Editorial - VGB PowerTech Journal 5/2014

Stromversorgung in Japan und die Rolle von TENPES

Die Weiterentwicklung und Verbesserung der Stromerzeugung in Japan zählt zu den wesentlichen Zielen von TENPES (Thermal and Nuclear Power Engineering Society), damit das Wachstum in Japan gesteigert werden kann. Da diese Ziele denen der VGB-Mission sehr ähnlich sind, haben VGB PowerTech und TENPES im August 2006 ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Im Rahmen dieses MoU werden kontinuierlich Informationen ausgetauscht und durch regelmäßige Treffen konnten die konventionellen Erzeugungstechniken auf beiden Seiten verbessert werden. Ich bin sicher, dass die Fortführung der guten Beziehungen zwischen den beiden Organisationen auch in Zukunft enorme Vorteile für unsere Mitgliedsunternehmen mit sich bringen wird.

Es ist mittlerweile drei Jahre her, seit Japan am 11. März 2011 von einem verheerenden Erbeben und Tsunami getroffen wurde. Die Auswirkungen auf die Stromerzeugung sind bis heute spürbar, da in der japanischen Energiepolitik immer noch keine endgültige Strategie festgelegt wurde.

Mit der Abschaltung der von Kansai Electric Power Company betriebenen Blöcke 3 und 4 am Standort Ohi, die wegen einer regelmäßigen und geplanten Revision vom Netz genommen wurden, sind nun seit September 2013 alle japanischen Kernkraftwerke abgeschaltet worden und zurzeit ist auch völlig unklar, ob und wann diese Anlagen wieder an das Netz gehen werden. Seit dem Tsunami wird der japanische Strombedarf überwiegend durch konventionelle Kraftwerke gedeckt. Dabei sind auch einige Anlagen in Betrieb, die aufgrund ihrer Alterung normalerweise schon längst abgeschaltet worden wären. Darüber hinaus muss das Land große Mengen fossiler Brennstoffe zu erheblichen Kosten in Höhe von jährlich rund 50 Milliarden Euro importieren. Durch den aktuell sinkenden Wechselkurs des Yen wurde diese Situation noch weiter verschärft mit gravierenden Auswirkungen auf die Bilanzen der Betreibergesellschaften, die nach und nach gezwungen sind, ihre Strompreise anzuheben.

Aufgrund der Inselsituation ist Japan auch im Gegensatz zu Europa nicht in der Lage seine Stromversorgung an ein Verbundnetz anzukoppeln. Über viele Jahre haben 10 Versorger das japanische Gebiet untereinander aufgeteilt, wobei jeder Versorger innerhalb seines regionalen Marktes eine Monopolstellung mit einem vertikal integrierten Geschäftsmodell hatte. Im Jahr 1995 wurde mit einer teilweisen Liberalisierung des Marktes begonnen, die in erster Linie Auswirkungen für Großkunden hatte und seitdem allmählich weiterentwickelt wurde. In diesem Jahr möchte die japanische Regierung ein Gesetz einführen, wonach Erzeugung und Übertragung voneinander entkoppelt werden, um so eine komplette Liberalisierung zu erreichen.

Bei der Einführung der Liberalisierung des Strommarktes in Japan müssen die Besonderheiten von Elektrizität als Handelsware und die geographischen Gegebenheiten des Landes berücksichtigt werden. Außerdem lässt sich ein liberalisierter Markt nur mit Zustimmung der gesellschaftlichen Gruppen realisieren. Da Japan nahezu seine sämtlichen Energieträger importierten muss, ist das magische Dreieck bestehend aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit fast noch wichtiger als z.B. innerhalb der EU. Ich bin der Auffassung, dass technischer Fortschritt den Erhalt eines stabilen Dreiecks sichert.

Die japanischen Energieversorger sehen sich ebenso wie ihre europäischen Kollegen einer Reihe von Herausforderungen gegenübergestellt, zu denen unter anderem auch der vermehre Einsatz von erneuerbaren Energien gehört, was eine größere Flexibilität der konventionellen Flotte erfordert sowie die Entwicklung hocheffizienter Technologien und CO2-armer Erzeugungsverfahren. Dazu gehören unter anderem fortschrittliche ultraüberkritische Prozesse (A-USC), Kombikraftwerke mit integrierter Vergasung (IGCC), Gasturbinen-Kombikraftwerke mit Brennstoffzelle (GTCC+FC) und CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS).

Im Austausch mit VGB PowerTech sieht sich TENPES zur Weitergabe von Informationen zu Umweltschutz, Energieumwandlung, Klimawandel und anderen relevanten Themen verpflichtet.

Ich hoffe, dass wir mit der VGB-TENPES-Kooperation nicht nur zum Wachstum unserer Mitglieder und unserer Volkswirtschaften beitragen können, sondern dass wir gemeinsam weltweit eine nachhaltige, umweltverträgliche und wirtschaftliche Stromerzeugung vorantreiben können.