PT 09
Karl A. Theis:
Kurzbericht über die Tätigkeit der VGB PowerTech e.V. 2004/2005
Neben dem Beitrag von VGB PowerTech e.V. – kurz VGB genannt – zur energiepolitischen Diskussion in Deutschland und Europa lebt die Arbeit von den vielen Unterstützern und Mitarbeitern in den Unternehmen und der Geschäftsstelle. Hier werden Detailthemen, z.B. Brandschutz, Schadensstatistiken sowie Richtlinienentwürfe, systematisch und konsequent behandelt, aufgegriffen und fortentwickelt. Auch bei der Kraftwerksforschung bringt sich VGB über die Forschungsstiftung ein und fördert wichtige Themen aus Mitteln der Mitgliedsunternehmen. Zusätzlich zu diesen Arbeiten veranstaltet VGB Seminare, Fachtagungen, Konferenzen und den jährlich stattfindenden Kongress „Kraftwerke“. Diese Tagungen sind weitere Plattformen des internationalen Erfahrungsaustausches – und nicht zuletzt auch diese Fachzeitschrift.
Klaus Rauscher:
Clean Coal im Energiemix von morgen
Im Energiemix der Zukunft wird der fossile Brennstoff Kohle eine bedeutende Rolle haben. Braun- wie auch Steinkohle sind in Deutschland langfristig verfügbare Brennstoffe. Dieses Potential nutzt Vattenfall, um innovative Technologien für die Anforderungen der Zukunft zu entwickeln.
Peter Puppe und Thorsten Stritzki:
Regulatorische Nachteile von deutschen gegenüber ausländischen Kraftwerksstandorten
Regulatorische Nachteile können technische Verbesserungen (über)kompensieren: Allein die quantifizierbaren Nachteile des Kraftwerksstandorts Deutschland summieren sich auf 2,78 bis 3,58 Euro/MWh. Weitere Belastungen, wie z.B. die Einführung einer G-Komponente, würden Investitionen ins Ausland drängen. Das Gegenteil ist gefragt: der Abbau regulatorischer Nachteile des Standorts Deutschland gegenüber dem europäischen Ausland.
Holger-Max Emberger, Peter Mürau und Lars Beckmann
Siemens-Basiskraftwerke – Die Umsetzung von Kundenbedürfnissen in Kraftwerke
Deregulierung und Liberalisierung des Strommarktes, ein hoher Anteil erneuerbarer Energie (insbesondere Windenergie) am installierten Kraftwerkspark und hohe Brennstoffpreise haben Auswirkungen auf die Anforderungen an neue Kraftwerke. Das Hauptaugenmerk der Kunden in diesem Umfeld liegt auf der Optimierung der Life-cycle-Kosten mit Faktoren wie hoher Wirkungsgrad und
hohe Leistung sowie Flexibilität im Betrieb.
Falko Weber, Rainer Alzinger und Ulrich Maschke:
Optimierungspotential für Kraftwerke zur Stromerzeugung
Das so genannte „Kalte Ende“ ist ein wichtiger und bisweilen unterschätzter Teilbereich bei der Festlegung der Anlagenschaltung und -grundparameter für Kraftwerksneubauprojekte. Das hier behandelte „Kalte Ende“ umfasst das Niederdruckteil der Turbine, den Kondensator, sowie die Kühlwasserver- und -entsorgung bei Durchlauf-, Ablauf- und Kreislaufkühlung. Die Festlegung des Kalten Endes erfolgt individuell je Anlage und beeinflusst nicht nur die Investkosten, sondern wesentlich auch die Betriebskosten und – noch wichtiger – die erzielbaren Erlöse des Kraftwerks. Der Beitrag zeigt auf, welche Parameter wie sie das Kalte Ende beeinflussen und spricht Empfehlungen für deren Festlegung aus.
Emmanuel Kakaras, Nikolaos Koukouzas, Panagiotis Grammelis und Anatoly Tumanovsky:
Renovierungsaktivitäten in kohlebefeuerten russischen Kraftwerken
Die Kohle spielt eine sehr wichtige Rolle beim Energiemix in Russland. Es wird erwartet, dass ihr Anteil in der Zukunft steigend bleibt. Unter dem Ziel der sauberen Kohletechnologien (Clean Coal Technologies – CCT) in Russland werden die Modernisierungsmöglichkeiten der mit Kohle befeuerten Kraftwerke mit Leistungen über 100 MW (elektrisch) überprüft. Die Daten wurden aus 180 Kohlekraftwerken erfasst und die Möglichkeiten von Renovierungsmaßnahmen der in Betrieb befindlichen Anlagen geschätzt.
Ernst Michael Züfle:
Der AP1000 mit Sicherheitssystemen passiver Bauweise erfüllt die Anforderungen der EVU weltweit
Im September 2004 erteilte die United States Nuclear Regulatory Commission (U.S. NRC) Westinghouse für den fortschrittlichen AP1000-Reaktor das Final Design Approval (Konstruktionsgenehmigung). Damit ist dieser Reaktor das erste Anlagenkonzept der Generation III+, das eine FDA erhalten hat. U.S. NRC erwartet, dass die Erteilung des Design Certificate (Konstruktionszertifikat) in Form eines Anhanges zur 10CFR52 bis Dezember 2005 erfolgen wird. Dieses Zertifikat gilt für 15 Jahre und ist erneuerbar in Abschnitten von 10 bis 15 Jahren.
