Ausgabe - VGB PowerTech Journal 10/2014

Dampfturbinenanlage Boxberg R – Erfahrungen bei der Projektabwicklung und Ergebnisse

Udo Klauke, Marco Redieß und Jens Molsen

Die Vattenfall Europe Generation AG errichtete am Kraftwerksstandort Boxberg im Bundesland Sachsen einen 675-MW-Braunkohleblock mit überkritischen Dampfparametern. Der neue Kraftwerksblock mit einem Nettowirkungsgrad von mehr als 43,7 % im Auslegungspunkt ist als Erweiterung des Braunkohlekraftwerkes Boxberg zur effizienten, sicheren und flexiblen Grundlastversorgung vorgesehen. Zu ausgewählten Problemen und Ereignissen in der Inbetriebnahmephase des Blockes werden Erfahrungen für die Turbinenanlage vorgestellt und Aussagen zum bisherigen Betriebsverhalten gemacht.

Betrieb von Kraftwerken – Ergebnisse und Erfahrungen bei Wartungsintervallen und -strategien in Bezug auf Hochdruckarmaturen der Turbogruppe

Frank Biesinger, Kristian Enste und Johanna Steinbock

Das Kraftwerk Leininger 5, betrieben von GDF SUEZ Energie Deutschland AG, ist ein Steinkohlekraftwerk mit 472 MW in Zolling. Hier wurden im Jahr 2011 rissartige Anzeigen an der inneren Oberfläche der Frischdampfventile nachgewiesen. Um die Größe der Anzeigen zu klären, wurden Phased-Array-Inspektionen an den Gehäusen durch den OEM durchgeführt. Die Befunde lagen in erster Linie an den Wirbelbrechern und an den Übergangsradien von der Ventilkammer zum Diffusorsitz. Zwei Wiederholungsprüfungen in 2011 und 2013 zeigten keine messbare Veränderung. Der Anlagenbetreiber beauftragte den OEM, die Risse in den Ventilkörpern zu beurteilen und zog die TÜV SÜD Industrie Service GmbH als unabhängigen Gutachter hinzu.

Sicherer Umgang mit Varnishbildung in Turbinenölsystemen

Jens Steidtner

Ein häufiges Problem moderner Turbinenanlagen ist die Varnishbildung in den Schmier-und Steuerölkreisläufen. Die Gründe liegen im wirkungsgradoptimierten Design der Anlagen mitgestiegener thermischer Belastung der Ölfüllungen und dem spezifischen Alterungsverhalten moderner Turbinenöle. Varnishbeläge können Funktionsstörungen von Ventilen oder eine verringerte Kühlleistung von Wärmetauschern verursachen. Anlagen mit hohem Varnishpotenzial erfordern ein proaktives Turbinenölmanagement, welches hilft, kritische Betriebszustände frühzeitig zu erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Verfahrens- und Komponentenentwicklung für die WTA-TrocknungstechnikEin Überblick über die Entwicklungsarbeiten bis zur kommerziellen Einsatzreife

Hans-Joachim Klutz, Ditmar Block und Reinhold Elsen

Für alle industriellen Nutzungsprozesse muss Braunkohle aufbereitet und getrocknet werden. Um diesen Verfahrensschritt energetisch und wirtschaftlich möglichst effizient durchzuführen, hat RWE Power die WTA-Technik in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt, wobei insbesondere das Qualitätsspektrum der einsetzbaren Kohlen erweitert wurde. Ein Überblick der durchgeführten Arbeiten wird gegeben, insbesondere zu Kohleaufbereitung, Wirbelschichttrocknung und energetischer Brüdennutzung. Zudem werden unterschiedliche Verfahrensvarianten vorgestellt, mit denen die WTA-Technik optimal in den jeweiligen industriellen Kohlenutzungsprozess eingebunden werden kann.

Das Projekt „Charbon 2035“: Ertüchtigung der Rauchgasreinigung

Muriel Waret

Mit „Charbon 2035“ wird das Projekt zur Ertüchtigung der drei Kohlekraftwerke Le Havre 4, Cordemais 4 and Cordemais 5 bezeichnet. Die Effizienz der bestehenden Anlagen wird im Rahmen dieses Vorhabens erhöht, die Kraftwerke werden für eine Betriebszeit bis zum Jahr 2035 technisch nachgerüstet sowie hinsichtlich der Emissionen nach den entsprechenden zukünftigen Grenzwerten ausgelegt. Dazu werden die Einrichtungen der Rauchgasreinigung umfassend neu konzipiert. Vorgestellt werden die neuen Komponenten zur Luftvorwärmung, die Elektrofilter sowie die Rauchgasentschwefelungsanlage. Die Arbeiten zu diesem Projekt laufen und sollen im Jahr 2016 abgeschlossen werden.

Erfahrungen bei ESKOM mit der Konstruktion und dem Bau von nassen Rauchgasentschwefelungsanlagen

Keketsi Ramahali

Eskom, der größte Energieversorger in Afrika, hat ein Programm zur Erweiterung der Kapazitäten gestartet, um die Energiereserven zu erhöhen. Medupi und Kusile, die beiden neuesten kohlebefeuerten Kraftwerke von Eskom befinden sich derzeit in Bau. Infolge der Einführung strengerer Grenzwerte für gasförmige Emissionen durch die südafrikanischen Umweltbehörden werden beide Kraftwerke mit nassen Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA) ausgerüstet, um die Grenzwerte für SO2-Emissionen einzuhalten. Medupi wird mit einer nassen REA nachgerüstet, während Kusile bereits mit einer nassen REA gebaut wird.

