Kurzfassungen - VGB PowerTech Journal 9/2010

 

Wasserkraftwerke: Ökologie und Ökonomie im Einklang

Herfried Harreiter, Michael Detering und Gerald Tscherne

Das Ziel, den Einsatz fossiler Energieträger zu reduzieren und gleichzeitig die Abhängigkeit von Importen zu verringern, kann mit dem konsequenten Einsatz der effizienten Wasserkraft erreicht werden. Wasserkraft ist die günstigste Möglichkeit zur Vermeidung von CO2. Seit den 1990er-Jahren setzte ein Umdenkprozess bei der Konzeption von Wasserkraftwerken ein und die Gestaltung wird stark von Architektur und Ökologie mitgeprägt. Ökologie- und Umweltschutzexperten verschiedener Fachbereiche sind schon bei der ersten Projektierung eingebunden, um eine größtmögliche Naturverträglichkeit zu erzielen und wirkungsvolle ökologische Begleit- und Ausgleichsmaßnahmen zu erarbeiten.

Wasserkraftprojekt GAVET: Neues Kraftwerk am Fluss Romanche

Paul Gaudron

Am mittleren Flusslauf der Romanche wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine Reihe von Wasserkraftwerken errichtet. Die Konzessionsdauern der von EDF betriebenen Anlagen nähern sich ihrem Ende. EDF hat beschlossen, 6 dieser Anlagen durch ein neues 94-MW-Wasserkraftwerk zu ersetzen, das den 270-m-Höhenunterschied des Flusses nutzt. Das Kraftwerk GAVET soll im Jahr 2016 in Betrieb genommen werden. Die zusätzliche Erzeugung im Vergleich zur aktuellen Stromerzeugung beträgt dann rund 135 GWh, d.h. 33 % mehr.

Nachhaltig wirtschaftlicher Einsatz von Pumpspeicherkraftwerken im zukünftigen Marktumfeld mit steigender regenerativer Erzeugung

Klaus Engels, Michael Brucker, Michaela Harasta und Tobias Mirbach

Pumpspeicherkraftwerke nehmen an zwei strukturell unterschiedlichen Märkten teil, dem Fahrplanenergie- und dem Reservemarkt. Zum Erreichen eines gewinnmaximalen Einsatzes muss die vorhandene Leistung eines Pumpspeichers zwischen beiden Märkten optimiert werden. Durch die Reservevorhaltung entstehen Synergieeffekte in einem bestehenden Kraftwerksportfolio. Am Beispiel eines Erweiterungsprojektes wurde in Kooperation mit der RWTH Aachen erstmal eine optimierte Teilnahme am Spot- und Regelmarkt in Form einer geschlossenen Optimierungsrechnung simuliert.

Making Blue Energy Green: Auswirkungen von Offshore Windanlagen auf die Meeresumwelt

Sabrina Luitjens

Die Offshore-Windenergie erfährt ein rasantes Wachstum. Dies ist von Vorteil für die Versorgungssicherheit und eröffnet CO2-Einsparpotentiale. Die Auswirkungen von Offshore-Wind-Farmen auf die Meeresumwelt werden immer noch kontrovers diskutiert. IUCN, E.ON Climate & Renewables und SIDA haben darum ein Projekt zur Verbesserung der Umweltleistung der Offshore-Windenergie und Qualitätserhöhung der Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) durchgeführt und untersuchen Effekte in der Studie "Greening Blue Energy".

Offshore-Windfarm Rødsand 2

Jens P. Christensen

Die Abläufe beim Bau des Offshore-Windkraftwerks Rødsand 2 aus Sicht des E.ON-Verantwortlichen für Sicherheit und Gesundheit werden dargestellt, und zwar beginnend mit der Vorbereitung des Meeresbodens, über das Legen des Fundaments bis hin zur Errichtung der Windturbine. Zahlreiche Herausforderungen liegen in den Aktivitäten im Offshore-Bereich begründet. Die spezielle Situation Vor-Ort stellte für den Sicherheitsingenieur im Hinblick auf Gesundheit und Arbeitssicherheit eine besondere Herausforderung dar. Am Standort Rødsand 2 wurde dazu frühzeitig mit dem Auftragnehmer H&S konstruktiv zusammengearbeitet.

