Kurzfassungen - VGB PowerTech Journal 12/2009

VGB-Kongress "Kraftwerke 2009"

Der VGB-Kongress "Kraftwerke 2009" fand vom 23. bis 25. September 2009 unter dem Leitthema "Addressing Climate Change - Winning Public Acceptance Through Advanced Technologies" in Lyon/Frankreich statt. Fast 1.300 Teilnehmer nutzten in den Plenar- und den Fachveranstaltungen die Gelegenheit zur Information und Diskussion über aktuelle Themen der Strom- und Wärmeerzeugung. Vorgestellt wurden Ergebnisse einer Projektion von VGB, die für die EU-27 bis zum Jahr 2020 rund 475.000 MW an neu zu errichtender Kraftwerkskapazität aufzeigt. Spezifische Beiträge setzen sich mit weiteren Schwerpunkten auseinander. Ein umfangreiches Rahmenprogramm und Technische Besichtigungen rundeten das Kongressangebot ab.

VGB PowerTech: Kongressbericht, Eröffnungsrede von Prof. Dr. Gerd Jäger

Das europäische Netz - Status und Perspektiven

Dominique Maillard

Das europäische Stromnetz muss ausgebaut und modernisiert werden, um vor allem die stochastische Einspeisung der erneuerbaren Energien in die bestehenden Systeme zu ermöglichen. Während die Netzbetreiber dazu entsprechende Projekte initiieren, zeigt sich das Problem einer mangelnden Akzeptanz für diese Vorhaben. Die Netzbetreiber fördern daher u.a. neue intelligente Netzsysteme, um so die Akzeptanz der notwendigen großtechnischen Infrastruktur zu fördern. Transparenz und der Dialog sind weitere wichtige Aspakte.

Status und Perspektiven des Stromerzeugungsmixes in Frankreich

Yves Giraud und Bernard Dupraz

Der aktuelle französische Energiemix ist die Konsequenz aus den Ölpreiskrisen von 1973 und 1979. So werden heute 90 % der Stromerzeugung in Frankreich aus Kernenergie und Wasserkraft - also bereits CO2-frei - erzeugt. Frankreich kann damit auf die geringsten Treibhausgasemissionen in Europa verweisen. Für die Zukunft hat Frankreich weitere ehrgeizige energiepolitische Ziele im Hinblick auf eine weitere Senkung der CO2-Emissionen durch den Einsatz der Erneuerbaren und der Kernenergie.

Akzeptanzaspekte der Kernenergie weltweit

Luc H. Geraets und Yves A. Crommelynck

Status und die Tendenzen der Renaissance der Kernenergie in Europa und international werden zusammengefasst. Die Entwicklung der öffentlichen Meinung zur Kernenergie im letzten Jahrzehnt spielt dabei eine wichtige Rolle. Diese hat sich von einer deutlichen Skepsis gegenüber der Kernenergie in eine vorsichtige Akzeptanz entwickelt. Wichtig für die weitere Entwicklung der Akzeptanz der Kernenergie werden dabei Transparenz und offene Kommunikation sein.

CCS: Fossile Energieerzeugung im Zeichen des Klimawandels

Daniel Hofmann und Holger Zimmermann

Ein verbesserter CO2-Abscheidungsprozess für kohlegefeuerte Kraftwerke mit minimiertem Energiebedarf und optimierter Integration in das Kraftwerk wird bei Siemens entwickelt. Dieser Post-combustion-Prozess kann sowohl bei Neuanlagen als auch bei der Nachrüstung vorhandener Anlagen zum Einsatz kommen. Der Abscheideprozess wird seit September 2009 in einer Pilotanlage an einem E.ON-Kraftwerk in Deutschland getestet. Diese Pilotanlage ist Teil der E.ON Post-combustion-Innovationsstrategie.

