Editorial - VGB PowerTech Journal 1-2/2016

Die Dekarbonisierungsstrategie der Energie Union vorwärts bringen

Die Dekarbonisierung ist ein wichtiger Baustein, um eine langfristige Nachhaltigkeit der Weltwirtschaft zu erreichen. Die europäische Elektrizitätswirtschaft stimmt diesem Ziel zu und ist in die Entwicklungen umfassend eingebunden. In diesem Zusammenhang ist auch ein erweiterter Einsatz von Strom in den Bereichen Mobilität, Heizen und Kühlen ein wichtiger Aspekt. Die eigentliche Herausforderung liegt allerdings in der Schaffung und Gewährleistung eines umfassenden Marktdesigns für die Technologien, die einen ausgewogenen kohlenstoffarmen Energiemix gewährleisten. Nur mit einem solchen adäquaten Marktdesign können sich Energiesystem und Wirtschaft – gegenseitig ergänzend – den Herausforderungen optimal anpassen. Dieses Marktdesign muss einschließlich eines reformierten angepassten EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS: EU Emissions Trading System) die Basis für nachhaltige Investitionen in kohlenstoffarme Technologien liefern, einschließlich der Basis für stabile Geschäftsmodelle für Investitionen im Energiesektor. Nur von dieser Kombination von Marktdesign und EU-ETS gehen die richtigen Preissignale aus, um Investitionen in kohlenstoffarme Technologien zu fördern und die Dekarbonisierung kosteneffektiv zu gestalten.

Der europäische Energiesektor befindet sich derzeit einem historischen Umbruch: Eine beschleunigte Technologieweiterentwicklung, ein verändertes Verbraucherverhalten, die Einführung von digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien zur Steuerung und Koppelung von Strombedarf und -erzeugung als auch eine sich weiterentwickelnde EU-Klima- und -energiepolitik sind die wesentlichen Treiber. Dieses Umfeld schafft für den Sektor beispiellose Herausforderungen, aber auch wichtige Chancen.

Gleichzeitig, mitten im Umbruch der „Energiewende“, benötigt Europa für seine Bürger und seine Wirtschaft aber auch eine sichere, gesicherte, nachhaltige, kostengünstige und global wettbewerbsfähige Energieversorgung. Das Ziel der EU Energie Union umfasst die fünf Rahmenforderungen: Energieversorgungssicherheit, Gemeinsamer Markt, Energieeffizienz als Beitrag zur Verminderung des Energieverbrauchs, Dekarbonisierung sowie Forschung, Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit. Der europäische Energiesektor sieht im Vorhaben der Energie Union ein maßgebliches Entwicklungspotenzial und unterstützt das ehrgeizige Ziel eines europäischen Konzeptes für die Energiepolitik. Die Energieunion ist eine einmalige Chance für die Mitgliedsstaaten, gemeinsam die Versorgungssicherheit zu verbessern sowie Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung zu optimieren – Ziele, die mit einem einzelstaatlichen Vorgehen so nicht erzielbar wären. Daher sollten die Institutionen der EU sowie die Mitgliedsstaaten auch gemeinsam und koordiniert agieren, damit sowohl die gemeinsamen als auch die nationalen Maßnahmen zur Dekarbonisierung sowie zu einem gemeinsamen Markt führen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Energieversorgungsstrategie sind die Vereinbarungen der COP21 UN-Klimakonferenz vom vergangenen Dezember in Paris. Auch bezogen auf die Klimaziele muss für die Umsetzung ein verlässlicher und langfristig berechenbarer Rahmen vorgegeben werden. Die Paris-Vereinbarungen bekräftigen klare und eindeutige Signale an die Regierungen und die Investoren zu kohlenstoffarmen Technologien und einer langfristigen Dekarbonisierung.

In diesem Zusammenhang sind die Vorschläge der EU Kommission zur zukünftigen Ausgestaltung des EU-Emissionshandelssystems zu begrüßen. Sie sind ein richtiger Schritt in Richtung auf eine eine kosteneffiziente Dekarbonisierung. Allerdings wird der Erfolg eines neuen EU-Emissionshandelssystems auch davon abhängen, ob dieses konform mit den Elementen und Zielen des Rahmens für die Klima- und Energiepolitik 2030 entwickelt und angewendet wird.

Der europäische Energiesektor ist weltweit führend bei der Dekarbonisierung der Stromversorgung bis zum Jahr 2050. Schon heute, mit den Daten für das Jahr 2014, werden 56 % des Stroms in der EU CO2-arm erzeugt. Die Stromerzeugung insgesamt ist auf bestem Weg zu einem klimaneutralen Energieträger zu werden. Der Einsatz von Strom in Bereichen mit einem hohen Anteil an Kohlendioxidemissionen wie Mobilität, Heizen und Kühlen kann daher tatsächlich zu einer Verringerung von Treibhausgasemissionen führen, bei gleichzeitig verbesserter Energieeffizienz.

Bis heute hat die europäische Stromversorgung den größten Anteil zur Verringerung der klimawirksamen Emissionen beigetragen – maßgeblich dabei war und ist die Seite der Versorgung, d.h. die Stromerzeugung. Wenn wir in die Zukunft blicken, dann sehen wir in einem breiten Einsatz von Strom auf der Verbraucherseite – die nicht am EU-Emissionshandel teilnimmt – einen entscheidenden Akteur auf dem Weg zur weiteren Dekarbonisierung.

Die bevorstehenden Entscheidungen zur Verteilung der Dekarbonisierungsaufgaben (Effort Sharing Decision) sowie der EU-Strategie zur Dekarbonisierung von Mobilität, Heizen und Kühlen bieten eine ausgezeichnete Chance, um die positiv wirkende Rolle des Stroms in diesem Prozess zu fördern. Wir benötigen deutliche Signale für einen breiten Einsatz von Strom in der gesamten Energieversorgung. Nicht nur, um den Stromversorgungsmix und seine Ziele zu bekräftigen, sondern auch, um einen Beitrag zur effizienten Dekarbonisierung anderer Sektoren zu liefern.