Kurzfassungen - VGB PowerTech Journal 1-2/2012

Die europäische Stromwirtschaft am Scheideweg

Hans ten Berge

Die europäische Stromwirtschaft steht an einem bisher beispiellosen Scheideweg. Die EU-Energiepolitik könnte drei verschiedene Wege beschreiten: Untätigkeit; Handeln mit zögerlicher und inkohärenter Politik oder ein klares Bekenntnis zu zwei wesentlichen Grundsätzen: Wettbewerbsfähigkeit auf der Basis europäischer, marktbasierter Lösungen und die Beschränkung des Klimawandels durch CO2-Emissionsminderung. Letzteres ist die von EURELECTRIC als bevorzugt angesehene Option. Analysiert wird, ob Europa auf dem richtigen Weg ist, um diese Ziele zu erreichen.

Herausforderungen für den künftigen Kraftwerkseinsatz

Werner Götz

Der Ausbau der erneuerbaren Energien und deren vorrangige Einspeisung haben den Energiemarkt in Deutschland in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Bei einem derzeit bereits 20%igem Anteil der Erneuerbaren ist die thermische Residuallast deutlich zurückgegangen und auch der Strompreis an der Börse gesunken. Die Konsequenzen für den thermischen Kraftwerkspark sind deutlich und bedeuten geringere Einsatzzeiten und ein deutliches Absinken der Deckungsbeiträge.

Die Rolle der Erneuerbaren in der veränderten europäischen Energielandschaft

Dörte Fouquet und Jana Viktoria Nysten

Die Energielandschaft in Europa verändert sich - und die Veränderung wird drastisch sein. Von der Verpflichtung die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, über die Katastrophe in Fukushima, diese gefolgt von der deutschen Entscheidung aus der Atomkraft endgültig und beschleunigt auszutreten und auf eine 100 % Erneuerbare-Energien-Zukunft zu setzen, zurück zu den Verhandlungen zum Klimaschutz - Debatten über die Zukunft der Energieversorgung sind allgegenwärtig. Wenn Europa seinen Verpflichtungen und Zielen in Sachen Klima- und Naturschutz gerecht werden will, müssen signifikante Veränderungen erfolgen - und erneuerbare Energien müssen die Hauptenergieversorgungsquelle werden.

Der europäische Strommarkt und Technologien - Status und Perspektiven

Franz-Josef Mengede, Klaus-Dieter Tigges, Mike Farley und Maria Joao Duarte

Klimawandel und globale Erwärmung haben die Wahrnehmung dieser Entwicklungen und ihrer Ursachen bei den Menschen verändert. Dies wird deutlich durch entsprechend verbundene politische Entscheidungsprozesse. Für die Industrie zeigt sich eine schwierige Entwicklung, da fallweise technische Grundlagen und Möglichkeiten bzw. auch Grenzen bei Entscheidungen nicht berücksichtigt werden. Die europäischen Kraftwerkshersteller stellen sich der Aufgabe fortschrittliche, umweltfreundliche Kraftwerke zu liefern, fordern dafür aber auch verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Fukushima: Reaktionen der Kernkraftwerksbetreiber

Laurent Stricker

Aus dem Blickwinkel der World Association of Nuclear Operators (WANO) werden die Reaktionen der Kernkraftwerksbetreiber auf die Ereignisse von Fukushima dargestellt. Darüber hinaus werden die notwendigen Veränderungen innerhalb der WANO beschrieben, um die Anlagensicherheit von Kernkraftwerken weltweit zu verbessern. Dazu wird überprüft, welche Maßnahmen die Betreiber fallweise ergreifen werden. Die Sicherheit kerntechnischer Anlagen obliegt zunächst den einzelnen Betreibern sowie auch der gesamten Betreibergemeinschaft. Darüber hinaus lässt sich eines hohes Maß an Sicherheit durch zuverlässige gesetzliche Vorgaben mit harmonisierten Sicherheitsanforderungen und einer starken WANO sicherstellen.

Antworten eines Herstellers auf die Ereignisse in Fukushima

Uwe Stoll und Ulrich Waas

Der schwere Störfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in Folge eines Tsunami zeigt weitreichende Folgen für die Kernenergiebranche und damit auch für Areva als Anlagenhersteller - auch wenn das Unternehmen nicht der Lieferant dieser Reaktorblöcke ist. Vor dem Hintergrund der von der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) formulierten Forderungen und den verschärften Auflagen seitens der Behörden hat Areva für bestehende Anlagen ein „Safety Alliance“-Programm gestartet.

