Editorial - VGB PowerTech Journal 12/2015

Die Energiezukunft gestalten

Wir leben in einer Zeit der Umbrüche. Politisch, wirtschaftlich, technologisch: Selten zuvor hat sich weltweit so viel getan wie heute. Im Fokus der Veränderungen steht dabei immer öfter die Energiepolitik. Aus welchen Quellen wir unseren Strom beziehen, wie zuverlässig und berechenbar die Versorgung ist und wie belastbar unsere Netzinfrastruktur – das entscheidet über die Attraktivität von Wirtschaftsstandorten und damit über den Wohlstand einer Gesellschaft.

Wasserreiches Österreich

Österreich steht nicht nur im europäischen, sondern auch im weltweiten Vergleich sehr gut da: Gerade mit unserem sehr hohen Anteil von rund 75 Prozent an Erneuerbaren Energien am Strommix sind wir international einer der Vorreiter. Zu verdanken haben wir das unserer Topographie: Als wasserreiches Alpenland haben wir einen Wasserkraftanteil von 65 %. Im Vergleich dazu liegt der EU-28-Anteil an der Wasserkraft in der Stromerzeugung bei 13 %. Besondere Bedeutung kommt dabei den österreichischen Speicher- und Pumpspeicherkraftwerken zu. Sie können Strom in großen Mengen und mit einem hohen Wirkungsgrad von 80 % speichern. Dank ihrer hohen Flexibilität sind sie unerlässlich für die grenzüberschreitende Nutzung für Regelenergie und Netzstützung. Innerhalb von 1 bis 2 Minuten können sie überschüssigen Strom aus dem Netz abnehmen (Pumpen) oder bei Bedarf Strom erzeugen (Turbinieren).

Österreichs E-Wirtschaft bekennt sich zu einer leistbaren, sicheren und effizienten Energieversorgung Österreichs und ist sich ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung bewusst. Die Interessenvertretung der österreichischen Energiewirtschaft umfasst derzeit rund 140 Mitgliedsunternehmen mit knapp 21.500 Beschäftigten, die mehr als 90 % des österreichischen Stroms erzeugen und die Transport- und Verteilnetze Österreichs betreiben. Die Stromproduktion der Mitglieder von Oesterreichs Energie erreichte 2014 rund 65 Milliarden Kilowattstunden, davon 65 % aus nachhaltiger Wasserkraft.

Rahmenbedingungen für den gemeinsamen europäischen Strombinnenmarkt

Doch auch in Österreich ergeben sich Probleme, die rasch angegangen werden sollten. Verzerrungen am Markt, hohe politische Kosten (Abgaben, Steuern und Ökostromkosten) am Gesamtpreis, stockende Investitionen und schleppende Genehmigungsverfahren bremsen eine nachhaltige Energiezukunft. Dafür ist die Ausgestaltung des regulatorischen Rahmens von zentraler Bedeutung: Wir brauchen ein „level playing field“ auf europäi­scher Ebene, d.h. gleiche und faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Erzeugungstechnologien, die zur Erreichung der energiepolitischen Zielsetzungen beitragen. Es braucht einen Energy-Only-Strommarkt, der den wahren Wert der flexiblen und gesicherten Leistung zu unterschiedlichen Zeiten widerspiegelt. All diese Anforderungen können nur in einem großen, gemeinsamen Strombinnenmarkt ermöglicht werden. Es gilt, alle Hindernisse des grenzüberschreitenden Stromhandels zu beseitigen und widersprechende energie- und umweltpolitische Zielsetzungen zu harmonisieren.

Energiepolitische Zielsetzung

Auf der Pariser Klimakonferenz hat sich die Weltgemeinschaft auf verbindliche Ziele geeinigt, um die Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Eine gemeinsame Klimarahmenkon­vention ist zustande gekommen: Viele Länder haben ja schon im Vorfeld freiwillige Ziele zur Reduktion von Treib­hausgasen angemeldet, darunter neben der EU, USA und Japan erstmals große Schwellenländer wie China und Indien.

Die Energiezukunft ist erneuerbar, effizient, innovativ

Neben den Rahmenbe­din­gun­gen verändern sich auch die Bedürfnisse der Kunden massiv. Die Energiewende ist beim Endverbraucher angekommen; der Wunsch nach erneuerbarer Stromversorgung wird immer größer. Die Konsumenten entwickeln sich zu Prosumern, die ihren Strom selber produzieren und ihre Teilnahme am Markt fordern. Solche Entwicklungen muss ein moderner Energieversorger sehen und zum richtigen Zeitpunkt die passenden Produkte und Lösungen anbieten.

VERBUND als größtes österreichisches Stromunternehmen geht den Weg zur 100 % nachhaltigen Erzeugung konsequent weiter. Aktuell werden bereits 95 % unserer Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, vor allem Wasserkraft, ergänzt um Windkraft, gewonnen. Neben CO2-freier Energiegewinnung setzen wir auch auf innovative Energieprodukte und -lösungen. Industriekunden helfen wir beim Managen und Vermarkten ihrer Energie-Flexibilitäten und übernehmen Energieeffizienzaufgaben. Für Privatkunden gibt es neben den Basisprodukten Grünstrom und klimaneutralem Gas die VERBUND-Eco-Pakete für Solarstrom, Wärme, Mobilität oder zur Steuerung des Energieverbrauchs daheim.

Zusammenfassend: Die Strombranche steht heute vor vielfältig Herausforderungen: unterschiedliche politische Regulierungen, die zwingend notwendige Reduktion der Treibhausgase, rapide technologische Entwicklungen sowie neue und zunehmend komplexerer Kundenanforderungen. Unsere beste Möglichkeit ist es, eine aktive Rolle in der Zukunftsgestaltung einzunehmen, damit wir auch weiterhin eine nachhaltige, sichere, wettbewerbsfähige und bezahlbare Energieversorgung verwirklichen können.