Editorial - VGB PowerTech Journal 6/2015

GKM Block 9 – Einer der modernsten und effizientesten Steinkohleblöcke weltweit

Mit der Inbetriebnahme von Block 9, einem der modernsten und effi­zientesten Steinkohleblöcke der Welt, konnte die Grosskraftwerk Mannheim AG im Mai einen weiteren wichtigen Meilenstein in der über 90-jährigen Geschichte des Unternehmens feiern. Zehn Jahre nach Beginn der Planungsphase und nach sechs Jahren Bauzeit setzt die neue Anlage mit einer Leistung von 911 MW, einer Fernwärmeauskopplung von 500 MW, einem elektrischen Wirkungsgrad von über 46 % und einer Brennstoffausnutzung von bis zu 70 % neue Maß­stäbe für Steinkohlekraftwerke. Als hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage leistet Block 9 einen wichtigen Beitrag zum Erreichen des KWK-Ausbauziels der Bundesregierung und trägt mit einer mög­lichen CO2-Vermeidung von bis zu 1,3 Mio. Tonnen pro Jahr auch zum Klima- und Umweltschutz in Deutschland bei. Nach der zeitgleichen Stilllegung von Altanlagen verfügt das GKM nun über eine installierte Gesamt­leistung von rund 2.150 MW und ist damit der größte Kraftwerksstandort in Baden-Württemberg. Gleichzeitig sind wir das einzige Kraftwerk, das in zwei Regelzonen auf verschiedenen Spannungs­ebenen einspeisen kann.

Da ein Kraftwerksneubau dieser Größenordnung neben zahlreichen kleinen auch immer mit sehr großen Herausforderungen verbunden ist, möchten wir Ihnen in verschiedenen Fachbeiträgen dieser Ausgabe einige der wichtigsten technischen, kommunikativen und sicherheitsrelevanten Aspekte näher vorstellen.

Parallel zum Bau von Block 9 kamen erschwerend die Herausforderungen der von der Politik initiierten Energiewende auf uns zu. In deren Folge hat sich die Situation für die konventionelle Erzeugung und damit auch für das GKM wirtschaftlich dramatisch verschlechtert. Die hohe Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie und der hieraus resultierende rückläufige Anlageneinsatz in Verbindung mit dem Verfall der Notierungen an der Strombörse machen eine kostendeckende Produktion derzeit quasi unmöglich. Gleichzeitig sollen konventionelle Kraftwerke aber sofort dann einspringen und die Versorgungssicherheit gewährleisten, wenn keine oder nur geringe Mengen an erneuerbarem Strom zur Verfügung stehen. Mit welchen Kraftanstrengungen dies für die Belegschaft und die Technik verbunden ist, ist Laien kaum zu vermitteln. Als Antwort auf die veränderten Rahmenbedingungen haben wir in den letzten Jahren neben dem Bau von Block 9 unser Unternehmen konsequent neu ausgerichtet und unsere Anlagenflexibilität und -effizienz durch verschiedene Bau- und Einsparmaßnahmen weiter erhöht. So betreiben wir beispielsweise gemeinsam mit der MVV Energie seit gut zwei Jahren Deutschlands leistungsstärksten Fernwärmespeicher: Mit einem Fassungsvermögen von 45.000 m3 verfügt er über einen nutzbaren Wärmeinhalt von 1.500 MWh und trägt neben der Flexibilisierung der Erzeugung auch zur Erhöhung der ­Versorgungssicherheit für Mannheim und die Region bei. Darüber hinaus haben wir neue Schaltanlagen, einen Querregeltransformator sowie eine Hilfsdampferzeugeranlage errichtet. Durch die intensiven technischen Prozessoptimierungen in der Bestandsanlage, die wir vor allem bei der Feuerungstechnik, Leittechnik und im Fahrbetrieb durchgeführt haben, brauchen unsere Kraftwerksblöcke in so wichtigen Kriterien wie Laständerungsrampen und Mindestlastreduktion heute den Vergleich mit modernen Gaskraftwerken nicht zu scheuen.

Wir sind zuversichtlich, dass wir mit diesen Optimierungsmaßnahmen nicht nur unseren Standort sichern und damit langfristig Arbeitsplätze erhalten, sondern der Kraftwerksbranche in Deutschland positive Impulse geben können. Denn von hocheffizienten und flexiblen konventionellen Erzeugern hängt nicht weniger als die Versorgungssicherheit Deutschlands ab. Alle seriösen Prognoseszenarien belegen, dass Kraftwerke wie das GKM noch viele Jahrzehnte für eine sichere Stromversorgung benötigt werden. Schließlich bilden sie die verlässliche Brückentechnologie, die den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien erst möglich macht.

Wir stellen Ihnen die von uns gewonnen Erkenntnisse und Ergebnisse daher in unseren Fachbeiträgen genauer vor und hoffen, dass wir Ihnen damit einige interessante Hinweise liefern können.