Abhängigkeit zu Windenergieanlagen-Servicedienstleistern steuern

Henning Wegner

Der Bedarf nach Servicedienstleistungen für Windenergieanlagen (WEA) ist hoch. Wurde die Wartung und Instandhaltung von WEA in den 1990-Jahren nahezu ausnahmslos von Anlagenherstellern angeboten, erkannten auch weitere Unternehmen das Potenzial dieses Marktes. Die Instandhaltung von Anlagen der MW-Klasse erfordert neben gut ausgebildetem Personal und fundierter Fachkenntnisse das Know-how und die Ressourcen für die Weiterentwicklung spezifischer Anlagenkomponenten. Das Risiko, sich in eine hohe Abhängigkeit zu einem Servicedienstleister zu begeben, lässt sich steuern und somit maßgeblich reduzieren.

Zentralschmieranlagen für moderne Windkraftanlagen

Michael Slembeck

Windkraftanlagen sind hochmoderne und sehr effiziente Kraftwerke, die besondere Anforderungen an die verbauten Komponenten stellen. Neben einer hohen Anlagenverfügbarkeit stehen dabei das Condition Monitoring und die Wartung im Fokus. Der Einsatz verschiedenster Zentralschmieranlagentypen kann dabei helfen, Ausfälle zu vermeiden. In der Praxis werden entweder Progressiv- oder Einleitungssysteme eingesetzt, die sich in ihrer Arbeitsweise und ihrem Anwendungsgebiet unterscheiden.

CCS - Deutsches Know-how für den internationalen Markt

Hans Christian Schröder, René Siemermann und Tim Walter

Der größte Anteil der Kohlendioxid-Emissionen Deutschlands entfällt mit 41 Prozent auf die Energieerzeugung. Dabei stammt der überwiegende Teil aus Kohlekraftwerken. Die Technologie der CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) bietet einerseits die Möglichkeit, die unmittelbar klimawirksamen Emissionen deutlich zu reduzieren. Andererseits stellt sie Anlagenbetreiber und Politik vor besondere Herausforderungen bei der sicheren technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Umsetzung. Die unabhängige Begleitung von CCS-Projekten mit integrierten Systemanalysen gewinnt dabei an Bedeutung.

Die umweltverträgliche Nutzung der heimischen Braunkohle ist unverzichtbar im nationalen Energiemix

Johannes Lambertz

Trotz Klimadebatte sieht der Bundesverband Braunkohle DEBRIV gute Chancen für den heimischen Energieträger. Vor 125 Jahren wurde der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein in Halle an der Saale gegründet. Die Mitgliedsunternehmen des DEBRIV repräsentieren eine Braunkohlengewinnungsmenge von 175 Mio. t/a, die ein Viertel der deutschen Stromproduktion sichert. Dadurch dass sie ihre Wertschöpfung fast komplett im Inland erbringen, haben die Regionen eine wirtschaftliche Perspektive. Die deutsche Braunkohle ist heute Teil einer gut aufgestellten, europäischen Kohlenindustrie, technologisch und strukturell wohl in der Führungsposition.

Spitzenlast- und Reserve-Heizkraftwerke eines Fernwärmesystems

Tapio Öhman, Päivi Aarnio und Lauri Taipale

Seit den 1960er-Jahren wurde über mehrere Jahrzehnte in Helsinki ein leistungsstarkes Fernheiznetz aufgebaut. Seine Effizienz ist in technischer und ökonomischer Sicht sowie im Hinblick auf die Versorgungssicherheit und die Umwelt erwiesen. Die Energiebereitstellung basiert dabei auf KWK-Kraftwerken (Kraft-Wärme-Kopplung) und auf Spitzenlast-Fernheizwerken. Heute hat dank des effektiven Fernheizungsnetzes die lokale Energieerzeugung im Großraum Helsinki praktisch keinen Einfluss mehr auf die Luftqualität.

