PT 08
Neue Kraftwerke – mit Innovation die Zukunft gestalten
Reinhardt Hassa
Die VGB-Konferenz „Kraftwerke im Wettbewerb“ vereint Betreiber und Hersteller von Kraftwerksanlagen. Erfahrungen werden ausgetauscht und Schritte für die Probleme der Gegenwart und Zukunft der Branche diskutiert. Die gegenwärtige enorme Aufgabe ist es, den Kraftwerksbetrieb auf die Herausforderungen der Zukunft auszurichten. Neben der sicheren Versorgung zu wirtschaftlichen Konditionen steht das Thema Klimaschutz durch die Reduzierung der CO2-Emissionen im Mittelpunkt der Aktivitäten. Konzepte, Initiativen und Rahmenbedingungen werden erörtert.
Stromhandel in Europa – die Rolle der Kraftwerke
Günther Rabensteiner
Vor dem Hintergrund der Entwicklung des Stromhandels in Europa ist zu erkennen, dass die starke technische Prägung des Produkts Strom – als nicht speicherbares, leitungsgebundenes Gut – vielfach unterschätzt wurde. Zunehmende Netzengpässe limitieren die physischen Handelsaktivitäten, und sinkende Reservekapazitäten sowie steigende Verbrauchswachstumsraten verschärfen die Situation. Nicht der lokale Strombedarf, sondern vor allem die Preisentwicklungen der Primärenergieträger relativ zum Strompreis (spark und dark spreads) bestimmen heute den Kraftwerkseinsatz.
Energiepolitische Perspektiven für Europa und Deutschland sowie die Rolle der Steinkohle im Energiemix
Erich Schmitz
Klima- und Umweltschutz sind zum neuen Megathema geworden. Innerhalb kürzester Zeit haben der apostrophierte Klimawandel und Rohstoffknappheit weltweit das politische und ökonomische Koordinatensystem in Frage gestellt. Auf dem EU-Gipfel 2007 sind hierzu Beschlüsse gefasst worden, die eine erste Weichenstellung für Klima- und Energiepolitik darstellen. Es wurden aber nur die Ziele definiert – die Wege dahin müssen erst noch gefunden werden. Der Energiemix der Zukunft ist weiter umstritten und ein verlässlicher Rahmen derzeit noch nicht in Sicht. Investitionsentscheidungen sind in dieser Situation schwer zu treffen.
Innovationen für die Anforderungen des EDF-Kraftwerksparks in Frankreich
Francois Giger, Olivier Vailhen und Veronique Arrondel
Die aktuellen Herausforderungen an alle Stromversorger ergeben sich wesentlich aus den Markterfordernissen, der Marktliberalisierung und den Anforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes. Entsprechend fokussiert EDF bei den einzelnen Erzeugungsoptionen – der Kernenergie, den fossil-befeuerten Kraftwerken und der Wasserkrafterzeugung – die Aktivitäten auf innovative Bereiche. Die Herausforderungen erfordern dabei sowohl technische als auch organisatorische Lösungen, wie es z. B. die Netzinstabilität in West-Europa vom 4. November 2006 gezeigt hat.
Kraftwerksbetrieb bei Einspeisung in Windparks
Torsten Haase, Friedrich Gottelt, Jürgen Nocke, Egon Hassel und Harald Weber
Die CO2-freie Energieerzeugung in Onshore- und Offshore-Windkraftanlagen spielt für Deutschland eine immer größere Rolle. Das herausragende Problem beim Einsatz von Windenergieanlagen (WEA) sind deren witterungsbedingte, unterschiedlich große und schnelle Leistungsfluktuationen. Die thermodynamischen und regelungstechnischen Hintergründe, die zur Bewältigung der erforderlichen Regelaufgaben notwendig sind, werden anhand des Steinkohlekraftwerks Rostock aufbereitet. Vorgestellt werden die ersten Ergebnisse des VGB-Forschungsprojektes 283 „Zusammenwirken großer Offshore-Windparks und konventioneller thermischer Kraftwerke“.
Erfahrungen mit einer Niedrigemissions-Brennkammer der zweiten Generation
Mats Blomstedt, Olle Lindman und Vladimir Navrotsky
Im Jahre 1991 wurde ein neues und bis dahin einzigartiges DLE-Verbrennungssystem (DLE: Dry Low Emission) bei der 25-MW-Gasturbine SGT-600 eingeführt. Inzwischen summieren sich die Erfahrungen mit der SGT-600-Flotte auf mehr als 3,5 Mill. Betriebsstunden. Ein spezielles Kalibrierungssystem für die Brennkammern wurde entwickelt und standardmäßig in die vor der Auslieferung stattfindende Qualitätskontrolle integriert. Eine Überprüfung oder Nachkalibrierung ist nicht erforderlich. In einer LNG-Anlage in China wurden positive Erfahrungen mit der Verbrennung eines mittelkalorischen (MBTU-)Gases gesammelt.
