VGB PowerTech: Erste Analyse von Greenpeace-Studie zu Kohlekraftwerken – Keine neuen Fakten und Erkenntnisse – Methode nicht erkennbar

• Weder Methode noch Aussagen der Studie sind nachvollziehbar • Erste Bewertung lässt wissenschaftliches Vorgehen missen • Europäische Kohlekraftwerke leisten wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität
  • Weder Methode noch Aussagen der Studie sind nachvollziehbar
  • Erste Bewertung lässt wissenschaftliches Vorgehen missen
  • Europäische Kohlekraftwerke leisten wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität

Der Anteil von Feinstaub aus allen europäischen Kohlekraftwerken beträgt nur wenige Prozent der vom Menschen hervorgerufenen Feinstaubemissionen (Staub < 4 % und Feinstaub < 7 %, Quelle: European Environment Agency, fortlaufend). Zudem sind diese Emissionen seit 1990 erheblich zurückgegangen, um rund zwei Drittel. Die Energiewirtschaft leistet mit einem Anteil von rund 33 % den größten Beitrag zur Luftreinhaltung aller Sektoren.

Für die Stickoxidemissionen NOx notiert die European Environment Agency (EEA) einen Rückgang für die EU-28 in Höhe von 44 % (Datenbasis: 1990 - 2011): Daran hat die Energiewirtschaft einen Anteil in Höhe von 23 %. Der Minderungserfolg wird mit 48 % angegeben - auch hier ist die Stromerzeugung bei der Reduktion führend.

Die Schwefeldioxidemissionen (SO2) in Europa sind nach EEA zwischen 1990 und 2011 um 74 % zurückgegangen. Die Stromversorgung trägt hier zu 58 % der Emissionen bei und kann auf eine Minderung von 1990 bis 2011 in Höhe von 76 % verweisen.

In einem Grundlagenwerk von VGB PowerTech e.V. wurde schon 2011 festgestellt, dass aus langjährigen Ergebnissen von Überwachungsmessungen davon auszugehen ist, dass die Luftqualität (Vorbelastung) durch zusätzliche Immissionen (Zusatzbelastung) aus Kohlekraftwerken praktisch nicht oder nur unwesentlich geändert wird. Immissionen sind die wesentliche Größe zur Ermittlung und Bewertung möglicher Beeinträchtigungen oder Folgen für die Gesundheit und Umwelt.

Die aktuell vorgestellte Greenpeace-Studie "Der letzte Atemzug - Kohleunternehmen machen Europa krank" (20. November 2018) blendet derart wichtige Fakten und weitere wesentliche Erkenntnisse zum Thema Emissionen bzw. Immissionen schlichtweg aus.

Zudem ist die Methodik der Studie grundsätzlich nicht nachvollziehbar, da nicht veröffentlicht. Zwar wird ein umfangreiches Quellenwerk angeführt, eine wissenschaftlich fundierte Aussage zu Grundlagen der Ermittlung der als Kernaussage vermittelten Gesundheitsfolgen, sogar bis hin zu vorzeitigen Todesfällen, fehlt schlichtweg. Wie die Wirkungskette Emissionen - Immissionen - Gesundheitsfolgen hochgerechnet wird, klärt sich nicht auf.

Die Abbildungen in der Studie werfen zudem eine Reihe von Fragen auf. In der deutschen Übertragung sind Angaben in den Abbildungen häufig quasi nicht erkennbar. Das englischsprachige Original verwendet für zusätzliche Feinstaubimmissionen (PM2.5) aus der Energiewirtschaft eine Signal-Warnfarben-Skala. Es findet sich kein Hinweis darauf, dass diese Immissionen Anteilen von weniger als 4 % (Staub) bzw. weniger als 7 % (Feinstaub) der Gesamtkonzentration entsprechen.

Insgesamt stellt die Studie für VGB eine Wiederauflage der Veröffentlichung "Tod aus dem Schlot - Wie Kohlekraftwerke unsere Gesundheit ruinieren" bzw. "Silent Killers" von Greenpeace aus dem Jahr 2013 dar. Die damaligen Aussagen und Behauptungen von Greenpeace basierten auf einer validen wissenschaftlichen Studie zur Ausbreitung von Emissionen. Greenpeace hatte zu dieser Studie eigene Interpretationen für Gesundheitsfolgen veröffentlicht, die so teils nicht aus der Studie stammten bzw. nachvollziehbar ableitbar sind.

Wer sich intensiv und ernsthaft mit dem Thema Kraftwerksemissionen befasst, der darf über wissenschaftlich-technische Erkenntnisse nicht einfach hinweggehen.