beleuchtet. Die Erneuerung des dort bestehenden Kernkraftwerksparks wurde in zwei unterschiedlichen Szenarien mit Kernkraftwerken der 2. und 3. Generation untersucht.
Das Simulatorzentrum der KSG/GfS wird 20 Jahre alt!
Eberhard Hoffmann
Vor 20 Jahren wurden die beiden Gesellschaften KSG Kraftwerks-Simulator-Gesellschaft mbH und GfS Gesellschaft für Simulatorschulung mbH für den Betrieb von Simulatoren und deren Nutzung für die Schulung des verantwortlichen Betriebspersonals der Kernkraftwerke gegründet. Ein Simulatorzentrum entstand, welches auf eine Zeit erfolgreicher Schulung und enormer Entwicklung zurückblicken kann. Das Simulatorzentrum ist ein Gemeinschaftsunternehmen, ein Kompetenzzentrum und ein Service-Unternehmen zugleich. Anforderungen und deren Realisierung werden beschrieben mit dabei wesentlichen Entwicklungen und Erfahrungen.
Suche einer optimalen Abfahrchemie im Kernkraftwerk Beznau zur Minimierung der Co-58 Ablagerungen
Irene Mailand und Hartmut Venz
Das Kernkraftwerk Beznau besteht aus zwei identischen 380-MW-DWR-Blöcken, die 1969 bzw. 1971 in Betrieb genommen wurden. Die Oberflächen ausgetauschter, neuer Dampferzeuger-Rohre aus Inconel 690 stellen die Hauptquelle für das Co-58 dar. Co-60 stammt vorwiegend aus der Kobaltlegierung Stellit. Eine geeignete Abfahrchemie kann erreichen, dass sich weniger NiO auf den Brennelementen ablagert und ein rückläufiger Trend für das daraus entstehende Co-58 einstellt. Die erprobten Optimierungsmaßnahmen der Abfahrchemie sowie daraus resultierenden Betriebserfahrungen sind Bestandteil der heute angewendeten Fahrweise.
Tracermessung und Prozessdatenvalidierung nach VDI 2048 – Vergleich zweier Analyseverfahren zur genaueren Bestimmung der Speisewassermassenströme im Kernkraftwerk Beznau
Thomas Hungerbühler, Magnus Langenstein
Die maßgebliche Messgröße für die thermische Reaktorleistung in einem Kernkraftwerk ist der Speisewassermassenstrom. Dieser kann mittels Venturidüsen oder Messblenden bis zu einer Genauigkeit von 1 % erfasst werden. Für genauere Angaben werden Tracermessungen eingesetzt, die eine Genauigkeit von bis zu 0,2 % erreichen können. Im Kernkraftwerk Beznau wurden beide Methoden parallel eingesetzt. Der Ergebnisvergleich zeigte eine sehr gute Übereinstimmung der Validierungsergebnisse mit den Resultaten der Tracermessungen. Die Erkenntnisse aus diesem Vergleich führten zu einer sehr hohen Akzeptanz der Prozessdatenvalidierung nach VDI 2048.
Perspektiven und Projekte einer nachhaltigen Stromversorgung in Indien
Yogeswhar Singh Ratra, Harinder Mohan Jain
Der Elektrizitätsbedarf in Indien hat in den letzten fünf bis10 Jahren beträchtlich zugenommen. Zur ausreichenden Deckung des Bedarfs in den nächs-ten fünf bis sechs Jahren werden neue Kapazitäten von rund 68 000 MW benötigt. Details zum zukünftigen Szenario der installierten Leistung, zum Pro-Kopf-Stromverbrauch, zur Elektrifizierung, zum Beitrag der einzelnen Energieträger an der Energieversorgung und der erwarteten Bedarfsentwicklung werden vorgestellt. Die Entwicklung eines nationalen indischen Netzes ist ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt. Die Ziele der nationalen Energiepolitik im Hinblick auf Bedarfsdeckung und politische Anreize zur Steigerung privater Investitionen werden ebenfalls erörtert.
