Kurzfassungen - VGB PowerTech Journal 12/2010

VGB-Kongress Kraftwerke 2010: Renewables, Nuclear, Coal and Gas - Technologies for a Low Carbon Future

Der VGB-Kongress "Kraftwerke 2010" fand vom 22. bis 24. September 2010 unter dem Leitthema "Renewables, Nuclear, Coal and Gas - Technologies for a Low Carbon Future" in Essen/Deutschland statt. Rund 1.300 Experten aus 30 Ländern nutzten diesen größten europäischen Fachkongress der Strom- und Wärmeerzeugung zur Information und Diskussion über aktuelle Themen. In einer Vielzahl von Vorträgen und Foren hatten die Teilnehmer aus aller Welt die Chance, über die Umsetzung der ambitionierten Ansprüche aus Gesellschaft und Politik an eine zukünftige Stromversorgung zu diskutieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem massiven Ausbau der regenerativen Energien und der Umsetzung einer möglichst CO2-freien Stromerzeugung.

90 Jahre VGB - Praktische Vernunft in einer technischen Kultur

Carl Friedrich Gethmann

Festrede anlässlich des VGB-Kongresses "Kraftwerke 2010" und des 90-jährigen Bestehens von VGB.

Überlegungen zur praktischen Vernunft in einer technischen Kultur sind ethische Überlegungen. Es muss erkannt werden, dass die moderne Technik neue Typen von Konflikten beschert hat: eine verschärfte Situation des Handelns unter Unsicherheit, eine Verschärfung der Probleme der Ungleichheit der Verteilung. Um mit diesen neuen Problemen fertig zu werden, wird keine neue Ethik benötigt, sondern eine ethische Reflexion auf diese neuen Probleme.

Die Bedeutung der Weiterbildung in Zeiten des demografischen Wandels am Beispiel der Energiewirtschaft

Marcus Schmitz

Die demografische Entwicklung in Deutschland hat Auswirkungen auf die Wirtschaft. Vor allem das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften wird sich verändern. Unternehmen sind daher gut beraten, solche Auswirkungen im Vorfeld zu antizipieren und ihre Personalstrategien zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Ziel ist es, über Fach- und Führungskräfte sowohl quantitativ als auch qualitativ entsprechend dem Bedarf zu verfügen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Weiterbildung. Die Bedeutung dieses Handlungsfeldes kann vor allem in der Energiewirtschaft nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Humankapital als Multiplikator für den Unternehmenswert

Manfred Bornemann

Humankapital ist als Schlagwort für eine wesentliche Ressource im Wettbewerb etabliert. Anhand von konkreten Beispielen wird thematisiert, wie Wissen von Mitarbeitern in Wertschöpfungsprozesse einfließt und wie der Status quo relativ zu den strategischen Anforderungen bewertet und entwickelt werden kann. Humankapital ist dabei der stärkste Hebel in der Umsetzung von Maßnahmen zur Unternehmensentwicklung und zur Erreichung der unternehmerischen Ziele.

Wissensmanagement - Erhalt und Pflege des impliziten Wissens im Unternehmen

Ulrich Schmidt

Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG agiert in einem stetig komplexer werdenden wirtschaftlichen und politischen Umfeld. In Verbindung mit den Wachstumszielen ergibt sich hieraus die Notwendigkeit, Potenziale bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu aktivieren sowie deren Kompetenzen weiter auszubauen. Das "intellektuelle Kapital" der EnBW wird so zu einem zentralen Erfolgsfaktor und konsequent gelebtes Wissensmanagement zum Schlüssel für die nachhaltige Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

E-Learning - Jetzt und in Zukunft

Silvana Gelbke

Neue Technologien revolutionieren die Art und Weise Informationen zu verarbeiten, Wissen auszutauschen und zu lernen. Der Begriff "E-Learning" wird dabei unterschiedlich definiert und die unterschiedlichen Definitionen spiegeln sich in der Umsetzung wider. Für Unternehmen und Bildungsträger sollte es Ziel sein, Wissensmotor zu werden und die Verknüpfung beim Lernen weiter voranzutreiben. Dazu ist es erforderlich, Plattformen zu bieten, die den freien Austausch und Aufbau von Wissen ermöglichen. Kursangebote mit E-Learning sind flexibel zu gestalten und individuell den Mitarbeitern anzupassen, um alte und neue Möglichkeiten miteinander verschmelzen zu lassen.

Passgenaue Weiterbildung - Flexibilität im Simulatortraining durch modulare Kurskonzepte

Katrin Sickora und Hans-Peter Cremer

Mit den unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der einzelnen am Simulator zu schulenden Mitarbeiter ergeben sich Voraussetzungen, die für eine erfolgreiche Schulung am Simulator berücksichtigt werden müssen. Dies bedeutet für das Simulatortraining, dass kein Simulatorkurs gleich sein kann. Daher hat die Kraftwerksschule - KWS Simulatorkursmodule entwickelt. Jedes Modul steht dabei entweder für ein klassisches technisches Schulungsthema oder für Inhalte aus dem Bereich der sogenannten "Soft skills". Durch Kombination mehrerer Module lassen sich Simulatorkurse damit exakt auf die Anforderungen eines jeden Kunden abstimmen.

