Editorial - VGB PowerTech Journal 9/2018

Digitalisierung in der Energieerzeugung

Die fortschreitende Digitalisierung ist zweifelsohne eine der großen Herausforderungen und auch eine der großen neuen Chancen für unsere weitere Entwicklung. Noch vor einer Generation bestand Digitalisierung darin, Computer via Lochkarte zu füttern, um Re-chenprozesse zu beschleunigen. Heute können wir zum Beispiel mit unserer Stimme Bestellungen auslösen oder aus der Ferne die Raumtemperatur unserer Wohnung steuern.

Wichtige Entwicklungen der Digitalisierung betreffen dabei drei Ebenen:

  • Datenmenge (Big Data)
  • Datenverarbeitung(skapäzität)
  • Datenaustausch/Vernetzung

Alle drei Ebenen sind eng miteinander verknüpft, ergeben jede für sich und gemeinsam Herausforderungen und bieten jene Chancen, die heute und in Zukunft entscheidend für die Stellung im Markt sein können.

Für heute aus Prozessen stammende Datenmengen ist sicherlich eine Angabe des Flugzeugherstellers Boeing für das Modell 787 markant. Rund ein halbes Terabyte an Daten werden pro Flug generiert und aufgenommen. Verglichen mit der eingangs genannten Lochkarte, die im Standard-Format der 1950er bis 1980er Jahre 80 Byte speichern konnte, ist dies eine Steigerung der Datenmenge um rund den Faktor 1 Milliarde; und selbst der Vergleich mit den ersten echten digitalen Datenträgern, den Floppy-Disks, ist mit einem Faktor von rund 1 Millionen immer noch beeindruckend.

Solche Datenmengen gilt es zu beherrschen.

Bei der Datenverarbeitung sieht die Entwicklung ähnlich beeindruckend aus. Hier hat sich die Rechenleistung in den vergangen 50 Jahren, seit Markteinführung der ersten Integrierten Prozessoren, etwa um den Faktor 20 Millionen erhöht.

Diese Rechenleistung gilt es effizient und intelligent einzusetzen.

Beim Datenaustausch ist es das Internet mit seinen Diensten wie E-Mail und World Wide Web, das mehr als revolutionär ist. Erst das Internet ermöglicht es, die einzelnen Komponenten der Digitalisierung zu koppeln.

Raus aus dem Inseldasein, hin zur gemeinsamen digitalen Welt.

Der Megatrend der Digitalisierung macht auch nicht vor unserer Branche halt und betrifft alle Schritte der Wertschöpfungskette, von der Erzeugung bis hin zum Verbraucher, und dies unabhängig von der Erzeugungsform – ob „konventionell oder „erneuerbar“ – oder der Größe des Verbrauchers – vom Haushaltskunden bis zum energieintensiven Industrieunternehmen. Im Zusammenspiel mit der „Energiewende“ ist die Digitalisierung zu einem der größten nationalen IT-Projekten geworden.

Während das Produkt unserer Branche „Strom“ gleich bleibt, ändern sich die Prozesse rund um seine Erzeugung, Verteilung und Lieferung. Parallel zum Fluss des Stroms entsteht so eine zweite Informationskette digitaler Daten, die es zu managen gilt, um ein Hauptziel der Digitalisierung in der „Energiewende“ zu erfüllen, Prozesse effektiv und energieoptimiert zu gestalten.

Die Digitalisierung führt aber auch dazu, dass in den Unternehmen interne Prozesse optimierter gestaltet werden können. Hierbei ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle am Prozess beteiligten Elemente koordiniert und integriert werden: Das technische System, das Management-System und – ganz entscheidend – die Menschen müssen geeignet zusammen agieren, um einen reibungslosen Prozess und eine Weiterentwicklung zu gewährleisten und zu gestalten, auch mit einem durch Digitalisierung initiierten zunehmenden Kulturwandel.

Wer heute in die Stromerzeugung blickt, wird feststellen, dass das Thema Digitalisierung eine schon hohe Bedeutung und einen hohen Umsetzungsgrad besitzt. Kraftwerkswarten sind „digital“, Kleinanlagen werden „digital“ aus der Ferne überwacht und gesteuert und die Auswertung digitaler Daten ermöglicht einen weiter optimierten Kraftwerksbetrieb.

Eine Herausforderung für die Erzeugung, die „nur Strom“ liefert, bleibt also weiterhin, Möglichkeiten zu erschließen zur Steigerung von Flexibilität, Effektivität und Produktivität mittels Digitalisierung und innovativer Tools, wobei der Mensch nicht nur im Mittelpunkt stehen sollte, sondern durch seine Kreativität die Digitalisierung erst gestaltet.