Editorial - VGB PowerTech Journal 4/2015

Ingenieurdienstleister – ein Begleiter auf dem Weg des Wandels!

Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist die zuverlässige und kostengünstige Energieversorgung ein zentraler Erfolgsfaktor. Seit Beginn der Energiewende sind die konventionellen Energieerzeuger und Netzbetreiber vor besonderen Herausforderungen gestellt. Neben der Anpassung der Netze ist die Erhöhung der Flexibilität entlang der gesamten Stromversorgungskette ein wichtiges Handlungsfeld. Der wesentliche Grund dafür ist, dass elektrische Energie sich im Gegensatz zu anderen Energieformen nur sehr aufwendig und vergleichsweise teuer speichern lässt. Die Integration immer größer werdender Leistungen fluktuierender erneuerbarer Energien in das System erfordert eine deutliche Verbesserung der Flexibilität und Dynamik thermischer Kraftwerke, die die Volatilität der Einspeisung erneuerbarer Energien ausgleichen müssen. Zur Gewährleistung der Systemsicherheitsanforderungen sowie zur Bereitstellung der Residuallast kommt dem konventionellen Kraftwerkspark eine große Verantwortung zu. Das erfordert flexible Fahrweisen und teilweise grenzwertige Betriebsweisen. Zum Nachweis der Regelfähigkeit ist es neben den anlagentechnischen Voraussetzungen auch notwendig, z.B. durch statische und dynamische Netzberechnungen, das Verhalten der Anlagen zu modellieren und zu berechnen, um den Anforderungen der Netzbetreiber unter Beachtung der Einhaltung des Grid Codes gerecht zu werden. Besonders mit dynamischen Netzberechnungen liefern Ingenieure fachlich tiefgründig untersetzte Ergebnisse mit Angaben zu Ursachen und Wirkungen und können Vorschläge erarbeiten, wie die wirtschaftlich tragbaren Lösungen zur Vermarktung von Fahrplanleistungen bzw. die Erweiterung der Erbringung von Systemdienstleistungen ermöglicht werden kann.

Des Weiteren ist eine Anpassung der Stromübertragungs- und Verteilungsnetze erforderlich. Diese Netzumbau- und Netzverstärkungsmaßnahmen, durch die Änderung des Erzeugungsportfolios hervorgerufen, müssen zügig umgesetzt werden. Um die erforderlichen Investitionen auslösen zu können, sind neben der Etablierung innovativer ingenieurtechnischer Lösungen auch geeignete Geschäftsmodelle zu finden.

Die koordinierte Steuerung einer zunehmenden Dezentralisierung der Erzeugung sowie die Einbindung einer Vielzahl von Speichern und konventionellen thermischen Anlagen führen zwangsläufig zu einer wachsenden Abhängigkeit von einem einwandfreien Funktionieren und der uneingeschränkten Verfügbarkeit informationstechnischer Systeme. Daher nimmt die Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität der Daten (IT-Sicherheit) einen immer höheren Stellenwert ein. Für den Anlagenbetreiber ist die Komplexität dieses Themas meistens nicht sofort erkennbar. IT-Sicherheit bezieht sich nicht nur auf unmittelbare Angriffsszenarien, sondern bezieht weitere Bedingungen, wie z.B. Recoverysysteme, Datensicherung und Wiederherstellung, bauliche – und organisatorische Maßnahmen bzw. Ressourcenplanung mit ein. Auf Grundlage der DIN ISO/IEC 27001 (2015-03) sowie der BSI-Standards 100-1/2/3 lässt sich eine strukturierte Übersicht über mögliche Gefährdungspotenziale der Bausteine des IT-Verbundes innerhalb der abgebildeten Schichten entsprechend des Gefährdungskataloges ableiten.

Eine weitere Herausforderung im Zusammenhang mit dem Sicherheitsgedanken ist die Planung, Spezifikation, Verifikation und Betrieb von sicherheitstechnischen Systemen, welche die Norm IEC/EN 61508 Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener E/E/PE Systemen beschreibt. Abgeleitet von dieser Norm sind für konventionelle Kraftwerke die Norm IEC/EN 61511 für prozesstechnische Anlagen und die Norm DIN EN 50156 für Feuerungsanlagen von Bedeutung.

Die betrachteten Themen stellen nur einen Bruchteil der neuen Anforderungen an die Energieerzeuger und Netzbetreiber dar. Dabei müssen sie sich auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren, dem Betreiben von Anlagen unter den gegebenen Marktbedingungen und Regularien, sowie unter Einhaltung der Sicherheitsanforderungen, welche vor dem Hintergrund stark reduzierten Personals eine immer größer werdende Herausforderung darstellt. Um diese zu meistern, bedarf es seitens der Betreiber einer Bereitschaft, Aufgaben auszugliedern und externe Ingenieur- und Dienstleistungsunternehmen in die tägliche Arbeit und in Projekte einzubinden. Dafür müssen sich aber die Dienstleistungsunternehmen als vertrauensvoller Partner der Betreiber verstehen und bei ihrem Leistungsangebot die geringen Budgets und Personalausstattungen ihrer Kunden berücksichtigen. Insbesondere bei den immer kleiner werdenden Projekten verbleibt wenig Platz für reine beratende Ingenieure. Es bedarf Partnern der Energiewirtschaft, die das Geschäft ihrer Kunden gut verstehen und gleichzeitig bereit sind, komplette sowie komplexe Lösungen aus einer Hand anzubieten. Sei es als schlüsselfertiges Projekt oder in der immer beliebter werdenden „Open Book“-Variante.

Dafür steht die VPC GmbH, die ehemalige Vattenfall Europe PowerConsult, ein international agierendes Ingenieurunternehmen mit hoher Reputation im Energiesektor, das seit 1. April 2014 dem Investor palero gehört und damit eines der größten, unabhängigen Ingenieurunternehmen Deutschlands ist.