Optimierung der Regelung im HKW-Lichterfelde unter Berücksichtigung der Anforderungen im liberalisierten Strommarkt
Christiane Jahn und Lutz Lehmann
Die Anpassung vorhandener Kraftwerksanlagen an die Anforderungen des liberalisierten Strommarktes ist eine Herausforderung, der sich Betreiber von älteren Anlagen zunehmend stellen müssen. Im Bereich der Leittechnik lassen sich durch behutsame Eingriffe in bestehende Konfigurationen Verbesserungen der Leistungsfähigkeit erzielen sowie Vorteile moderner Leittechnik nutzen. Im HKW Lichterfelde wurde die Regelung optimiert – auch weil sich Vattenfall Europe Berlin mit dem Block an der Sekundärregelung beteiligt.
Das RDS-PP – Übergang vom KKS zu einer internationalen Norm
Harry Königstein, Heinz Müller und Jörg Kaiser
Neue und zurückgezogene Normen sowie überarbeitete EU-Richtlinien mit Bezug zu Anlagenkennzeichnung und Dokumentation haben auch erheblichen Einfluss auf das Kraftwerk-Kennzeichensystem KKS der VGB. Zur Erhaltung der Akzeptanz auf internationalen Märkten, zur Sicherstellung von Übereinstimmung mit den gültigen Normen in Verbindung mit Konformitätserklärungen und zur Erfüllung von Sicherheitsvorschriften in Betrieben entstand für Hersteller und Betreiber gleichermaßen die Notwendigkeit einer Anpassung des KKS an die aktuellen Regelwerke. Das neue genormte Kennzeichensystem erhielt den Namen Reference Designation System for Power Plants – RDS-PP. Es basiert auf den Grundregeln internationaler Normen und berücksichtigt nahezu vollständig die Strukturen des KKS. KKS-Aggregate- und Betriebsmittelschlüssel werden im neuen Kennnzeichensystem ersetzt durch eine Norm, deren Kennbuchstaben weltweit für alle Fachbereiche und Branchen einheitlich sind. Sie stimmen teilweise nicht mit den KKS-Festlegungen überein. Zur Gegenüberstellung von RDS-PP zu KKS und erforderlichen Konvertierung von KKS nach RDS-PP stehen Hilfsmittel zur Verfügung. Diese Hilfsmittel unterstützen den Übergang vom KKS-Funktionsschlüssel zum RDS-PP-Systemschlüssel, vom Aggregate- und Betriebsmittelschlüssel zu den Kennbuchstaben der internationalen Norm. Der Beitrag schildert die Entwicklung des neuen Kennzeichensystems aus dem Blickwinkel der Normung, beschreibt Hauptmerkmale, nennt Angebote der Unterstützung und gibt Empfehlungen für den künftigen Einsatz.
Aufgaben und Methoden der Kondensataufbereitung
Michael Lormies, Karol Daucik, Hans Duve und Heinz Thiemann
Seit April 2005 wird das Merkblatt „Aufgaben und Methoden der Kondensatreinigung“ (VGB-M 412 L) vom VGB-Arbeitskreis „Chemie der Wasserbehandlung“ überarbeitet. Das Merkblatt beschreibt die Anforderungen für Kondensataufbereitungen der Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden und keine industriell verschmutzten Kondensate aufbereiten müssen. Über den Stand des bisherigen Entwurfes wird berichtet.
Ertüchtigung der Vollentsalzungsanlage und DOC-Reduktion über Umkehrosmose im Kraftwerk Lippendorf
Thomas Hörtinger, Michael Köhler, Karla-Georgi-Kruggel und Thomas Meyerhoff
Die Betriebsweise der Kühlturmzusatzwasseraufbereitung (KZA) des Kraftwerks Lippendorf ist durch den Errichter nur unzureichend auf die Belange der Vollentsalzungsanlage (VEA) abgestimmt worden. Ein umfangreiches Versuchsprogramm zur Festlegung geeigneter Technologien der Deionaterzeugung wurde aufgrund nicht zufriedenstellender weiterer Maßnahmen in 2002 aufgelegt. Ziel hierbei wares, den Organikgehalt im Deionat so weit zu senken, dass im Wasser-Dampf-Kreislauf keine Probleme zu erwarten sind. Im April 2003 wurde planungsseitig mit der Ertüchtigung der VEA begonnen.
Ingenieure in Kraftwerken: Anforderungen und Ausbildungsprofil
Markus Bieder
Nach der richtungweisenden Entscheidung von Bologna im Jahre 1999, einen gesamteuropäischen Hochschulraum zu schaffen, werden sich die deutschen Hochschulen, die Studierenden und die potentiellen Arbeitgeber in den nächsten Jahren besonderen Herausforderungen zu stellen haben. Der Entschluss, die bekannten Diplom- und Magisterstudiengänge grundsätzlich durch Bachelor und Master zu ersetzen, wird auch die Energieversorger bei der Rekrutierung technisch ausgebildeten Hochschulpersonals mit diversen Fragestellungen konfrontieren.