Einsatz von SMPS für höhere Elektrofilter-Abscheideleistungen und geänderte Betriebsbedingungen – Testergebnisse

Sebastian Kemper und Michael Kloeckner

Aufgrund geänderter Betriebsbedingungen wird häufig eine Leistungssteigerung der Filterabscheidung für Kraftwerksrauchgase erforderlich. Wurde mit entsprechenden Optimierungsmaßnahmen die Leistungsgrenze der Filterabscheidung bereits erreicht, besteht die Möglichkeit, durch Nutzung der heute verfügbaren IGBT(Insulated Gate Bipolar Transistor) halbleitergesteuerten Hochspannungsversorgung, die Abscheideleistung des Elektrofilters weiter zu erhöhen.

Pilotanlagenversuche zur Untersuchung des CO2 Post-Combustion Prozesses am Kraftwerk Dürnrohr

Markus Rabensteiner, Gerald Kinger, Martin Koller und Christoph Hochenauer

2010 wurde eine PCC-Versuchsanlage (Post Combustion Capture) für CO2 am EVN-Kohlekraftwerk Dürnrohr (Österreich) in Betrieb genommen. Durch das Verwenden von Kraftwerksrauchgas und den industrienahen Abmessungen der Versuchsanlage sind realitätsnahe Messbedingungen gegeben. Neben dem Standard-Waschmittel Monoethanolamin wurden auch Piperazin und Ethylendiamin sowie eine Mischung von Kaliumcarbonat und Piperazin untersucht.

Zustandsanalyse und Konzepte für eine Betriebszeitverlängerung von Windkraftanlagen

Thomas Korzeniewski

Der Grundstein für den Ausbau der Windenergie in Deutschland wurde schon zu Beginn der 1990er Jahre gelegt. Somit erreichen heute bereits die ersten Windenergieanlagen (WEA) ihre zulässige Auslegungslebensdauer. Damals wie heute wurden WEA für einen Betrieb von 20 Jahren ausgelegt. Da es auch schon in den 1990er Jahren zuverlässige WEA-Typen gab, ist es technisch und wirtschaftlich sinnvoll sich Gedanken über den Weiterbetrieb dieser zu machen. Besonders interessant werden die installierten WEA zu Beginn der 2000er Jahre sein, die durchaus dem heutigen Stand der Technik entsprechen.

Wesentliche Aspekte in Verträgen zur Errichtung von Rauchgasreinigungsanlagen – Minimierung der Projektrisiken durch die richtige Vertragsgestaltung

Bettina Geisseler

Anlagenbauverträge zur Errichtung von Rauchgasreinigungsanlagen (RGR-Anlagen) sind komplex. Der Beitrag zeigt Möglichkeiten auf, welche Regelungen Auftraggeber in den Vertrag hereinverhandeln sollten, um sich gegen verspätete und schlechte Leistungserbringung durch den Unternehmer zu schützen. Auf der anderen Seite wird aufgezeigt, worauf Auftragnehmer achten sollten, um bei unvorhersehbaren Ereignissen ihre angemessenen Ansprüche vertraglich zu berücksichtigen und das Haftungsrisiko auf ein wirtschaftlich vertretbares Maß zu reduzieren.

Zukunftssicherung im Lausitzer Revier

Gert Klocek und Wolfgang Ketzmer

Mit der Zukunftssicherung im Lausitzer Revier verbinden sich für das Unternehmen eine Reihe von Maßnahmen und Aktivitäten. So wird durch Großprojekte, wie z. B. der Verlegung der Betriebs- und Tagesanlagen Welzow-Süd, eine kontinuierliche und langfristige Tagebauentwicklung gesichert. Mit dem Kraftwerksprogramm „flexGen“ zur weiteren Flexibilitätssteigerung stellen sich die Braunkohlenkraftwerke des Unternehmens noch besser auf die mit der Energiewende verbundenen Anforderungen ein. Den politischen und gesellschaftlichen Rahmen für die Entwicklung bilden die Klima- und Energieprogramme bzw. -strategien der Bundesländer Sachsen und Brandenburg.

Die bergbauliche und wasserwirtschaftliche Sanierung im mitteldeutschen Revier

Eckhard Scholz

Anhand von Beispielen aus dem mitteldeutschen Revier wird über den Stand der Braunkohlesanierung und die aktuellen neuen Herausforderungen zur Herstellung der öffentlichen Sicherheit informiert. Ausblickend kann eingeschätzt werden, dass in beiden Revieren der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) die Braunkohlesanierung auf einem hohen technischen Niveau umgesetzt wird, weit vorangeschritten ist und immer noch regional eine hohe Beschäftigungswirkung hat. Der Umgestaltungsprozess der Bergbaufolgelandschaft wird als Teamarbeit zwischen allen Beteiligten verstanden. Das Kerngeschäft verlagert sich zunehmend auf die wasserwirtschaftliche Sanierung.