Neue Möglichkeiten für Fernunterricht - Der virtuelle Hörsaal

Heinz Wiengarn

Lehren und Lernen im "virtuellen Hörsaal" bedeutet technische Lösungen bereitzustellen, um anspruchsvolle Vermittlungsprozesse durch technische Medien und als Fernunterricht zu leisten. Dazu wird aufgezeigt, wie sich die Wissensvermittlung und die Kommunikation über diesen Vermittlungsweg entfalten. Insbesondere geht es darum, die Herstellung und Verwendung zwischen Lehrenden und Lernenden im Fernunterricht zu demonstrieren. Darüber hinaus werden die Fragen nach Zielgruppen und sinnvollen Anwendungsgebieten aus Sicht der Kraftwerksschule, den unterschiedlichen Positionen zur Leistungsfähigkeit und didaktischen Fragen und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen behandelt.

Instandhaltung in der Windenergie - Status und Ausblick

Uwe Patzke und Klaus Pfeiffer

Die Rollen von Beteiligten in der Instandhaltung von Windkraftanlagen werden aufgezeigt und ein Überblick zu aktuellen Instandhaltungsfragen wird gegeben. Tendenzen auf dem Weg zur zuverlässigkeitsorientierten Instandhaltung sowohl organisatorischer Art als auch bei der Entwicklung spezieller Applikationen und Datenbanken werden aufgezeigt. Zu datenbankgestützten Systemen aus Onshore- und Offshore-Windparks werden erste Erfahrungen vorgestellt, die u.a. aus dem 2010 abgeschlossenen Förderprojekt "Erhöhung der Verfügbarkeit von Windenergieanlagen" stammen.

Dampfturbinen und CO2-Abscheidung

Jürgen Klebes, Sven Winter, Marinus Joormann und Brian Stöver

Amin-basierte CO2-Abscheideanlagen bzw. Post-combustion Carbon Capture Anlagen sind eine Option zur Abscheidung von Kohlendioxid aus Kraftwerksprozessen, um die spezifischen CO2-Emissionen zu senken. Diese, dem Kraftwerksprozess nachgeschalteten Anlagen, benötigen sehr viel Prozesswärme für die Regenerierung des Waschmittels. Zur Optimierung des Wirkungsgrades der Gesamtanlage wird dazu Prozessdampf aus der Dampfturbine ausgekoppelt. Dies bedingt unter Berücksichtigung von Parametern wie z.B. unterschiedlichen Lastbedingungen konstruktive Maßnahmen bei der Auslegung neuer Dampfturbinen bzw. Umbaumaßnahmen bei vorhandenen Turbinen.

Das EBS-Kraftwerk Heringen - Industriedampfversorgung aus Abfall

Harm-Peter Büchner

Industrielle Energieverbraucher mit einem größeren Bedarf an Strom und Dampf für ihre Produktionsprozesse gestalten ihre Energiekosten mit angestrebten langfristigen Perspektiven so günstig wie möglich. Am Werksstandort Heringen der Kali & Salz AG wurde bisher Erdgas in einem eigenen GuD-Kraftwerk als Hauptenergieträger eingesetzt. Zur Substitution wurde von E.ON Energy from Waste AG ein Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBS-Kraftwerk) mit einer Feuerungswärmeleistung von 140 MW und einer Dampfproduktion von bis zu 160 t/h in Heringen gebaut und in den Betrieb genommen.

Turbinenschutz und -regelung an Gas- und Dampfturbinen - Austausch von hydraulischen Komponenten

Guido Nierade, Michael van de Linde und Detlev Müller

Ein Trend der Anlagen und Kraftwerkstechnik ist der Austausch von hydraulischen Komponenten gegen elektrische oder elektronische Systeme und somit die Modernisierung von Schutz- und Regelungsfunktionen insgesamt. Der Umfang dieser Maßnahmen variiert und richtet sich nach dem grundsätzlichen Bedarf, den speziellen Anforderungen und den individuellen Wünschen des Anlagenbetreibers. Es wird aufgezeigt, wie Modernisierungsmaßnahmen standardisiert vorgenommen werden können und welchen Umfang eine solche Maßnahme beinhaltet.

Alterungsmanagement in der Elektro- und Leittechnik

Werner Schroeder und Rüdiger Markhardt

Elektro- und leittechnische Einrichtungen in Kraftwerken, insbesondere in Kernkraftwerken, sollen grundsätzlich ihre funktionalen Merkmale für die geplante Anlagenlaufzeit beibehalten. Dazu implementieren die Betreiber ein wirksames Alterungsmanagement, das den Erhalt des anforderungsgerechten Qualitätszustandes von technischen Einrichtungen sicherstellt. Methoden und Werkzeuge unterstützen bei der Vermeidung einer alterungsbedingten Erneuerung von elektro- und leittechnischen Einrichtungen. Eine wichtige Grundlage ist dabei eine breite Wissensbasis aus der qualitativen Erfassung und Auswertung von Instandsetzungsvorgängen und der zugehörigen technischen Dokumentation.