Moderne Gasturbinentechnik und ihre ursprüngliche Anwendung

Friedrich Hala und Reinhard Willinger

Bei der Vorstellung neuer Gasturbinen wird von Methoden zur Steigerung des Wirkungsgrades und auch von wirtschaftlicheren Bauformen berichtet. In den zwei wesentlichen Fällen wurden oftmals Lösungen angewendet, die schon vor Jahren versucht wurden, jedoch aus verschiedenen Gründen, sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus Mangel an technologischen Möglichkeiten, keine preiswerten Produkte für den Markt anzubieten, erlaubten. Einige dieser Entwicklungen wurden in der Zwischenzeit zur Serienreife gebracht und für den industriellen Einsatz ertüchtigt. Beispielhaft werden entsprechende Maßnahmen vorgestellt.

Dynamische Prozesssimulation als Methode für Engineeringaufgaben - Fallanalyse für einen Verdampfer eines Kohlekraftwerks

Jari Lappalainen, Harri Blom und Kay Juslin

Methoden, die auf mathematischen Modellen beruhen, wie z.B. Simulationen zur Optimierung, sind in der Prozessindustrie üblich, wo sie für verschiedene Engineeringaufgaben routine­mäßig eingesetzt werden. Der vorliegende Beitrag befasst sich mit dem aktuellen Stand der Simulation, insbesondere der dynamischen Simulation (DS), bei der technischen Bearbeitung von Projekten. Dadurch wird es möglich, den Prozessverlauf sowohl unter gleichbleibenden Bedingungen als auch bei Übergängen zu untersuchen. Als Beispiel wird die Lösung eines technischen Problems in einem Kraftwerk vorgestellt, und zwar für einen Zwangdurchlaufkessel in einem Kohlekraftwerk.

ZLD-Systemanwendungen in Kohlekraftwerken von ENEL

Claudio Mosti und Vincenzo Cenci

Zero Liquid Discharge (ZLD) ist eine neue Philosophie in der Kohleverstromung, d.h. volle Rückgewinnung des Abwassers durch eine thermische Behandlung von Waschwasser aus der nassen Rauchgasentschwefelung (REA) mittels Enthärtungs-, Verdampfungs- und Kristallisationsverfahren (SEC). Diese Behandlung vermeidet die Abwassereinleitung und senkt gleichzeitig den Frischwasserverbrauch. Die chemische Kontrolle hat eine Schlüsselrolle bei der Planung von Kohlekraftwerken mit ZLD-System aufgrund des Einflusses unterschiedlicher Kohlequalitäten auf den Prozess.

Qualifizierung von Werkstoffen für das 700 /720°-Kraftwerk - Ergebnisse aus dem Forschungsvorhaben MARCKO 700(Teil I: Werkstoffe)

Kay Schmidt, Andreas Klenk und Eberhard Roos

Das ambitionierte Ziel ein fossil-befeuertes Kraftwerk mit Dampfparametern von 700 °C und 350 bar zu realisieren führt zu neuen Herausforderungen auf dem Gebiet der Werkstoffforschung. Im Kesselbereich eines solchen Hocheffizienzkraftwerkes ist der Einsatz von Nickelbasislegierungen sowie eines niedriglegierten 2,5 % Cr-Stahls geplant. Grundwerkstoffe und Schweißverbindungen dieser Legierungen wurden innerhalb des AVIF-Projekts „Marcko 700“ einem detaillierten Qualifikationsprogramm unterzogen.

Automatisierte Ultraschallprüfung von eparaturschweißungen bei HD-Dampf-turbinengehäusen

Coen Boxma und Gaby Godschalk

Turbinengehäuse sind in der Regel aus Gussteilen hergestellt. Diese Gusswerkstoffe weisen oft kleine Materialfehler auf. Ein tiefer Riss wurde im Gehäuse der HD-Turbine von Amer-9, Essent, während einer Generalüberholung erkannt. Der beschädigte Bereich wurde durch den Hersteller repariert. Der Betreiber entschied, während einer folgenden Revision die Reparaturschweißnaht ohne Ausbau des Gehäuses zu inspizieren. Die Herausforderung bestand in der Konzeption und Validierung einer entsprechenden Ultraschallmethode für Überprüfungszwecke und die Gestaltung eines sogenannten Manipulators innerhalb von 3 Monaten. Die Prüfung wurde erfolgreich durchgeführt und soll wiederholt werden.

Aktueller Stand der Überarbeitung von LPC BREF und Göteborg-Protokoll

Jean-Guy Bartaire

Das 2006 veröffentlichte Referenzdokument über die beste verfügbare Technik (BVT-Merkblatt) bei Großfeuerungsanlagen (BREF LCP - Reference Document on Best Available Techniques for Large Combustion Plants) wurde 2011 durch das europäische IPPC-Büro (EIPPCB) überarbeitet. Die Revision des BREF LCP ist von zentraler Bedeutung für die europäische Elektrizitätswirtschaft. Im Rahmen des Übereinkommens über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung der UN überarbeitet die Wirtschaftskommission für Europa das Göteborg-Protokoll. Das überarbeitete Protokoll schreibt nationale maximale Emissionsmengen für eine Reihe von für die Elektrizitätswirtschaft relevanten Schadstoffen für die einzelnen Mitgliedstaaten fest.