Modernisierung des Dampfkraftwerkes Zweckel

Martin Pogoreutz, Viktoria Horn und Günter Reinhart

Das Dampfwerk Zweckel erzeugt Prozessdampf für einen anliegenden Chemiebetrieb. AE&E Austria wurde vom Betreiber beauftragt, eine Modernisierung der Anlage durchzuführen mit dem Ziel, die brennstoffbedingt verringerte Kesselleistung unter gleichzeitiger Einhaltung der gültigen Emissionsgrenzwerte auf die Auslegungskessellast zu erhöhen. Die umgesetzten Ertüchtigungsmaßnahmen beinhalten den Austausch der Brenner, eine Erweiterung der Elektrofilteranlage sowie Umbauten an der SNCR-Anlage und den Rauchgaskanälen.

Betriebsflexibilität von GuD-Kraftwerken: Ein Schlüssel zur optimierten Netzeinbindung erneuerbarer Energieerzeugung

Lothar Balling, Ulrich Tomschi, Andreas Pickard und Gero Meinecke

Die diskontinuierliche Verfügbarkeit von Stromerzeugungskapazitäten aus erneuerbaren Energiequellen stellt eine Herausforderung für die Netzstabilität dar. Daher steigen die Anforderungen an die Betriebsflexibilität und die schnelle Lastregelung fossil befeuerter Kraftwerke. Heute liegt ein Schwerpunkt der Entwicklung von neuen Kraftwerken auf der Betriebsflexibilität. Durch die Integration modernster Technologien und einer revolutionären Optimierung des Anfahrprozesses konnte Siemens hoch flexible GuD-Kraftwerke in Betrieb setzen, die zur Forderung eines Beitrags zur Netzstabilität erheblich beitragen.

Geräuschquellen und Möglichkeiten der Geräuschminderung an Rauchgasreinigungsanlagen

Dirk Hinkelmann

Bei den derzeit in der Planung befindlichen Großkraftwerken spielen effiziente Geräuschminderungsmaßnahmen eine immer größere Rolle, weil die Immissionsanforderungen an neue Kraftwerksblöcke immer höher werden. Bei Kohlekraftwerken sind Hauptgeräuschquellen Komponenten der Rauchgasreinigung. Mithilfe detaillierter Kenntnisse über die Hauptgeräuschquellen, die Schallausbreitungs- und Schallabstrahlmechanismen sowie die Wirksamkeit von Geräuschminderungsmaßnahmen kann in der schalltechnischen Detailplanungsphase der Schallschutz unter Berücksichtigung von technischen und monetären Aspekten exakt ausgelegt werden.

Kurzbericht über die Tätigkeit des VGB PowerTech e.V. 2009/2010

Karl A. Theis

VGB PowerTech e.V., kurz VGB, gegründet im Jahr 1920, ist der europäische technische Fachverband der Strom- und Wärmeerzeugung. Die in diesem Bericht zusammengefasste Arbeit von VGB im 90. Jahr seines Bestehens lebt wesentlich von den Unterstützern und Mitarbeitern in den Unternehmen und der Geschäftsstelle, die z.B. die Ausschusstätigkeiten der vier Competence Center "Kernkraftwerke", "Fossil befeuerte Kraftwerke", "Erneuerbare Energien und Dezentrale Erzeugung" und "Umwelttechnik, Chemie, Sicherheit und Gesundheit" leiten und betreuen. Bei der Kraftwerksforschung bringt sich VGB über die VGB-Forschungsstiftung ein und fördert wichtige Themen aus Mitteln der fördernden Unternehmen. Zusätzlich zu diesen Arbeiten veranstaltet VGB Seminare, Fachtagungen, Konferenzen und den jährlich stattfindenden Kongress "Kraftwerke". Diese Tagungen sind weitere Plattformen des internationalen Erfahrungsaustausches - und nicht zuletzt auch diese Fachzeitschrift.