Editorial - VGB PowerTech Journal 4/2020

Instandhaltung in Zeiten der Corona-Krise

Ja, es sind schon wirklich außergewöhnliche Zeiten, die dieser Virus mit sich bringt! Nicht nur, dass wir auf Abstand zu unseren besten Freunden gehen müssen und die Kinder mit Oma und Opa nur noch per Medien kommunizieren können, nein, auch vor der Branche der Energieversorger macht die Krankheit Covid-19 keinen Halt!

Der technische Service sowie die Instandhaltung werden während der aktuellen Corona- Pandemie auf eine harte Probe gestellt. Techniker, Monteure und auch weitreichende Teile der Belegschaft stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, den Betrieb von Maschinen und Anlagen in Kraftwerken am Laufen zu halten.

In vielen nicht systemrelevanten Bereichen des Maschinenbaus wie z.B. der Automobilbranche wird die Produktion und somit auch die Instandhaltung stillgelegt, um Ansteckungen zu vermeiden. Natürlich hat die Gesundheit der Mitarbeiter auch in unserem Kraftwerk oberste Priorität. Dennoch muss die Energieversorgung in der Republik sichergestellt werden, um einen Blackout zu vermeiden.

Aktuell haben Energieversorger und Netzbetreiber eine ganz wesentliche Aufgabe. Als Betreiber von kritischen Infrastrukturen müssen sie dafür sorgen, dass die Mitarbeiter in diesen Anlagen besonders geschützt sind. Dazu zählen nicht nur das Fachpersonal auf einer Leitwarte im Kraftwerk, sondern auch die Techniker, die an den Netzen vor Ort und bei den Kunden im Einsatz sind, um Störungen zu beheben.

Hier wurden bereits bzw. werden mehrere Verhaltensweisen zur sozialen Distanzierung und weitreichende Hygienemaßnahmen umgesetzt. Diese sind sicherlich wie auch die mittlerweile bestehende Maskenpflicht, gewöhnungsbedürftig, jedoch absolut unerlässlich und notwendig, um eine Ansteckung in der Belegschaft zu vermeiden. Sollte dies doch passieren, wird auch hier bereits über noch außergewöhnlichere Aktionen nachgedacht. Dazu gehört beispielsweise die Kasernierung von Mitarbeitern in den Leitzentralen in streng voneinander getrennten Teams.

Soweit ist es glücklicherweise noch nicht. Wir fahren täglich, teilweise versetzt voneinander, ins Kraftwerk und halten die jeweiligen Komponenten der Anlage instand.

Bei Uniper ist es uns je nach Aufgabenbereich und Stand der Digitalisierung auch möglich, weitgehend im Homeoffice zu arbeiten und nur auf Abruf spontan einsatzbereit zu sein. Das ist an der Basis eines Kraftwerks jedoch nur bedingt umsetzbar, denn Wartungs- und Inspektionsarbeiten erfordern die Anwesenheit der Mitarbeiter, die wiederum gewährleisten, dass die Anlage volllastfähig zur Verfügung steht.

Kollegen aus dem Bereich Instandhaltung, die in gemeinsamen Büros ihren Arbeitsplatz hatten, wurden deshalb räumlich voneinander getrennt. Die Sicherheitsunterweisungen sowie Gefährdungsbeurteilungen vor Ort werden nun unter besonderen Regeln durchgeführt, die dadurch entsprechend mehr Aufwand, Zeit und Geduld in Anspruch nehmen.

Wird die elektrische Leistung des Kraftwerks einmal nicht benötigt, da der Strombedarf bereits durch die regenerative Energieerzeugung bzw. andere Erzeuger gedeckt ist, sind wir trotz allem jederzeit verfügbar, falls es doch zu Engpässen oder Störungen im Netz kommt.

Weiterhin müssen natürlich auch die innerbetrieblichen Beschaffungswege für die jeweils benötigten Ersatzteile funktionieren. Auch dieses stellt eine besondere Herausforderung in Zeiten der Corona-Pandemie da, weil die zuständigen Kollegen aus dem Einkauf zur Zeit ausschließlich von Zuhause aus arbeiten und entsprechend schnell reagieren und handeln müssen.

Bei uns im Kraftwerk finden nahezu täglich Videokonferenzen statt, um technische und andere weitreichende Themen abzustimmen. Diese Herausforderung ist jedoch zugleich Motivation und spiegelt einem täglich wider, dass es nur gemeinsam geht. Alle Abteilungen müssen wie die Zahnräder eines Getriebes ineinandergreifen, damit am Ende die geforderte Leistung herauskommt!

Die täglichen Videokonferenzen sind sicherlich eine sehr gute Möglichkeit, um in der aktuellen Situation in Kontakt zu bleiben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Technik es uns ermöglicht und wir aktuell wenige Alternativen haben.

Ein persönliches Treffen ist allerdings meiner Meinung nach zu diversen Themenschwerpunkten unerlässlich und sollte nach der Krise auch wieder im Vordergrund stehen. Der persönliche Kontakt zu Kollegen, der gemeinsame Blick auf technische Details oder eine Problematik in der Anlage ist selbst durch die guten technologischen Möglichkeiten nicht zu ersetzen.

„Last but not least“ haben wir unsere Revisionsstrategie entsprechend der Situation angepasst und uns in diesem Jahr nur auf die absolut technisch notwendigen Maßnahmen sowie auf die anstehenden gesetzlichen Prüfungen konzentriert. Dadurch verringern wir das Infektionsrisiko unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bei unseren Partnerfirmen.

Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam gestärkt mit diesem abteilungsübergreifenden Teamgeist in die nächsten Monate gehen und dass wir uns in wieder besseren Zeiten daran zurückerinnern. Gemeinsam werden wir die Krise meistern mit gegenseitigem Verständnis, Respekt und Solidarität.