Kurzfassungen - VGB PowerTech Journal 5/2010

Betriebserfahrungen mit Kernkraftwerken 2009

Innerhalb des VGB-Fachausschusses "Kernkraftwerksbetrieb" wird seit mehr als 30 Jahren ein intensiver Austausch von Betriebserfahrungen mit Kernkraftwerken gepflegt. An diesem Erfahrungsaustausch sind Kernkraftwerksbetreiber aus mehreren europäischen Ländern beteiligt. Über im Jahr 2009 erzielte Betriebsergebnisse sowie sicherheitsrelevante Ereignisse, wichtige Reparaturmaßnahmen und besondere Umrüstmaßnahmen wird aus Belgien, Deutschland, Finnland, den Niederlanden, der Schweiz und Spanien berichtet.

Sicherheit durch Simulation

Eberhard Hoffmann

Die Simulatorschulung ist ein wesentlicher Bestandteil zur Erlangung und zum dauerhaften Erhalt der notwendigen und auch behördlich vorgeschriebenen Fachkunde des Betriebspersonals von Kernkraftwerken. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zu deren sicherem Betrieb. Fünf Kernkraftwerksbetreiber tragen das Simulatorzentrum in Essen, das an zentraler Stelle die allen Kernkraftwerken obliegende Aufgabe der Simulatorschulung übernimmt.

Bautechnische Auslegung von Kernkraftwerken für Erdbeben

Hamid Sadegh-Azar und Andreas Garg

Kernkraftwerke werden weltweit in verschiedensten Regionen betrieben, von denen einige seismisch aktiv sind und somit die Erdbebenanregung eine wichtige Rolle bei der Anlagenauslegung spielt. Grundlagen für eine sichere Auslegung von Kernkraftwerken in seismisch aktiven Regionen werden zusammengestellt und es wird gezeigt, wie und mit welchen Analyse- und Rechenmethoden eine erdbebensichere Auslegung durchgeführt werden kann und welche Konservativitäten in der gesamten Berechnungskette vorhanden sind.

Auslegung der Anlagenteile von Kernkraft-werken gegen Erdbeben - Stand und Tendenzen

Fritz-Otto Henkel und Manfred Schalk

Der Bericht gibt einen Überblick über den heutigen Stand der Erdbebenauslegung von Anlagenteilen in Deutschland bzw. nach deutschem Regelwerk für Kernkraftwerke KTA 2201.4. Nach einem Anriss der Auslegungsziele im Rahmen der gesamten Auslegungskette wird das systematische Vorgehen anhand der zurzeit in Überarbeitung befindlichen KTA-Regel 2201.4 erläutert. Gezeigt wird, wie im Rahmen der Überarbeitung von KTA 2201.4 durch Öffnung für wirklichkeitsnähere Verfahren wieder Anschluss an den internationalen fachlichen Stand gefunden wird.

Das Hilfs- und Betriebsstoffmanagement der EnKK - Umsetzung der Gefahrstoffverordnung, Umgang mit Hilfs- und Betriebsstoffen

Bernhard Lehmann, Fred Böttcher, Michael Bolz

Das Hilfs- und Betriebsstoffmanagement der EnBW Kernkraft GmbH (EnKK) verknüpft die Prozesse der Beschaffung, Zulassung und Qualitätssicherung für chemische Hilfs- und Betriebsstoffe mit dem Anforderungsprofil zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt. In einem SAP-basierten Datenbanksystem werden die materialwirtschaftlich orientierten Daten und Prozesse mit den stoffspezifischen Daten gekoppelt. Das System trug mit zu den positiven Ergebnissen bei der Auditierung des Integrierten Managementsystems und bei den OSART-Missionen an den Kernkraftwerksstandorten Philippsburg und Neckarwestheim bei.

Zink-Dosierung in Siemens-DWR-Anlagen: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Hans Walter Rich, Bernhard Stellwag, Fred Böttcher, Micael Jürgensen, Günter Holz, Bernd Markgraf, Sigrid  Schütz und Milton Rübenich

Die Zink-Dosierung zur Dosisleistungsreduktion wird in acht Siemens Druckwasserreaktor-Anlagen seit maximal 13 Jahren durchgeführt. Eine Übersicht zum Einfluss der Zink-Dosierung auf die Dosisleistung der Anlagen und deren Kühlmitteleigenschaften wird gegeben. Die Veränderungen in den Konzentrationen von Korrosions- und Aktivierungsprodukten im Reaktorkühlmittel werden diskutiert. Veränderungen in der Primärkühlmittelchemie und in den Dosisleistungen sind dabei Anlagen-spezifisch und von der Betriebsweise abhängig.

