Kurzfassungen - VGB PowerTech Journal 10/2012

Berücksichtigung von Netzstabilitätsaspekten bei der Planung von Offshore-Windparks

Holger Wrede

Die in konventionellen Übertragungs- und Verteilnetzen zur Ausregelung von Leistungsungleichgewichten genutzten physikalischen Prinzipien können bei Offshore-Windparks mit Hochspannungs-Gleichstromübertragung und vollständiger Netzentkoppelung über einen Frequenzumrichter nicht genutzt werden. Zudem sind bei einem größeren Anteil netzparalleler Frequenzumrichter in einem Netz besondere Anforderungen an die Auslegung und Regelung dieser Umrichter zu stellen. Aufgrund fehlender Festlegungen für den Netzbetrieb von Offshore-Windparks hinter einer Hochspannungs-Gleichstromübertragung besteht dringender Handlungsbedarf für eine enge technische Abstimmung zwischen allen Beteiligten.

Bestimmung und Nachweis der Regelgüte für verschiedene Typen von Kraftwerken

Nataliya Knierim-Dietz, Lutz Hanel und Joachim Lehner

Eine hohe Regelgüte gewährleistet einen sicheren flexiblen, wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Kraftwerksbetrieb. Anforderungen an die Regelgüte in konventionellen Kraftwerksanlagen sind bisher noch nicht einheitlich definiert. Eine indikatorenbasierte Methodik zur systematischen Auswertung der Regelgüte von Kraftwerken wird vorgestellt, welche im Rahmen des VGB-Forschungsprojekts „Bestimmung und Nachweis der Regelgüte für verschiedene Typen von Kraftwerksanlagen“ erarbeitet wurde. Die Studie wurde von Kraftwerksbetreibern fachlich begleitet und ihre Anwendbarkeit anhand von Messdaten aus dem Kraftwerksbetrieb gezeigt.

Vorstellung Anlagenkonzept Andasol 3 - Anforderungen an Elektro- und Leittechnik

Frank Dinter und Manfred Steinbach

Im Zuge der Entwicklung modernster Kraftwerkstechnik wurde das im spanischen Aldeire/La Caloharra gelegene solarthermische Kraftwerk Andasol 3 im Herbst 2011 in Betrieb genommen. Andasol 3 ist, wie die benachbart gelegenen Anlagen Andasol 1&2, ein Parabolrinnenkraftwerk mit einer Leistung von 50 MW und einem thermischen Speicher mit einer Kapazität von 7,5 Volllaststunden. Konzeption und Technik der Anlage, unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen an die Elektro- und Leittechnik, werden vorgestellt. Die Leittechnik besteht aufgtund der speziellen Funktionseinheiten des Solarkraftwerks aus mehreren Einzelleittechniken, die in einer Hauptleittechnik zusammengefasst sind.

Funktionale Sicherheit im Betrieb der Anlage - SIL

Günter Dirding

Aufgrund der Anforderungen aus den neuen und harmonisierten europäischen Regelwerken wird der Prozess „Management der funktionalen Sicherheit“ definiert. Hiermit werden die zu erfüllenden Rahmenbedingungen für den gesamten Lebenszyklus von elektrischen, elektronischen und programmierbar elektronischen Systemen (E/E/PES) als Sicherheitseinrichtungen beschrieben. Ein Überblick wird gegeben, wie mit diesen Anforderungen, z.B. Gültigkeit von SIL-Zertifikaten, Anwendungs- bzw. Nutzungszeiträume von Geräten in sicherheitstechnischen Funktionen, Alterungsmanagement von Leitsystemen sowie auch der Umsetzung von LT-Retrofits umgegangen werden kann.

Prozessgüteoptimierung: Konzepte, Erfolgsfaktoren, Erfahrungen

Alexander Voskrebenzev und Jürgen Brandt

Die systematische Optimierung der Prozesswirkungsgrade in fossil gefeuerten Kraftwerken stellt einen signifikanten Werthebel dar. Neben den anlagentechnischen Retrofitmaßnahmen kann eine weitere Verbesserung der Anlagennutzungsgrade durch systematische Überwachung und Analyse von wirkungsgradrelevanten und oft anlagenindividuellen Prozesskenngrößen erreicht werden. Für die fossil gefeuerten Kraftwerke der RWE Power wurde ein geeignetes Konzept entwickelt. Als Systemlösung wurde die Software SR::EPOS der Steag Energy Services GmbH zur Erprobung in den Pilotblöcken ausgewählt.