Post-Combustion Capture Plants - Concepts and Plant Integration

Wolfgang Schreier, Gustaaf Boon und Vanessa Kubacz

Amin-basierte Post-Combustion-Verfahren sind eine Option zur Abscheidung von CO2 aus Kraftwerksprozessen, um die spezifischen CO2-Emissionen auf Werte < 100 g/kWhel zu senken. Hitachi Power Europe (HPE) hat dazu eine mobile Testanlage gebaut, um die Einsatzmöglichkeiten dieses Verfahrens an verschiedenen Standorten seiner Kooperationspartner Electrabel/GDF Suez und E.ON zu testen. HPE setzt dabei unterschiedliche Amin-basierte Lösungsmittel ein, um Strategien zu Kostenminimierung zu entwickweln.

Die europäische Stromversorgung: Neue Gesetze, neue Perspektiven bis 2050

Hans ten Berge

Die beiden in diesem Jahr verabschiedeten europäischen Rechtsvorschriften für den Energiesektor - das 3. Energiebinnenmarktpaket und das Klima-Energie-Paket - bieten willkommene Fortschritte im Hinblick auf die Schaffung eines europäischen Energiebinnenmarktes und das Setzen von Zielen und Rahmenbedingungen für den Einsatz klimafreundlicher, kohlenstoffarmer Stromerzeugungstechnologien. Wichtig ist die einheitliche Umsetzung dieser Rechtsvorschriften in den Mitgliedsstaaten. Die EURELECTRIC Power Choices Studie hat dabei gezeigt, eine sichere und kohlenstoffneutrale Energieversorgung in Europa bis zur Mitte des Jahrhunderts zu angemessenen Kosten für Wirtschaft und Gesellschaft zu erreichen.

Polen auf dem Weg in eine emissionsfreie Zukunft - Ein Jahr Erfahrung

Christian Patterer, Harald Reissner, Antoni Korus und Janusz Mojzeszek

Polens Energieversorgung wird aufgrund seiner umfangreichen Steinkohlevorkommen hauptsächlich durch thermische Kraftwerke gesichert. Zur Optimierung des Umweltschutzes hat sich Elektronwnia Rybnik S.A., Teil der international tätigen Électricité de France S.A. (EDF-Gruppe) dazu entschlossen, eine nasse Rauchgasentschwefelungsanlage (REA) für Teile seines Kraftwerks zu installieren. AE&E Austria GmbH & Co KG (AE&E) hat in enger Zusammenarbeit mit Polimex Mostostal S.A, Polens größtem Anlagenbauer, die REA konstruiert und errichtet.

Chancen und Hindernisse für den Einsatz von sauberen Technologien zur Stromerzeugung unter Einschluss fossiler Brennstoffe - Eine globale Perspektive

Franz Bauer

Die Bewältigung der Herausforderungen des Klimaschutzes wird entscheidend für die künftige Entwicklung sein. Die Versorgung mit Energie ist der Schlüssel für künftigen Wohlstand und soziale Ausgewogenheit. Klimaschutz, Schonung der Ressourcen und Versorgung mit Energie sind Themen von globaler Relevanz. Für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung mit Strom sind drei Themenblöcke von besonderem Interesse: die Notwendigkeit eines ausgewogenen Brennstoffportfolios mit den Fossilen als wichtiger Teil; der Zugang zu den entsprechenden Technologien und die effiziente Nutzung unserer begrenzten Primärenergie-Ressourcen einschließlich der Nutzung von Erneuerbaren.

GuD-Anlagen in der Prozess- und Fernwärmeversorgung: Anforderungen, Anlagenkonzepte und Betriebserfahrungen

Klaus Schippers und Thomas Gilg

Seit den Anfängen in den siebziger Jahren haben sich GuD-Anlagen als Kraftwerkstechnologie für die industrielle und kommunale Prozess- und Fernwärmeversorgung durchgesetzt. Vier GuD-Anlagen in Ludwigshafen, Rüsselsheim, Dormagen und München werden mit ihren Anforderungen und den darauf zugeschnittenen Anlagenkonzepten vorgestellt. Die Betriebserfahrungen zeigen, dass sich diese Kraftwerkstechnologie für die Strom- und Wärmeversorgung zwar im Wesentlichen bewährt hat, aber weiterhin noch viel Detailarbeit hinsichtlich Schwachstellenbeseitigung, Weiterentwicklung und Optimierung sowie Lebensdauerverlängerung zu leisten ist.

