Editorial - VGB PowerTech Journal 7/2019

VGB100

Der tiefgreifende Wandel in der Strom- und Wärmeerzeugung hin zu einem Energiesystem der Zukunft, welches den Ansprüchen an Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit im Sinne von Klimaneutralität und Ressourcenschonung genügen muss, hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf den VGB PowerTech als technischem Verband der Kraftwerks- und Speicherbetreiber. Die Antworten des Verbandes auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen sollen im Strategieprojekt „VGB100“ gefunden und in Lösungen umgewandelt werden, das im vergangenen Herbst aufgesetzt wurde. Ziel ist es, mit diesem Projekt nicht nur die ersten 100 Jahre des VGB im September 2020 erfolgreich abzuschließen, sondern darüber hinaus eine tragfähige und nachhaltige Perspektive für die zweiten 100 Jahre des Verbandes zu entwickeln. Alle wichtigen Facetten wurden in 5 Teilprojekten gebündelt, die im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen.

Im Teilprojekt Strategie unter der Leitung des Geschäftsführers wurde in den vergangenen Monaten in unterschiedlichen Diskussionsformaten mit allen wichtigen Stakeholdern das zukünftige Selbstverständnis des Verbandes mit einem neuen Leitbild, bestehend aus Vision, Mission, Zielen und Werten erarbeitet. Präsidium, Vorstand, Mitarbeiter der Geschäftsstelle und Vertreter der Mitgliedsunternehmen waren eingebunden und haben die Rolle und die Aufgaben des VGB in einem Energiesystem der Zukunft neu formuliert und in den energiepolitischen Rahmen eingeordnet. Das Leitbild wird anlässlich des VGB-Kongress 2019 im September in Salzburg veröffentlicht und wir sind gespannt auf die Reaktionen.

Das Teilprojekt Digitalisierung unter der Federführung von Dr. Thomas Eck, Abteilungsleiter Kraftwerkstechnologien und Umwelttechnik, soll nicht nur die vielfältigen bereits laufenden Aktivitäten des VGB und seiner Mitgliedsunternehmen transparent und sichtbar machen, sondern auch neue Themen, Projekte und Dienstleistungen des Verbands entwickeln. Neben erfolgreich gestarteten Digitalisierungs-Workshops für die Technologien Wasserkraft und Windkraft sowie den konventionellen Erzeugungsbereich wurden konkrete Produkte aufgelegt, die auch konkreten Nutzen für die Unternehmen bringen. Dazu zählen z.B. die Digitalisierungsbarometer für Wasserkraft und Wind oder die Datenbank zum Performance-Benchmarking von Windkraftanlagen „WiPPEx“ (Wind Power Performance Data Exchange). Zum Digitalisierungspaket gehört selbstverständlich auch eine interne Perspektive, um den VGB zum digitalen Verband weiter zu entwickeln. Weit fortgeschritten sind die Projektaktivitäten zur Implementierung einer modernen, web-basierten Arbeits- und Kommunikationsplattform, die das bisherige System der geschlossenen Benutzergruppen ablösen soll und neue Arbeitsmethoden innerhalb und zwischen den Gremien und dem Verband anbieten wird. Der Rollout für diese Plattform sowie für eine überarbeitete Webseite ist zum 100-jährigen Jubiläum im September 2020 geplant.

Weitere zusätzliche Dienstleistungen des Verbandes einschließlich der technischen Dienstleistungen, die mittlerweile überwiegend in der VGB PowerTech Service GmbH unter der gemeinsamen Leitung von Dr. Oliver Then und Dr. Christian Ullrich gebündelt wurden, werden in einem dritten Teilprojekt erarbeitet. Dazu zählen u.a. die Erweiterung bestehender Aktivitäten z.B. im Windbereich und bei den Datenbanken, die Entwicklung neuer Technologiefelder und Themen und die Erweiterung des Angebotsspektrums in den technischen Diensten. Ein Beispiel ist das Aufsetzen eines neuen Gremiums „Future Energy System“, das aus drei bestehenden Gremien rund um die Themen Erneuerbare, Energiespeicher und neue Erzeugungskonzepte hervorgegangen ist und auch eine Plattform zum intensiven Austausch mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Herstellern entwickeln soll. Ein weiteres Beispiel ist die intensivere Vermarktung und Lizenzierung der weltweit eingesetzten Kennzeichnungssysteme KKS und RDS-PP®, deren lizenzfreie Nutzung exklusiv Energieanlagen betreibenden Mitgliedsunternehmen des VGB vorbehalten bleibt.

In einem vierten Handlungsfeld unter der Federführung von Dr. Mario Bachhiesl, Leiter der Abteilung Erneuerbare und dezentrale Erzeugung sowie Arbeitsschutz, werden alle Aktivitäten zur Betreuung bestehender Mitgliedschaften und zur Akquisition neuer Mitgliedsunternehmen gebündelt. Dabei entstehen natürlich vielfältige Schnittstellen zu den bereits beschriebenen Projektaktivitäten, denn nur mit einem auf den Nutzen für die Mitgliedsunternehmen ausgerichteten Tätigkeits- und Serviceportfolios lässt sich eine Mitgliedschaft im Verband und die Nutzung seiner Serviceaktivitäten auch in Zukunft rechtfertigen. Hier wollen wir zukünftig noch stärker das Ohr am Puls der Zeit haben und schneller und flexibler reagieren. Im fünften Teilprojekt unter der Leitung von Jörg Kiepert, Abteilungsleiter Business Support, dreht sich zu guter Letzt alles um die sogenannte operational excellence, also die Optimierung und Digitalisierung VGB- und PTS-interner Arbeitsprozesse. Dazu zählen Bestell- und Rechnungswesen, Controlling aber z.B. auch das Veranstaltungsmanagement. Schließlich erwarten unsere Mitglieder eine effiziente und effektive Verwendung der Mitgliedsbeiträge und übrigen Einnahmen.

Alle beschriebenen Aktivitäten, über die zukünftig regelmäßig berichtet werden soll, haben zum Ziel, den Verband zum Nutzen der Mitgliedsunternehmen fit für die Zukunft zu machen. Die große Herausforderung ist dabei nicht nur, dass das Energiesystem der Zukunft erst in groben Zügen bekannt bzw. skizziert ist, der Verband jedoch als technischer Verband Nutzen im wesentlich aus den konkreten Details der Technologien und des Gesamtsystems generieren muss. Sondern auch das die inhaltliche und strukturelle (und teilweise auch personelle) Transformation im laufenden Betrieb als Zusatzaufgabe und in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld gemeistert werden muss. Schließlich ist es unser Anspruch, das bekannte und bewährte Arbeits- und Dienstleistungsspektrum für unsere Mitglieder, Kunden und Gremienmitwirkenden in möglichst gewohnter Art und Weise und Qualität zu liefern.

Auch wenn wir noch mitten drin sind im Projekt, und auch wenn mache Aktivitäten zur Daueraufgabe mutieren wird, bedanke ich mich im Namen der Kolleginnen und Kollegen aus VGB und PTS bereits jetzt für ihre fortwährende Unterstützung und ihr Verständnis für hoffentlich kleinere Transformationsverluste. Wir alle freuen uns darauf, mit ihnen gemeinsam einen Verband für die Zukunft zu gestalten und sind auch weiterhin für jede Anregung und Rückmeldung dankbar.