Instandhaltung im Wettbewerb – Erfahrungen mit OEM und Non-OEM bei der Instandhaltung von Gas- und Dampfturbinen sowie Generatoren
Klaus Schippers, Andreas Hinterthan, Bruno Schroeder und Oliver Then
Der seit Beginn der Liberalisierung des Strommarktes ständig gestiegene Wettbewerbsdruck in der Stromerzeugung zwang die Energieversorgungsunternehmen, auch im Bereich der Instandhaltung der Kraftwerksanlagen erhebliche Kostenreduzierungen zu realisieren. Dies wurde unter anderem erreicht durch Streckung von Inspektions- und Revisionsintervallen insbesondere bei den Hauptkomponenten sowie durch stärkere Berücksichtigung von Drittanbietern (Non-OEM) im Instandhaltungsbereich. Die Weiterentwicklung der Instandhaltungsstrategie für die Gas- und Dampfturbosätze in den Steinkohlen- und Gaskraftwerken der RWE Power wird behandelt.
Erfahrungen mit der Feuerung mit Strohstaub in Amager 2
Mogens Berg, Soren Thaaning Pedersen, Gorm Rohde
Aufgrund neuer CO2-Bestimmungen haben die dänischen Kraftwerksbetreiber vereinbart, den Einsatz von Biomasse zu erhöhen. Über die Feuerung mit Strohballen, Holzpellets und Holzchips hinaus wurden Strohpellets zur Biomassefeuerung eingeführt, die im für Kohlenstaub konzipierten Kraftwerk Amager 2 eingesetzt werden. Betriebserfahrungen sowie durch den neuen Brennstoff bedingte Probleme werden aufgezeigt und erörtert.
Innovative Innenauskleidung und Wärmedämmung von z. B. Abhitze-Dampferzeugern
Klaus Danwerth, Dietmar Ringkamp, Bruno Wilhelmi, Georg Krömer
Nach der Inbetriebnahme einer GuD-Anlage traten Probleme bei der konventionellen Isolierung im Abgaskanalsystem auf. Nach der Vorstellung einer neuen Technologie für Innenisolierungen von Abhitzekanalsystemen wurde beschlossen, ein Testfeld im Abgaskanal aufzubauen, um erste Betriebserfahrungen zu sammeln. Nach einer Betriebszeit von fast einem Jahr hat das System hervorragende Wärmeisolierungseigenschaften bewiesen. Im Vergleich zu herkömmlichen Innenisolierungen kann mit dem Compac Clad-System die Forderung nach einer nahezu gasdichten Isolierung besser erfüllt werden.
Qualität von Schallimmissionsprognosen bei Industrieanlagen
Josef Danner
Anhand einer virtuellen Industrieanlage wird zum Thema „Qualität von Schallimmissionsprognosen“ ein Berechnungsverfahren vorgestellt, das die Unsicherheiten bei Schallquellen einer Anlage gewichtet. Die größten Unsicherheiten treten bei der Schätzung der Schallemission einzelner Quellen auf, weshalb die Unsicherheit und damit die Qualität von Schallimmissionsprognosen maßgeblich von der Kompetenz des Akustikers abhängt. Es kommt bei der Prognose daher nicht auf die Angabe einer Toleranz an, um die Qualität zu beschreiben, sondern auf realistische Ansätze bei der Schallemission einzelner Quellen.
Post-combustion CO2-Wäsche als attraktive Chance zur verfahrenstechnischen Ergänzung von mit Kohle befeuerten Kraftwerken und damit verknüpfte FuE-Ziele
Bernhard Epp, Hans Fahlenkamp, Bernhard Pieper, Christina Stankewitz, Egon Erich, Monika Vogt
CO2-Abscheidetechniken der so genannten Post-Combustion-Decarbonisierungs-Kategorie erscheinen als mögliche Maßnahme zur CO2-Minderung bei Kraftwerksprozessen besonders attraktiv. Diese können im Idealfall an den bewährten Kraftwerks-prozess „angehängt“ werden. Zwei Versuchsideen für das Capture-Ready-Design auf Basis einer Flash-Desorption mit Aminlösungen bzw. der Pott-aschewäsche werden vorgestellt und Vor- und Nachteile diskutiert.