Editorial - VGB PowerTech Journal 10/2018

Biomasse-Asche: Herausforderungen und Chancen

In der Ausgabe 6/2013 der VGB POWERTECH schrieb Yves Ryckmans von Laborelec in seinem Vorwort, dass nach seiner Schätzung rund 70 % des erneuerbaren Brennstoffs in einigen EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2020 aus Holz oder ähnlichen Ressourcen stammen werden. Dies war ein Ziel der EU als gemeinsame Anstrengung zum Klimaschutz. Weiter merkte er an, dass dieser höhere Verbrauch auch zu einem Anstieg der Importe von Holz für die Energieversorgung führen werde.

Jetzt, fünf Jahre später, hat sich die EU ein neues Ziel gesetzt: Der Anteil der erneuerbaren Energien soll bis 2030 auf 32 % steigen, um die Kohlendioxidemissionen weiter zu senken. Auch hat die EU-Kommission Empfehlungen zu Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse abgegeben. Diese Empfehlungen gelten für Anlagen mit mindestens 1 MW thermischer oder elektrischer Leistung.

Gemäß den Empfehlungen:

  • ist der Einsatz von Biomassen aus Wäldern und anderen Gebieten mit hoher Kohlenstoffbindung sowie aus Gebieten mit reicher Biodiversität nicht erlaubt;
  • muss sichergestellt sein, dass die Biomassen über ihren Lebenszyklus (Anbau, Verarbeitung, Transport usw.) mindestens 35 % weniger Treibhausgase ausstoßen als fossile Brennstoffe. Für neue Anlagen gelten Grenzen von 50 % ab 2017 und 60 % ab 2018;
  • werden nationale Förderregelungen für Biomassen in hocheffizienten Anlagen bevorzugt;
  • soll die Überwachung der Herkunft aller in der EU eingesetzten Biomassen gefördert werden, um ihre Nachhaltigkeit zu gewährleisten.

Im zügigen Verfahren zur Ausweitung der Nutzung von Biomasse wurden aber notwendige Überlegungen zur Nutzung der gleichzeitig anfallenden Biomassenaschen irgendwie übersehen.

Seit 2013 gibt es die europäische Arbeitsgruppe „Biomass Ash“ bei VGB PowerTech. Ziel des Gremiums ist es, die verfügbaren Informationen über Biomasseaschen in den EU-Ländern systematisch zu erfassen. Es gab dazu mehrere Treffen mit umfassendem Austausch wertvoller Informationen. Ziel ist es, einen Bericht zu den regulatorischen Rahmenbedingungen, den ökonomischen Aspekten, Steuern, Forschung und Entwicklung, anfallenden Mengen, Qualität der Produkte usw. vorzulegen. Aktuell liegt eine Ausarbeitung vor mit zusammen fassenden Ergebnissen zu den Hauptthemen. Ein wichtiges Ergebnis ist, dass es in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten erhebliche Unterschiede in Bezug auf den Einsatz von Biomasse­aschen gibt. Zudem können die langjährigen Erfolg bei der Verwertung von Steinkohlenasche nicht auf den Einsatz von Biomasse­aschen übertragen werden. Die Unterschiede beider Produkte sind erheblich; Biomasseaschen können Steinkohlenasche nicht einfach ersetzen.

Seit 2013 wurde in einigen Mitgliedstaaten ein erheblicher Anstieg der Nutzung von Biomasse verzeichnet, wie es bereits 2013 absehbar war. Auch gibt es neue Ideen für den Einsatz von Biomasse­aschen. Gleichzeitig ist festzustellen, dass zukünftig der Einsatz von Biomasseasche als Dünger und zur Bodenverbesserung ein wichtiger Beitrag sein wird, um den Verbrauch von Nährstoffen in Böden auszugleichen.

Die IEA bereitet derzeit einen umfangreichen Bericht mit weiteren Daten und Fakten zur Biomasseasche vor, in den Informationen für die meisten OECD-Länder einfließen.

Diese Ausgabe der VGB POWERTECH vermittelt mit mehreren Beiträgen einen Einblick in einige Anwendungen von Biomasseaschen, die seit 2013 untersucht oder umgesetzt werden. Wir erkennen auch, dass es einen optimalen Weg bislang nicht gibt. Nicht so sehr aus technischer Sicht, sondern aus ökonomischer/steuerlicher, legislativer und Sicht der Akzeptanz.

Die Diskussion zur Besteuerung der Verwendung von Abfällen und Nebenprodukten scheint weiter eine ständige Herausforde-rung zu sein. Man könnte argumentieren, dass eine hohe Steuer auf Produkte, die zur Deponierung bestimmt sind, aus welchem Grund auch immer die Entwicklung geeigneter Verfahren zur Verwendung von Produkten vorantreiben würde, anstatt potenziell wertvolles Material zu verwerfen. So korrekt dies sein mag, so stellt die Verwertung ein erhebliches wirtschaftliches Risiko für die Unternehmen, Institutionen usw. dar, die Geld und Arbeit investieren, aber schlussendlich erkennen müssen, dass die Investition aufgrund äußerer Einflüsse nicht fruchtbar ist. Ursächlich hierfür ist ein fehlendes EU-weites einheitliches System der Besteuerung. In einigen Ländern sind so die Kosten für die Deponierung von Abfällen sehr hoch, in anderen quasi nicht vorhanden. Als natürliche Konsequenz kann daraus folgen, dass es in einigen Ländern wirtschaftlich ist, Deponierung zu ver-meiden und Stoffe zu rezyklieren, in anderen nicht. Dies sind auch ungleiche Wettbewerbsbedingungen.

