Frost-Tausalzwiderstand von SVB mit Flugasche

Projektnummer 215

Selbstverdichtender Beton (SVB) ist dadurch gekennzeichnet, dass er bis zum vollständigen Niveauausgleich entmischungsfrei fließt, jeden Hohlraum selbständig ausfüllt und ohne Aufbringen von Verdichtungsarbeit entlüftet.

Zum Thema SVB sind inzwischen zahlreiche Untersuchungen durchgeführt worden. Der Widerstand gegen Frost-Tausalz-Beanspruchung wurde allerdings noch nicht ausreichend überprüft. Im Institut für Bauforschung der RWTH Aachen (ibac) wird zur Zeit ein Forschungsprojekt bezüglich des Widerstandes gegen Frost-Tausalz-Beanspruchung von steinkohlenflugaschehaltigen Rüttelbetonen im Auftrag der VGB bearbeitet (Projektnummer 203). Untersucht werden Rüttelbetone mit Rezepturen, die den Expositionsklassen XF2 und XF4 gemäß DIN EN 206-1 07.01 und DIN 1045-2 07.01 entsprechen.

Für selbstverdichtende Betone (SVB), die in Abhängigkeit vom Entwurfskonzept (Mehlkorn-, Stabilisierer- oder Kombinationstyp) einen Mehlkorngehalt von mehr als 600 kg/m³ und demzufolge Steinkohlenflugaschegehalte von bis zu 350 kg/m³ aufweisen können, liegen zur Zeit noch keine Erfahrungen bezüglich des Widerstandes gegen Frost-Tausalz-Beanspruchung vor. Da vor kurzer Zeit die ersten Zustimmungen im Einzelfall bzw. allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen mit flugaschehaltigen selbstverdichtenden Betonen erteilt worden sind, treten Fragen bezüglich der Dauerhaftigkeit dieser Betone zunehmend in den Vordergrund. Deshalb sollen ergänzend zu dem zur Zeit laufenden Projekt "Einfluss von Flugasche auf den Frost-Tausalzwiderstand von Beton" praxisrelevante selbstverdichtende Betone mit hohem Steinkohlenflugaschegehalt hinsichtlich ihres Widerstandes gegen Frost-Tausalz-Beanspruchung geprüft werden.

Für selbstverdichtende Betone mit hohem Steinkohlenflugaschegehalt sind im Gegensatz zu Rüttelbetonen folgende Punkte noch nicht ausreichend geklärt:

  • Wechselwirkungen der neuen Fließmittelgeneration auf Polycarboxylatether-Basis mit Luftporenbildnern in steinkohlenflugaschehaltigen Mischungen,
  • Erzielung einer ausreichenden Luftporenstabilität und eines ausreichenden Mikroluftporengehaltes in SVB mit hohem Steinkohlenflugaschegehalt, da die Bildung von Mikroluftporen in Betonen mit hoher Konsistenz erschwert ist,
  • Einfluß der Lagerungsbedingungen und Nachbehandlungsempfindlichkeit selbstverdichtender Betone mit hohem Steinkohlenflugaschegehalt,
  • Langzeitverhalten selbstverdichtender Betone mit hohem Steinkohlenflugaschegehalt bezüglich der Dauerhaftigkeit bei Frost-Tausalz-Beanspruchung.

Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit tragen somit zur Erlangung gesicherter Erkenntnisse bei und können einer Ausgrenzung selbstverdichtender Betone für die Expositionsklassen XF2 und XF4 entgegenwirken. Außerdem sollen die Ergebnisse in die Richtlinie "Selbstverdichtender Beton" zur DIN EN 206-1 07.01 und DIN 1045-2 07.01, die im Anschluss an die sich momentan in Bearbeitung befindende Richtlinie zur DIN 1045 07.88 verfasst wird, aufgenommen werden.

Als Anwendungsgebiete für selbstverdichtende Betone mit hohem Steinkohlenflugaschegehalt sind neben dem Einsatz im Fertigteilbereich insbesondere auch Tunnelbauwerke aufgrund ihrer Herstellung und der Problematik der Hohlraumverfüllung beim Einsatz von Rüttelbetonen geeignet. Der Widerstand gegen Frost-Tausalz-Beanspruchung ist dabei von besonderem Interesse.