Kurzfassungen - VGB PowerTech Journal 1-2/2004

Politische Rahmenbedingungen für einen liberalisierten Strommarkt

H. Schmitt von Sydow

Nach mehr als zwei Jahren Diskussion sind Europäische Kommission, Europäisches Parlament und der Rat im Juni 2003 zu einer richtungsweisenden Einigung für den Binnenmarkt von Gas und Strom gelangt. Dieser neue ab Mitte 2004 wirksam werdende Rechtsrahmen besteht aus einer Anpassung der bestehenden Gas- und Stromrichtlinie und aus einer Verordnung über den Netzzugang für die grenzüberschreitende Übertragung von Strom. Ziel ist es, den Stromhandel im Binnenmarkt durch die Schaffung fairer Rahmenbedingungen zu fördern.

Ersatzinvestitionen im liberalisierten Strommarkt – Chancen – Risiken

R.F. Elsässer

Mit der Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes im April 1998 wurde der Strommarkt in Deutschland über Nacht vollständig liberalisiert. Nach einer Phase heftigen Wettbewerbs beginnt heute die Diskussion darüber, wie neue Investitionen für eine sichere Versorgung sichergestellt werden können. Für neue Investitionen, die für 30 bis 40 Jahre Bestand haben sollen, werden Stabilität und Realitätsnähe der politischen Rahmenbedingungen benötigt.

Anforderungen energieintensiver Industrien an Politik und Versorger

J. Hinz, B. Jürgens und U. Stein

Die Strom- und Gaspreise in Deutschland nehmen im Vergleich zu den anderen EU-Ländern Spitzenplätze ein. Den energieintensiven Industrien erwächst hieraus ein empfindlicher wirtschaftlicher Nachteil gegenüber den europäischen Wettbewerbern. Eine grundlegende Verbesserung dieser Situation ist dringend nötig. Hierzu werden aus Sicht der Bayer AG Anforderungen an die Politik aber auch an die Versorgungswirtschaft formuliert.

Der nordische Elektrizitätsmarkt

N. Andersson

Die vier Säulen der Deregulierung des Elektrizitätsmarktes sind: die Wahlfreiheit des Lieferanten für den Kunden, transparente und verlässliche Preise, Regulierung sowie eine effektive Aufsicht. Am nordischen Markt nehmen mehrere Stromerzeuger teil, was einen wettbewerbsorientierten Markt gewährleistet. Dessen Kern ist der Spotmarkt mit dem Nordic Power Exchange.
Die zukünftige Stromverbrauchsentwicklung ist von einem Anstieg um ca. 10 % bis zum Jahr 2013 gekennzeichnet. Entsprechende Planungen zur Deckung dieses Bedarfs bestehen.

Kernenergie als Bestandteil der finnischen Stromversorgung

A. Toivola

Finnland verfügt über sehr begrenzte eigene Energiereserven. Es ist zudem ein Land mit einem kühlen Klima und einer energieintensiven Industrie. Eine sichere, zuverlässige und kostengünstige Versorgung ist für Finnland von hoher Bedeutung. Energieimporte haben dabei einen sehr hohen Anteil von 72 %.
Entsprechend wird in Finnland Energie effizient eingesetzt und es werden alle verfügbaren Energiequellen genutzt. Kernenergie hat sich dabei über mehr als 25 Jahre als fester Bestandteil in der Stromversorgung etabliert.

Möglichkeiten und Begrenzungen der Windenergie

H. Jensen

Windenergie entwickelt sich als die leistungsfähigste erneuerbare Energie. Mit der Implementierung des Kyoto-Protokolls verbindet sich die Erwartung, dass zusätzliche Windenergiekapazität installiert wird. Elsam verfügt über 25 Jahre Erfahrung mit der Windenergie in Dänemark und zwar sowohl Onshore als auch Offshore. Mit rund 20 % Anteil an der Gesamterzeugung zählt Dänemark zu den Ländern mit dem umfangreichsten Windenergieanteil. Die Netzbetreiber
stehen vor markanten Herausforderungen in Bezug auf regulatorische Einflüsse sowie den zuverlässigen Netzbetrieb.

Vorteilhafte Effekte durch die Kombination von Mechanisch/Thermischer Entwässerung und Trockenbraunkohlefeuerung in Kraftwerken

C. Bergins, K. Strauss und J. Sigg

Das Potential zur Wirkungsgradsteigerung bei der Stromerzeugung ist für Braunkohlekraftwerke bei weitem nicht ausgeschöpft. Optimierte Anlagentechniken ermöglichen heute Kraftwerkswirkungsgrade von bis zu 43 %. Die ökonomischen Grenzen sind hierbei erreicht. Durch die Reduzierung des Wassergehaltes mittels eines energetisch effizienten Verfahrens – Mechanisch/Thermische Entwässerungsverfahren (MTE-Verfahren) – bereits vor der Verbrennung kann der Kraftwerkswirkungsgrad um bis zu 20 % gesteigert werden.

Effiziente Braunkohleverstromung in einer Druckwirbelschichtfeuerung mit Teilvergasung

F. Bär, S. Müller, M. Rost, F. Schierack und H.J. Krautz

An der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus wurde eine 200 kWth-Versuchsanlage gebaut, die zur Untersuchung eines dort entwickelten Verfahrens zur Kohleumwandlung in einer zirkulierenden Druckwirbelschichtfeuerung dient. Dieses Verfahren, das für die Stromerzeugung aus Braunkohle konzipiert wurde, ist dadurch gekennzeichnet, dass beide Teilschritte der Kohleumwandlung – die Teilvergasung mit Luft und die Restverbrennung des dabei entstehenden Kokses – in einer gemeinsamen Komponente erfolgen.

Mitverbrennung von Sekundärbrennstoffen – vermeiden bzw. minimieren betrieblicher Probleme

P. Struckmann, H.-J. Dieckmann, J. Brandenstein und M. Ochlast

Aufgrund des durch die Liberalisierung des Strommarkts gestiegenen Kostendrucks und weiterer Faktoren nimmt der Einsatz von Sekundärbrennstoffen in fossil gefeuerten Kraftwerken weiter zu. Durch die Mitverbrennung der Sekundärbrennstoffe werden die chemischen Abläufe in allen wesentlichen Anlagenkomponenten der Kraftwerke beeinflusst. Auswirkungen auf wichtige Parameter werden beispielhaft für die Sekundärbrennstoffe mit dem höchsten Marktanteil, also für Klärschlamm, Tiermehl, Tierfett und den produktionsbedingten Rückständen aus der petrochemischen Industrie aufgezeigt.

Großwasserraumkessel mit Dampfleistungen bis 54 t/h

W. Sobbe

Für Großwasserraumkessel hat die Europäische Norm EN 12953 zulässige Feuerungswärmeleistungen je Flammrohr festgelegt. Betreiber und Hersteller von Großwasserraumkesseln in Deutschland und anderen Ländern haben dies aufgegriffen und inzwischen eine Reihe von Anlagen mit Großwasserraumkesseln ausgerüstet, die unter den neuen Bedingungen Einzelleistungen im Zweiflammrohrbereich bis ca. 35 MW oder 54 t/h Dampf erreichen. Die Einsatzmöglichkeit von Kesseln mit realisierten erhöhten Feuerungswärmeleistungen wird am Beispiel einer Kesselanlage zur Erzeugung von 200 t/h Heißdampf dargestellt.