Filterkonzepte für Gasturbinen - Übersicht und Praxisbericht zur Nutzwerterhöhung mit dreistufiger Filtration

Heiko Manstein und Andreas Rothmann

Effiziente Luftfiltration und ihr Beitrag zum wirtschaftlichen Betrieb von Gasturbinen bieten ein breites Feld für stetige Weiterentwicklung. Der Nutzwert dreistufiger, hocheffizienter Filtersysteme für Gasturbinen-Ansaugsysteme wurde in einer Vorgängerveröffentlichung mit grundlegenden Betrachtungen vorgestellt. Erfahrungen aus implementierten mehrstufigen Systemen belegen die Anwendbarkeit auf die derzeit gängigen statisch betriebenen Filtersysteme. Anlagenverfügbarkeiten können deutlich erhöht und zusätzliche Betriebskosten verringert werden.

Brandschutz in geschlossenen Kohlekreislagern

Ulrich Fischer und Carsten Scholz

Geschlossene Kohlekreislager benötigen hinsichtlich ihrer hohen Brandlast als auch hinsichtlich der Gefahren einer Selbst- oder Fremdentzündung besondere Brandschutzvorkehrungen. Für das neu errichtete Kreislager des Kraftwerkes Staudinger wird der eventuelle Eintrag von Brandquellen durch organisatorische, örtliche, technische und bauliche Maßnahmen verhindert. Eine mögliche Selbstentzündung wird überwacht. Mit geeigneten Systemen wird der Gefahr kritischer Situationen vorgebeugt.

Brandschutz bei Neubaukonzepten und -projekten aus Sicht eines Versicherers

Jörg Ohlsen

In den letzten Jahrzehnten haben sich veränderte Anforderungen an die Schadenverhütung der Versicherer entwickelt. Neben den Brandschutzkonzepten und Risikophilosophien der Ursprungsmärkte sind heute alle regional und historisch gewachsenen Brandschutzphilosophien zu bewerten. Im Rahmen von Brandschutzkonzepten für Neubauten wird häufig auf das mit den Behörden abgestimmte Brandschutzkonzept verwiesen, die Notwendigkeit der Abstimmung mit dem Sachversicherer allerdings infrage gestellt. Dabei werden allerdings zwei unterschiedliche Schutzziele verfolgt: Personenschutz bei den Behörden und Sachwertschutz und die Vermeidung von Schäden infolge Betriebsunterbrechungen bei den Versicherern.

Im Notfall richtig reagieren und Risiken beherrschen - Schadenminderung in der Praxis

Hans-Peter Wollner

Auch die beste Schadenprävention kann nur die Eintrittswahrscheinlichkeit von Schadenfällen reduzieren, ein 100 %-Schutz gegen unvorhersehbare Ereignisse ist nicht möglich. Eine umgehende Einleitung qualifizierter Sofortmaßnahmen nach einem Brandschadenereignis dämmt einen Schadenfortschritt wirksam ein. Anlagen können häufig durch Sanierungsmaßnahmen komplett wiederhergestellt werden. Selbst komplexe elektronische Steuerungen sind mit erprobten und anerkannten Sanierungsverfahren zu retten. Um im Ernstfall schnell Entscheidungen über die nächsten Schritte treffen zu können, sollten Unternehmen zudem auf Schadenfälle vorbereitet sein.

Experimentelle Untersuchung des Rücksprühens in Elektrofiltern

Muhammad Majid, Muhammad Tahir Mughal, Helmut Wiggers und Peter Walzel

Experimente mit einer Platten-Platten-Staubwiderstandsmessanlage wurden durchgeführt, um den spezifischen Staubwiderstand von Kraftwerksstaubproben zu bestimmen. Die Ergebnisse der Experimente zeigen einen vernachlässigbaren Unterschied im Staubwiderstand bei hohen und einen nennenswerten Unterschied bei geringen Temperaturen. Um das Rücksprühen zu vermeiden, ist eine Erniedrigung des maximalen Stromflusses durch Steuerung der Spannung erforderlich.