Editorial - VGB PowerTech Journal 4/2018

Führende Unternehmen der Elektrizitätsbranche verpflichten sich zum beschleunigten Übergang zu sauberen Energien

Wie sollte die Industrie auf die Herausforderungen des Klimawandels, der Luftverschmutzung und des Verbrauchs von natürlichen Ressourcen reagieren?

Im Dezember 2017 legten europäische Energieversorger dazu eine neue Vision für die Elektrizitätswirtschaft in Europa vor.

Nationale Verbände und Vorstände großer Energieunternehmen Europas hatten sich auf eine Erklärung geeinigt, mit der Zusage, den Übergang zu sauberer Energie zu beschleunigen und eine führende Rolle bei den Bemühungen Europas zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommen zu übernehmen.

Im Detail haben sich die Branchenführer dazu verpflichtet, Maßnahmen einzuleiten, um den wirtschaftlichen Übergang zu einer klimafreundlichen Gesellschaft zu gestalten und einen klimaneutralen Strommix in der EU schon vor Mitte dieses Jahrhunderts zu erreichen.

Elektrifizierung als zentrales Element der Dekarbonisierung

Die Vision basiert auf drei wesentlichen Elementen: Was Elektrizität für die Gesellschaft leisten kann! Wozu sich die Elektrizitätswirtschaft verpflichtet! Was von der Politik dazu erwartet wird und diese umsetzen muss! Gemeinsam sind diese drei Elemente Garant dafür, dass Strom weiterhin einen Mehrwert für die Bürger, die Gesellschaft und zukünftige Generationen darstellt.

Mit der Vision unterstreicht der Sektor sein Engagement für Investitionen in eine saubere Stromerzeugung und weitere Lösungen, die den Übergang des Energiesystems ermöglichen und vor allem, um die Minderung von CO2-Emissionen in anderen Sektoren durch die verstärkte Nutzung von sauberem Strom zu unterstützen und beschleunigen.

Strom bietet dabei mit seinen Eigenschaften unzählige Lösungsbeiträge. Der Beitrag von Strom zur gesellschaftlichen Entwicklung war schon bislang außergewöhnlich. Er wird weiter wachsen. Eine klimaneutrale Stromerzeugung wird dazu beitragen, eine Reihe anderer Sektoren und Anwendungen wie Verkehr, Heizen und Kühlen zu dekarbonisieren.

Strom kann zudem die Abhängigkeit Europas von importierten Kraftstoffen verringern, die Luft in den Städten sauberer machen und neue Dienstleistungen für den Kunden schaffen, so z.B. im Bereich der Digitalisierung und des emissionsfreien Transports.

Um die Vorteile der Elektrizität auch kosteneffizient gestalten und umsetzen zu können, müssen die politischen Entscheidungsträger die Schlüsselrolle einer höheren Erzeugung von sauberem und klimafreundlichem Strom anerkennen. Sie sollten aktiv Maßnahmen für wettbewerbsfähigen Strom in einem versorgungssicheren Rahmen für den europäischen Verbraucher unterstützen.

Die Politik sollte auch die Elektrifizierung durch eine geeignete und optimierte Regulierung beschleunigen und die Einführung sauberen Heizens und Kühlens in Wohn- und Industriegebäuden, saubere Elektromobilität und effizientere industrielle Prozesse fördern.

Die richtigen Investitionen tätigen mit dem Kunden an erster Stelle

Die Vision umfasst auch ein starkes Engagement in Innovationen zu investieren und die Entwicklung neuer, Branchen übergreifender Geschäftsmodelle, um auch in den kommenden Jahrzehnten eine wettbewerbsfähige und lukrative Elektrizitätswirtschaft zu gestalten.

Digitalisierung, dezentrale Erzeugung und technologischer Fortschritt verändern die Grundlagen unseres Geschäfts und zeigen unvorhergesehene Wechselwirkungen. Um ihre zentrale Rolle zu behalten und Werte zu optimieren und zu steigern, muss die Elektrizi-tätswirtschaft innovative Wege finden, um mit neuen Ansätzen Wertschöpfung zu erhalten und zu steigern.

Der Schlüssel dazu liegt im Kunden. Dieser muss Mittelpunkt neuer Aktivitäten der Branche stehen mit neuen verbraucherfreundlichen und verbrauchernahen Angeboten und Dienstleistungen. Die Bausteine, die durch intelligente Verteilernetze miteinander verbunden sein werden, werden Europa auch ein verlässliches, flexibles und hocheffizientes Stromversorgungsnetz garantieren.

Der Elektrizitätssektor hat sich verpflichtet, in die Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Lösungen zu investieren. Ziel ist eine „kohlenstoffreie Gesellschaft“ in einer Win-Win-Situation aller Stakeholder unter Berücksichtigung ihrer Rechte und Pflichten.

Ein fairer Übergang ist notwendig

Das Ziel dieser Branchenerklärung ist bedeutsam, insbesondere für Regionen mit einem heute bedeutenden Anteil auf fossiler Energie basierender Wertschöpfung. Deshalb fordert die Elek­trizitätswirtschaft die Politik auf, alles Notwendige umzusetzen, um einen sozial und regional gerechten Übergang des Energiesystems zu gewährleisten.

Dazu gehört auch die Bereitstellung der notwendigen Unterstützung und Finanzierung zur Bewältigung der sozioökonomischen gesellschaftlichen Auswirkungen. Während des Übergangs müssen die politischen Entscheidungsträger für eine faire Lastenverteilung sorgen und den Kunden bei Datenschutz, Privatsphäre und Wahlfreiheit schützen.

Nach der Verabschiedung dieser Erklärung wird der europäische Elektrizitätssektor in den kommenden Jahren mehrere Projekte in Angriff nehmen, um die Herausforderungen und Chancen eines beschleunigten Übergangs zu sauberer Energie zu ermitteln.