Kurzfassungen - VGB PowerTech Journal 5/2011

Betriebserfahrungen mit Kernkraftwerken 2010

Innerhalb des VGB-Fachausschusses „Kernkraftwerksbetrieb“ wird seit mehr als 30 Jahren ein intensiver Austausch von Betriebserfahrungen mit Kernkraftwerken gepflegt. An diesem Erfahrungsaustausch sind Kernkraftwerksbetreiber aus mehreren europäischen Ländern beteiligt. Über im Jahr 2010 erzielte Betriebsergebnisse sowie sicherheitsrelevante Ereignisse, wichtige Reparaturmaßnahmen und besondere Umrüstmaßnahmen wird aus Belgien, Deutschland, Finnland, den Niederlanden, der Schweiz und Spanien berichtet.

Kraftwerksneubau in Europa - Eine Herausforderung für Projekt- und Qualitätsmanagement

Matthias Hartung

Die Herausforderungen im Kraftwerksbau in Europa sind vielfältiger - und vor allem komplexer geworden. RWE hat daher mit der Bündelung von Projektmanagement und Engineeringkapazitäten in der RWE Technology die Voraussetzung geschaffen, eine europaweit einheitliche Basis aufzubauen. Durch Zusammenführung von Mitarbeitern wird effektiv der Technologie- und „Best-Practise“-Transfer gefördert. Vereinheitlichung von Standards und die gebündelte Kompetenz im Projektmanagement und Engineering dienen der erfolgreichen Projektdurchfühung.

Fortschritt bei neuen Kernkraftwerken in USA

Jeff Archie

Das Kernkraftwerk V.C. Summer im Südosten der USA wird seit mehr als 25 Jahren sicher und erfolgreich von South Carolina Electric & Gas Company (SCE&G) betrieben. Die aus dem Kernkraftwerksbetrieb gewachsene Philosophie bestimmt auch das neue Kraftwerksprojekt mit 2 geplanten Blöcken, das SCE&G zur Sicherung des Grundlastbedarfs in seinem Versorgungsgebiet initiiert hat. Mit Standortvorbereitungen wurde bereits 2009 begonnen. SCE&G erwartet, dass die Nuclear Regulatory Commission (NRC) Ende 2011/Anfang 2012 die Genehmigung für den Bau und die Inbetriebnahme erteilen wird.

Lastwechselfähigkeiten deutscher Kernkraftwerke

Holger Ludwig, Tatiana Salnikova, Andrew Stockman und Ulrich Waas

In der Diskussion über die Kernkraftwerke in Deutschland wird die Frage aufgeworfen, ob deren Betrieb regenerative Energieträger in der Stromerzeugung unterstützt oder behindert. Tatsächlich sind die Kernkraftwerke in Deutschland bereits in den 1970er-Jahren dafür ausgelegt worden, größere Lastwechsel ausgleichen zu können. Die inzwischen vorliegenden Betriebserfahrungen bestätigen eindeutig, dass die so ausgelegten vorhandenen KKW gut geeignet sind, Lastwechsel auszugleichen, wie sie sich z.B. bei weiterem erheblichen Ausbau der Windkraftwerke infolge Windschwankungen ergeben werden. Insofern kann der Weiterbetrieb der KKW den Ausbau der regenerativen Energiequellen in der Stromerzeugung sogar absichern.

Der Weg zu den EU 2020-Zielen für erneuerbare Energien - Herausforderung Offshore-Windenergie

Michael Lewis

Die ehrgeizigen Klimaschutzziele der EU für das Jahr 2020 erfordern einen starken Ausbau der erneuerbaren Energien. Aufgrund der großen Windressourcen in europäischen Gewässern wird insbesondere der Offshore-Windenergie eine Schlüsselrolle zukommen. Ende 2010 lag die Kapazität bei 3.000 MW. Mit einer Projektpipeline von über 4.000 MW und dem schrittweisen Vorantreiben der Offshore-Technologie spielt E.ON Climate & Renewables eine wichtige Rolle. Die Realisierung des Offshore-Windparks Alpha Ventus markiert einen wichtigen Meilenstein.

Biomasse auf dem zukünftigen europäischen Energiemarkt

Charles Nielsen

Vor dem Hintergrund des vermehrten Einsatzes von Biomasse in der Stromerzeugung werden die Beutung und Problemstellungen erörtert. Biomasse setzt sich aus verschiedensten brennbaren Materialien verschiedener Eigenschaften und Qualitäten zusammen. Einsatz und Beschaffung sind unter dem Gesichtspunkt der Ökobilanz und sozialen Aspekten durchaus nicht unproblematisch. Überlegungen von Eurelectric hinsichtlich von Einfuhrkriterien werden dargestellt.

