Editorial - VGB PowerTech Journal 1-2/2020

Das Jahr 2019 in Zahlen

Zahlen lügen nicht, wenn es die richtigen sind und diese richtig sind. Aber lassen Sie nicht gleich mit Pessimismus starten, wenn es um einen Blick auf aktuelle Zahlen aus der Energiewirtschaft geht.

Dass Zahlen beeindrucken und nachdenklich machen bzw. für notwendige Innovationen stehen können, zeigt ein Statement von Margrethe Vestager, Vizepräsidentin der EU-Kommission, vom Dezember 2019. Die EU-Kommisarin verwies dabei auf eine Studie von E.ON, wonach in 2017 etwa 200 Milliarden Kilowattstunden Strom global allein durch Streamingdienste, also TV, und Skype verbraucht wurden, Tendenz deutlich steigend. Und dies sei nur eine Zahl, die für die Bedeutung der zunehmenden Digitalisierung beim Energieverbrauch stehe. Damit ergebe sich eine weitere große Herausforderung für das ebenfalls im Dezember ausgegebene Ziel der EU, den Kontinent bis 2050 klimaneutral zu machen, so Margrethe Vestager.

Aus der Studie von E.ON lässt sich unter anderem eine weitere interessante Zahl heraus lesen, die sich auf das allgegenwärtige „Googeln“ bezieht: Eine Suchanfrage löse demgemäß einen Stromverbrauch von 0,3 Wattstunden aus, nicht viel für unsere Branche, die in Europa rund 3.300 Terawattstunden (3.300 Milliarden Kilowattstunden, 3.300.000 Milliarden Wattstunden) jährlich für die Verbraucher bereit stellt. Bei etwa 40.000 Suchanfragen weltweit pro Sekunde (Stand 2017) summieren sich diese Einzelwerte dann aber schon und gewinnen an Bedeutung für Energieversorgungs- und Nachhaltigkeitsstrategien.

Auf nationaler Ebene liegen unter anderem für Deutschland erste Zahlen zum Energieverbrauch und zur Energieverbrauchsentwicklung vor. Nach einer aktuellen Auswertung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wurden in Deutschland im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr 2 Prozent weniger Strom und 3,3 Prozent mehr Gas verbraucht.

Der Rückgang beim Strom sei vor allem auf die konjunkturelle Abschwächung zurückzuführen. Die Industrie, mit einem Anteil von fast 46 Prozent größter Stromverbraucher, habe bereits seit Monaten aufgrund der schwächeren Wirtschaftslage einen geringeren Strombedarf. Trugen zunächst nur die Produktionsrückgänge in den stromintensiven Industrien maßgeblich zu den Verbrauchsabnahmen bei, sei inzwischen die Entwicklung im gesamten verarbeitenden Gewerbe dafür verantwortlich. So sank der Stromverbrauch der Industrie im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent.

Insgesamt wurden im Jahr 2019 den vorläufigen Zahlen zufolge 511 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht. Größter Verbraucher war trotz der Rückgänge die Industrie mit 234 Mrd. kWh (45,7 Prozent), gefolgt vom Bereich Öffentliche Einrichtungen, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe mit 140 Mrd. kWh (27,4 Prozent) und den Haushalten mit rund 126 Mrd. kWh (24,6 Prozent). Der Verkehrssektor kam auf knapp 12 kWh (2,3 Prozent). Als ein Indiz für einen generell sinkenden Stromverbrauch sollte der Rückgang laut BDEW jedoch nicht betrachtet werden. Die zunehmende Elektrifizierung des Wärme- und Verkehrssektors werde mittel- und langfristig den Strombedarf in Zukunft erhöhen. Das Gleiche gilt für die Digitalisierung, mit der die Zahl elektronisch betriebener Geräte und der Stromverbrauch von Rechenzentren steige und hinzu werden die weiteren Effekte der Sektorenkopplung kommen, die aufseiten der Stromerzeugung zu höheren Verbräuchen führen können, im Gesamtkontext des Energieverbrauchs und der Emissionsminderung aber zu geringeren Werten führen.

Was die Strukturen des Energieverbrauchs und der Stromerzeugung in Deutschland betrifft, so lassen sich zwei bemerkenswerte Zahlen anführen:

Sechs Millionen Tonnen CO2 wurden im Jahr 2019 aufgrund des verstärkten Einsatzes von Gaskraftwerken zur Stromerzeugung eingespart. Mit 91 Terawattstunden Strom aus Erdgas stammte soviel Strom wie noch nie in Deutschland aus Gaskraftwerken. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies ein Plus von 7,5 TWh.

Die erneuerbaren Energien steigerten gemäß ersten Abschätzungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) ihren Beitrag zum gesamten Energieverbrauch im Jahr 2019 um 4 Prozent. Die Windkraft erhöhte ihren Beitrag um 15 Prozent. Bei der Wasserkraft gab es einen Zuwachs von 4 Prozent. Die Solarenergie legte nur leicht um 1 Prozent zu. Die Biomasse, auf die mehr als 50 Prozent des gesamten Aufkommens im Bereich der Erneuerbaren entfällt, verbuchte ein Plus von 2 Prozent. Da die Erneuerbaren typischerweise einen großen Beitrag in der Stromerzeugung leisten, wird sich dieser Effekt in unserem Sektor entsprechend positiv bemerkbar machen.

Last but not least eine Zahl zu Umweltschutz und Klimaschonung: Die Energiewirtschaft hat ihre CO2-Emissionen nach Berechnungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bis 2019 um 44 Prozent gegenüber 1990 gemindert. Damit wird sie das 40 Prozent-Minderungsziel für 2020 bereits in diesem Jahr deutlich übertreffen.

*Quellen: ec.europa.eu/eurostat/de/home, www.eon.com, www.ag-energiebilanzen.de, www.bdew.de