Versuch zur kontinuierlichen Konzentrationsüberwachung der Vergiftungslösung im Kernkraftwerk Isar 1

Bernhard Schnurr, Harry Neder und Christian Scheuerer

SWR-Anlagen verfügen über ein System zur Einspeisung einer Borlösung in das Reaktorwasser, für den Fall, dass ein Abschalten des Reaktors mit den Steuerstäben nicht erfolgt. Zur Gewährleistung der ausreichenden Wirksamkeit dieses Boreinspeisesystems muss ein Mindestvolumen an Borlösung vorgehalten werden und die Konzentration darf eine vorgegebene Grenze nicht unterschreiten. Ziel des vorgestellten Verfahrens ist es, eine Methode zu finden, mit der die Konzentration kontinuierlich mit einer ausreichenden Empfindlichkeit und ohne nennenswerte Störeinflüsse überwacht werden kann.

Eisenmessungen im Vergleich ICP-MS, AAS und UV-Vis-Spektrometrie

Birgit Felgenhauer, Rolf Schorle, Andreas Speck und Hermann Wacker

Eisenmessungen werden in den Kreisläufen von Siedewasserreaktoren und Druckwasserreaktoren regelmäßig zur chemischen Betriebsüberwachung durchgeführt. Durch den Einsatz moderner Techniken wie ICP-MS und AAS konnten die Nachweisgrenzen stetig reduziert werden. Gegenübergestellt werden Messergebnisse, die mit klassischen und modernen Techniken im Reaktorwasser des Siedewasserreaktors Philippsburg 2 und im Speisewasser des Druckwasserreaktors Philippsburg 2 gewonnen wurden.

Hebung von Leistungsreserven durch Messunsicherheitsverringerung

Swen Arens und Jörg Holtmann

Der Betrieb und die Steuerung von Kraftwerken nahe an der maximalen Leistung werden durch den Einsatz von Messtechnik zur Messung von Volumen- und Masseströmen überhaupt erst ermöglicht. Die von eingesetzten Messgeräten ausgehende Messunsicherheit setzt der Leistung des Kraftwerks durch zu berücksichtigende Reserven eine Grenze. Durch den Einsatz geeigneter Durchfluss-Messtechnik, wie z.B. der Ultraschall-Durchflussmessgeräte, kann eine vorhandene Leistungsreserve herabgesetzt werden, wodurch die Leistung des Kraftwerks gesteigert werden kann.

Die neue 460 MWe überkritische Anlage Lagisza mit CFB-Kessel - Erste Erfahrungen

Waldemar Ostrowski und Damian Goral

Dampfkessel mit zirkulierender Wirbelschicht sind in den vergangenen Jahren weiter entwickelt worden und haben sich als Technologie im großtechnischen Anwendungsmaßstab etabliert. Ein weiterer Schritt lag in der Entwicklung und dem Bau eines Kessels mit überkritischen Dampfparametern und einer weiter erhöhten Leistung. In 2002 vergab der polnische Energieversorger Południowy Koncern Energetyczny SA an Foster Wheeler Energia Oy den Auftrag zur Errichtung eines solchen Wirbelschichtkessels für das Kraftwerk Lagisza. Mit dem Bau der 460-MW-Anlage wurde 2006 begonnen. Seit 2009 befindet sie sich im kommerziellen Betrieb.

Neue Ascheförderanlage im größten Braunkohle-Kraftwerksblock in Niederaußem

Mario Dikty und Dirk-Michael Weber

Das Kraftwerk Niederaußem ist im Jahre 2002 um einen Block mit einer Bruttoleistung von ca. 1.000 MW erweitert worden. Im Betrieb traten Problemen beim Ascheaustrag aus den Druckgefäßen und der Förderung zu den Aschesilos auf. Versuche mit dem FLUIDCON®-Verfahren zeigten, dass dieses System alle Anforderungen erfüllt und flexibel auf Ungleichverteilungen des Ascheanfalls quer zur Rauchgasrichtung reagieren kann. Inzwischen wurde die komplette Entaschungsanlage des Blocks auf dieses Verfahren umgerüstet.

Geräuschentwicklung von Dampfventilen in Kraftwerken - Berechnung und Praxiserfahrungen

Stephan Heim

Anhand der schalltechnisch oft kritischen Dampfumformstationen wird beispielhaft gezeigt, welche Ursachen vorliegen können, wenn in Planung angestrebte Schallgrenzwerte von Dampfventilen in der Praxis überschritten werden. Ein Messverfahren unter Verwendung von Laservibrometern wird vorgestellt, mit denen berührungslos Schwingungen von heißen Dampfleitungen messtechnisch erfasst werden können. Die Ergebnisse können sowohl zum schalltechnischen Garantienachweis als auch der Lösung von luftschall- und schwingungstechnischen Problemen im Zusammenhang mit Ventilen dienen.