AVARIS: Innovatives Reparaturverfahren für Sitzdichtflächen in Absperrarmaturen und Rückschlagkappen

Karl-Heinz Herzing, Ulf Breitenberger und Armin Grieser

AREVA Valve Repair in situ (AVARIS), ist ein innovatives Verfahren zur Sanierung von Absperrschiebergehäusen und Rückschlag¬klappen im eingebauten Zustand im Primär- und Sekundärkreis von Kernkraftwerken oder konventionellen Kraftwerken. Eine damit ertüchtigte Armatur entspricht hinsichtlich ihrer Dichtfunktion einer Original-Armatur. Für den Instandhaltungsmarkt bietet AVARIS hohen Nutzen, denn Ersparnisse bei Zeit, Aufwand und Kosten werden erzielt. Das Verfahren erfüllt die Qualitätsvorgaben der deutschen und internationalen Behörden. Es wurde bereits weltweit zum Patent angemeldet.

Charakterisierung und Aktivierung von Katalysatoren zur Rekombination von Radiolysegas

Michael Bolz Jan Köhler, Rolf Schorle und Achim Helf

Im Betrieb eines Siedewasserreaktors entsteht im Wasserdampfkreislauf Radiolysegas. Dort können sich geringe Mengen des Radiolysegases an „blinden“ Leitungsenden ansammeln und auf höhere Konzentrationen anreichern. Um eine Anreicherung zu vermeiden, werden Kleinkatalysatoren aus Titan und einer katalytisch aktiven Platinschicht zur Rekombination eingesetzt. Diese wurden untersucht, um die Katalysatoren und ihren Einsatz weiter zu optimieren.

Wasserchemie der Siedewasserreaktoren in Deutschland und der Schweiz im europäischen Vergleich

Udo Krumpholz, Friedrich Seibold, Harry Neder, Bernhard Stellwag und Alexander Ländner

Ein Überblick über die Auslegungsmerkmale, wasserchemischen Betriebsweisen und Chemiemesswerte der Siedewasserreaktoranlagen in Deutschland und der Schweiz sowie ein Vergleich mit denen der anderen Anlagen in Europa wird gegeben. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse des vorgenommenen Vergleichs das allgemein hohe Niveau der Wasserchemie in den europäischen Siedewasserreaktoren.

Erfahrungen mit der Vorkonditionierung, Dekontaminierung und Rekontaminierung in Primärkreisläufen von WWER-DWR

Katerina Vonkova und Jan Kysela

Für die Kernkraftwerksblöcke Temelín und Mochovce wurde vom NRI Rež ein modifiziertes Wasserregime für den Primärkreislauf dieser WWER-DWR während der heißen Inbetriebnahme entwickelt. Durch die modifizierte HFT-Chemie (HFT: hot functional tests) wird die Oberfläche mit Chrom angereichert, was zu geringeren Korrosionsraten und niedrigeren lokalen Ortsdosisleistungen während des späteren Betriebs führt. Zurzeit werden des Weiteren Experimente im Wasserkreislauf des Reaktors LVR-15 im NRI Rež durchgeführt, mit dem Ziel einer Oberflächenvorbehandlung nach Dekontamination ähnlich der dargestellten Fahrweise nach HFT.

Neue Wege der Ausbildung im Strahlenschutz: Geprüfter Kraftwerksmeister - Fachrichtung Strahlenschutz

Christoph Terbeek

Für die tägliche Arbeit im Strahlenschutz ist neben theoretischen Kenntnissen auch praktische Erfahrung wichtig. Hier hat sich die „Strahlenschutzfachkraft“, geprüft durch die IHK Aachen, etabliert. Damit bewährten Strahlenschutzfachkräften eine berufliche Weiterentwicklung ermöglicht wird, haben Kraftwerksschule e.V., VGB PowerTech e.V., Paul-Scherrer-Institut (Schweiz) und die schweizerische Atomaufsicht (ENSI) den Ausbildungsgang zum Kraftwerksmeister der Fachrichtung Strahlenschutz entwickelt, der mit der Fortbildungsprüfung zum „Geprüfter Kraftwerksmeister - Fachrichtung Strahlenschutz“ vor der IHK zu Essen abschließt.

Dynamisches Verhalten eines Dampfturbinenreglers bei Lastabwürfen nach einem dreipoligen kraftwerksnahen Kurzschluss

Christian Kreischer, Jens Rosendahl, Martin Bennauer und Heribert Werthes

Anhand von Simulationsergebnissen wird gezeigt, unter welchen Umständen ein Doppelfehler, bestehend aus einem Lastabwurf infolge eines dreipoligen kraftwerksnahen Kurzschlusses, beherrscht wird. Durch die richtige Reaktion auf einen Doppelfehler können hohe Überdrehzahlen vermieden, ein Ansprechen des Überdrehzahlschutzes verhindert und damit die Verfügbarkeit des Kraftwerkes erhöht werden. Das dynamische Verhalten des Generators während und nach einem Doppelfehler ist hierbei von besonderer Bedeutung und muss daher genauer betrachtet werden.