IT-Sicherheitsbetrachtung für die leittechnische Anlage des GT-HKW Nossener Brücke in Dresden

Martin Mallon und Philippe A.R. Schaeffer

Die Drewag Stadtwerke Dresden GmbH betreibt das Gasturbinenheizkraftwerk Nossener Brücke. Zur Sicherstellung der hohen Verfügbarkeit der Anlage wurde eine IT-Sicherheitsbetrachtung der leittechnischen Systeme durchgeführt. Maßnahmen zur Erhöhung der IT-Sicherheit wurden abgeleitet, die nach einer Risikobewertung und Umsetzbarkeitsprüfung realisiert wurden. Zur langfristigen Gewährleistung und Verbesserung der IT-Sicherheit wird auf der Basis der Projekterfahrung ein PDCA-Zyklus integriert.

Erstellung eines Datenbanksystems für die Richtlinien des VGB-Arbeitskreises Anlagenkennzeichnung und Dokumentation

Harry Königstein, Jörg Kaiser und Michael Schuhmacher

Die Richtlinienarbeit im Rahmen der Erstellung und Revision von VGB-Standards des VGB-Arbeitskreises Anlagenkennzeichnung und Dokumentation soll zukünftig für Anwender benutzerfreundlicher angeboten werden. Eine datenbankgestützte IT-Lösung soll dabei die grundsätzlichen Forderungen erfüllen. Seit 2011 wird an einem Datenbankprojekt gearbeitet, in dessen Rahmen ein Projektteam ein Lastenheft entwickelt. Dieses wird die Grundlage für die weitere Umsetzung des Projektes bilden.
Feuerungstechnische Optimierung an einem Braunkohledampferzeuger
Daniel Sommer, Piotr Olkowski, Dieter Rüsenberg und Heinz-Jürgen Wüllenweber
Im Kraftwerk Niederaußem werden neben dem 1.000-MW-Block „BoA1“ zwei 600- und vier 300-MW-Blöcke zur Stromerzeugung aus Rheinischer Braunkohle betrieben. Aufgrund der aktuellen Marktentwicklungen sind in der Revision Block G 2011 umfangreiche Arbeiten an der gesamten Anlage durchgeführt worden. Vorgestellt wird der konstruktive Umbau der Feuerung am 600-MW-Block G und die anschließende verfahrenstechnische Anpassung und Optimierung des Dampferzeugers. Das Konzept für den Umbau sowie die Ist-Situation nach der feuerungstechnischen Optimierung werden dargestellt, miteinander verglichen und abschließend bewertet.

Experimentelle Untersuchungen zum Einfluss verschiedener Parameter auf die Performance von SCR-DeNOx-Katalysatoren

Melanie Hilber und Harald Thorwarth

Die aktuellen Marktentwicklungen bei der Stromerzeugung in Deutschland beeinflussen das Erzeugungsportfolio und das Lastprofil der Kohlekraftwerke, wobei Flexibilisierung und Teillastbetrieb zunehmend an Bedeutung gewinnen. In diesem Zusammenhang ist das Betriebsverhalten von SCR-DeNOx-Anlagen sowohl im Volllast- wie auch im Teillastbetrieb von besonderem Interesse. Die EnBW Kraftwerke AG hat daher einen Katalysatorenprüfstand für Untersuchungen unter variablen Betriebsbedingungen installiert. Aufbau und der Betrieb der Mikroreaktoranlage erfolgen nach VGB-R 302. Erste Ergebnisse von Parameteruntersuchungen, welche an dem Mikroreaktor durchgeführt wurden, werden vorgestellt.

Bewertung der Verlässlichkeit von Vorhersagen eines 3D-CFD Modells für SCR-DeNOx-Katalysatoren

Benedetto Risio

Präsentiert wird ein Modellansatz für die mathematische Beschreibung der physikalisch/chemischen Prozesse in SCR-Katalysatoren. Dieser Modell­ansatz ist in eine 3D-CFD Simulationsumgebung eingebettet. Eingesetzt wurde das 3D-Kesselsimulationsprogramm RECOM-AIOLOS. Die Verlässlichkeit der Vorhersagen des 3D-CFD-Katalysatormodells wurde mit Messdaten aus Großanlagen validiert und zeigen eine ausreichend genaue Übereinstimmung der vorhergesagten Entstickungsleistung, Quecksilberoxidation und SO2/SO3-Konversion für die Auswahl unterschiedlicher Betriebsbedingungen, die während der Messkampagnen betrachtet wurden.

Aktuelle Herausforderungen und Stand der Braunkohlesanierung

Grit Uhlig

Die Braunkohlenindustrie auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wurde seit der Wiedervereinigung 1990 tief greifend umstrukturiert. Dieser Prozess hat im Lausitzer und mitteldeutschen Revier zu einem positiven Wandel beigetragen. Die Sanierung von bergbaulichen Flächen sowie die Wiederherstellung eines sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushalts wird daher oft als größte Landschaftsbaustelle Europas bezeichnet. Die verbleibenden Aufgaben bei der Wiedernutzbarmachung der bergbaulich beanspruchten Flächen sind weiterhin mit vielfältigen technischen und ökologischen Herausforderungen verbunden.