Die rechtlichen – einheitlichen – Rahmenbedingungen für die Nutzung von Biomasseaschen sind zudem wichtig. Biomasseasche kann in einem Land anfallen, kann aber in einem anderen Land eine bessere Verwendung finden. Dies entspricht auch gut den Vorstellungen aus dem Jahr 2013: einige Länder müssen Holz importieren, während andere Länder ihre natürliche Ressourcen nutzen können und Holz-(produkte) für die Energieversorgung exportieren. Wenn also die Nutzung von Biomasse regulatorisch eingeordnet werden soll, so ist die Düngemittelverordnung dafür eine geeignete Grundlage. Auf EU-Ebene existiert eine solche Regelung seit 2003, gilt aber nur für chemisch hergestellte Düngemittel. Inzwischen liegen von der EU-Kommission initiierte wissenschaftliche Arbeiten im Rahmen des sogenannten Strubias-Projekts vor, mit dem Ziel, eine solide Basis für die Einbezie-hung von Biomasseaschen in die zukünftige Düngemittelregulierung zu schaffen. Eine vollständig harmonisierte Regelung für alle EU-Länder soll damit angestrebt werden. Nach Abschluss des Projekts, muss es ein zeitaufwändiger Entscheidungsweg über Kommission, Parlament und andere Gremien der EU eingeschlagen werden. Diese Verfahren könnten über Jahre dauern. Die EU-Gesetzgebung betrifft auch eine andere Ebene – den Transport. Wenn Biomasseasche von einem EU-Land in ein anderes transportiert werden soll – der Aufwand für den Güteraustausch von Holz mit Drittländen sei hier ganz außen vor gelassen – wird der Exporteur mit der grenzüberschreitenden Regulierung konfrontiert. Dies erfordert einen erheblichen Verwaltungs-aufwand. Da Biomasseasche nicht in der alten OECD/Basel-Liste für Abfälle aufgeführt ist, gilt es als „Nicht Verzeichnet“. Damit beginnt ein aufwändiges Verfahren unter allen Aspekten, obgleich Biomasseaschen nicht als „gefährlich“ gelten. Auch wenn ein Unternehmen Biomasseasche als „guten“ Wertstoff handeln möchte, was es tun kann, benötigt es eine REACH-Registrierung bei der ECHA, um das Produkt auf den Markt zu bringen. Die jetzt vorliegenden Hinweise aus dem Strubias-Projekt scheinen aber einen Weg aufzuzeichnen, um dieses weitere regulatorische Hindernis auszuräumen. Was zudem zu erwähnen ist, ist die Tatsache, dass die Umweltgesetzgebung in den EU-Ländern unterschiedlich ausgelegt wird. In einigen Ländern geht der Trend dabei zu sehr restriktiven Interpretationen.

Akzeptanz ist ein weiterer sehr wichtiger Punkt, der häufig nicht beachtet wird. Wenn große Unternehmen Biomasse für die Energieversorgung kaufen, müssen sie die Vorgaben des Forest Stewardship Council (FSC) einhalten, um ein nachhaltiges Wachstum und eine nachhaltige Nutzung der Wälder zu gewährleisten. Gleichzeitig zögern FSC und anderen Organisationen damit, die Rückführung von Biomasseaschen in den Wald als geeigneten nachhaltigen Weg anzuerkennen. Falls diese Organisationen den Einsatz von Biomasseaschen in Wäldern nicht aktiv als nachhaltigen Weg unterstützen, können Waldbesitzer von dieser sinnvollen Nutzungsmöglichkeit möglicherweise abgehalten werden, da sie einen Widerspruch zu Nachhaltigkeitskrite-rien sehen könnten. Wissenschaftliche Ergebnisse dazu und umfangreiche Informationen können erforderlich sein und sollten z.B. vom VGB PowerTech in enger Zusammenarbeit mit beteiligten, internationalen Organisationen kommuniziert werden.

Wichtige Ergebnisse aus der Forschung zeigen auf, dass der in Biomasseasche enthaltene Phosphor für Pflanzen und Bäume sogar besser geeignet sein kann, als bisher angenommen. Dies kann eine Ausweitung des Nutzungsumfangs auf landwirtschaftliche Nutzflächen ermöglichen und gleichzeitig Ideen zur Entwicklung von Mischprodukten auf der Grundlage verschiedener Aschequellen fördern, um die Nutzung von Biomasseaschen zu optimieren.

Es bleibt auf jeden Fall die Hoffnung, dass nicht nur privat und öffentlich geförderte Projekte zur Verwertung fortgesetzt werden, sondern sicherlich auch, dass Gesetzgebung und Besteuerung den Weg für einen verbesserten Einsatzmöglichkeit von Biomasseaschen in der Zukunft ebnen werden. Deshalb ist es auch Wunsch der VGB-Arbeitsgruppe „Biomass Ash“ auch, dass mit dieser Ausgabe der VGB POWERTECH Anregungen für die zukünftige Nutzung von Biomasseasche vermittelt werden. Auf eine harmonisierte Düngemittelverordnung innerhalb der EU müssen wir als wichtigen regulatorischen Punkt zwischenzeitlich warten.