Gebäudeeinflüsse bei der Ableitung von Rauchgasen über Kühltürme und ergänzende Betrachtungen für die Ableitung über Schornsteine

Projektnummer 262

Die Ableitung von Rauchgasen über Kühltürme hat sich in vielen Fällen sowohl unter ökologischen als auch unter ökonomischen Gesichtspunkten bewährt und wird an einer Reihe von Kraftwerksstandorten praktiziert. Auch bei zukünftigen Neuplanungen wird in der Regel die Option der Kühlturm-Ableitung untersucht werden.

Das Ausbreitungsmodell (zur Berechnung der von einer Anlage hervorgerufenen Immissionszusatzbelastung) der neuen TA Luft sieht eine Berücksichtigung des Gebäudeeinflusses bei der Ableitung von Rauchgasen über Kühltürme nicht vor. Da gemäß TA Luft dieser Einfluss jedoch zu berücksichtigen ist, wären in vielen Fällen die Betreiber, in deren Anlagen Rauchgase über Kühltürme abgeleitet werden, auf die Einschaltung von Gutachtern angewiesen. Typischerweise sind in solchen Fällen bisher im Rahmen von Genehmigungsverfahren kostenaufwändige Windkanaluntersuchungen vorgenommen worden, deren Durchführung zu Verzögerungen der Genehmigungsverfahren führt. Ferner können je nach Auswahl der Gutachter unterschiedliche Modellansätze zum Einsatz kommen, die ggf. unterschiedliche Ergebnisse zur Folge haben mit der Konsequenz einer Zunahme von Einsprüchen und daraus ebenfalls resultierenden Verzögerungen in Genehmigungsverfahren.

Da aus Gründen der Rechtssicherheit die Existenz eines einheitlichen, allgemein anerkannten Modells erforderlich ist, hat der Fachausschuss „Luftreinhaltung und Lärmschutz“ die Durchführung dieses Forschungsprojektes angeregt.

In einer Vorstudie (VGB-Nr. 242) war untersucht worden, ob auf der Grundlage bereits durchgeführter sowie neuer Windkanalversuche für verschiedene Grundtypen von Kraftwerken Parametersätze von Verstärkungsfaktoren für die Berechnung der Immissionszusatzbelastung entwickelt werden können, die in Zukunft individuelle Windkanalversuche ersetzen könnten. Die Studie ergab, dass der Untersuchungsaufwand für eine Ermittlung realistischer Parametersätze zu hoch werden würde; die Wahl nur eines „pessimalen“ Standard-Verstärkungsfaktorensatzes würde zu einer inakzeptablen Überbewertung der von einer Anlage hervorgerufenen Zusatzbelastung führen.

In diesem Vorhaben soll ein im Auftrag des Umweltbundesamtes entwickeltes Programm zur Berücksichtigung des Gebäudeeinflusses daraufhin untersucht werden, ob dieses auch für Kühltürme anwendbar ist und ob es auch außerhalb des Anwendungsbereiches der TA Luft (Quellhöhe < dem 1,2fachen der relevanten Gebäudehöhe) – in diesen Fällen ist bisher grundsätzlich ein Gutachter einzuschalten – eingesetzt werden kann. Auch die Ableitung über Schornsteine soll hier untersucht werden.

Sollte die Studie ergeben, dass das o. g. Programm im Rahmen von Genehmigungsverfahren für Kraftwerke mit Ableitung von Rauchgasen über Kühltürme eingesetzt werden kann, wird VGB über den Länderausschuss für Immissionsschutz (LAI) oder den VDI eine Veröffentlichung dieser Vorgehensweise in Form einer LAI-Empfehlung oder einer VDI-Richtlinie anstreben, damit die behördliche Akzeptanz der Vorgehensweise sichergestellt ist. In der projektbegleitenden Arbeitsgruppe werden je ein Fachmann des Umweltbundesamtes und des LAI vertreten sein.

Das Projekt wird von der Arbeitsgemeinschaft für Umweltmeteorologie und Luftreinhaltung - Bahmann & Schmonsees GbR unter der Leitung von Wolfram Bahmann durchgeführt. Die Ergebnisse sollen im Sommer 2005 vorliegen. Die Projektbearbeitung wird durch den Fachausschuss „Luftreinhaltung und Lärmschutz“ begleitet.