Kurt Häge:
Perspektiven der deutschen Braunkohleindustrie in 2005
Die Chancen und Risiken der Energieversorgung, die zunehmend realistisch eingeschätzt werden, die EU-Erweiterung mit großen Kohleförderländern, die offensichtlichen geopolitischen Risiken und letztendlich die Debatte über “Clean Coal-Technologien” zählen zu jenen Punkten, die die Position der Kohle neu definieren und die Kohleproduzenten zuversichtlich in die Zukunft blicken lassen. Immer mehr Menschen teilen die Auffassung, dass Kohle ihren Beitrag zur weltweiten zukünftigen Energieversorgung leisten wird. Eine wettbewerbsfähige Energieversorgung ist für Europa und Deutschland unerlässlich - Braunkohle kann hier einen wertvollen Beitrag leisten.
Karsten R. Radtke, Dave Battensby und Claudio Marsico:
Renaissance der Vergasung auf Basis einschneidender Technologien
Sowohl Einführung stringenter Umweltauflagen sowie steigende Preise bei den Primärenergieträgern Öl und Gas als auch die dadurch immer kostenintensivere Entsorgung von Produktionsrückständen wie z.B. im Raffinerieprozess forcieren die Entwicklung und Implementierung alternativer Technologien. Im Beitrag werden zunächst die wesentlichen Vergasungstechnologien vorgestellt und vereinzelt auf ihre Historie eingegangen. Der Schwerpunkt wird hierbei auf die derzeit sehr erfolgreich vermarktete Shell-Vergasungstechnik gelegt.
Eberhard Uhlig, Norbert Paßmann, Wolfgang Moll, Peter Moser, Hans-Arnold Hoffmann und Jörg Schubert:
Entwicklung und betriebliche Umsetzung einer Fahrweise zur Minimierung der Heizflächenverschmutzung in einem Braunkohlekraftwerk der RWE Power AG
Braunkohlekraftwerke sind in der Regel an eine Lagerstätte gebunden. Bei Änderung der Kohlezusammensetzung der Lagerstätte ist gegebenenfalls auch die Kesseltechnik anzupassen. Im vorliegenden Fall liegt ein langjähriger Trend der Kohlezusammensetzung hin zu niedrigen Aschegehalten und höheren Heizwerten vor. Diese prinzipiell günstigen Veränderungen sind allerdings von einem geänderten Kesselverschmutzungsverhalten begleitet. In einer Vielzahl von Versuchen an 600- und 300-MW-Blöcken wurden seit dem Jahr 2000 systematische Untersuchungen zum Verschmutzungsverhalten der Kessel in Abhängigkeit von Kohlezusammensetzung und Anlagenfahrweise durchgeführt. Ergebnisse der Großkesselversuche und die angewendete schrittweise Methodik zur Problemerkennung, Lösungsentwicklung und betrieblichen Umsetzung werden vorgestellt.
Rolf Weber, Horst Kutzenberger und Gerhard Mohr:
Zustandsbeurteilung von Beschichtungssystemen in Rauchgasentschwefelungsanlagen
An Gummierungen und Beschichtungen in Rauchgasentschwefelungsanlagen wurde Ende der 80er-Jahre eine Vielzahl von Schäden beobachtet. Durch Untersuchung der Schadenmechanismen konnten in der Folge Verbesserungen an den Beschichtungssystemen erzielt werden. Weil sich die Beschichtungen jedoch aufgrund der Betriebseinflüsse verändern und eine endliche Lebensdauer aufweisen, sollten sie regelmäßigen Inspektionen unterzogen werden. Neben der Vorstellung von häufig beobachteten Schädigungsmechanismen werden die Möglichkeiten von ambulanten Prüfungen vor Ort sowie von Laboruntersuchungen aufgezeigt.
André Zander, Helmut Nopper und Roland Roessner:
COMSY - Software zum effizienten Anlagen- und Revisionsmanagement
Der störungsfreie und reibungslose Betrieb von Anlagen, Komponenten und Strukturen über einen möglichst langen Zeitraum zählt zu den wesentlichen Aufgaben eines Anlagenmanagementprogramms. Ein solches Programm kann nur funktionieren, wenn die Schwachstellen einer Anlage bekannt sind. Aus diesem Grunde ist es unerlässlich, die Anfälligkeiten bestimmter Komponenten und Systeme genauestens zu kennen. Sobald diese Informationen vorliegen, können Lösungsvorschläge erarbeitet oder bestimmte Bereiche identifiziert werden, die besonders zu beobachten sind.
Frieder Greiner:
Maßnahmen zur Vermeidung und Beherrschung von Leittechnikausfällen
Die Leittechnik in Kraftwerken hat sich in den letzten Jahrzehnten als zuverlässiges und hoch verfügbares Werkzeug für die Prozessführung bewährt. Vereinbarungen zwischen Herstellern und Betreibern zu den Grundsätzen der Leittechnikstrukturen sowie den Philosophien der Auslegung, Automatisierung und Bedienung stellen – neben dem Schutz von Personen und der Anlagentechnik – die Aufrechterhaltung des Kraftwerksprozesses in den Vordergrund. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Entwicklung von der „konventionellen“ Leittechnik hin zu digitalen Systemen mit den damit verbundenen Möglichkeiten, aber auch den entstandenen Risiken.