Kurzfassungen - VGB PowerTech Journal 12/2011

VGB-Kongress „Kraftwerke 2011“ -  Report und Eröffnungsrede

Gerd Jäger

Der VGB-Kongress „Kraftwerke 2011“ fand vom 21. bis 23. September 2011 unter dem Leitthema „Europäischer Erzeugungsmix - hohe Anforderungen an Flexibilität und Speicherung“ in Bern/Schweiz statt. Rund 1.200 Experten aus 30 Ländern nutzten diesen größten europäischen Fachkongress der Strom- und Wärmeerzeugung zur Information und Diskussion über aktuelle Themen. In den Sektionen „Kernenergie“, „Speicherung und Flexibilität“, „Effizienz und Flexibilität“ sowie „Erneuerbare Energien“ setzen sich die Redner und Teilnehmer mit den Herausforderungen und Fragen der zukünftigen Strom- und Wärmeerzeugung in Europa auseinander.

Klimawandel - Fakten im Gegenwind

Thomas F. Stocker

Der vierte Zustandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, 2007) schloss mit dem Satz: „Die Erwärmung im Klimasystem ist eindeutig ... Die Erwärmung ... konnte dem Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zugeordnet werden“. Um die Erwärmung zu beschränken gibt es kein „Wundermittel“. Die gefährliche Einwirkung des Menschen auf das Klimasystem muss aber verhindert werden. Daher ist die schnelle und deutliche Verringerung der Treibhausgasemissionen unabdingbar. (Festvortrag des VGB-Kongresses „Kraftwerke 2011“)

Erfahrungen bei Planung, Genehmigung und Abwicklung des 2 x 820 MW Steinkohlekraftwerks Moorburg

Günter Heimann und Udo Gade

Vattenfall Europe Generation AG errichtet am Standort Hamburg Moorburg ein 2 x 820 MW Steinkohlekraftwerk, das auch in die Fernwärmeversorgung mit eingebunden ist. Das Kraftwerk ist für die Sicherung der Strom- und Wärmeversorgung des Großraums Hamburg  vorgesehen. Aufgrund von genehmigungsrechtlichen Auflagen zur Kühlwasserentnahme wurden umfangreiche Umplanungen vorgenommen, um den Betrieb der Anlage flexibler zu gestalten. Eine besondere Herausforderung stellte dabei das begrenzte zur Verfügung stehende Baufeld dar.

Überblick Neubauprojekte der EnBW Kraftwerke AG

Joachim Manns

Kraftwerksneubauvorhaben sind wettbewerbsfähig, wenn sie die Aspekte Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit sowie Umwelt- und Klimaschutz weitestgehend miteinander in Einklang bringen und damit einen Beitrag zu einer modernen Energie- und Stromversorgung leisten können. Die EnBW Kraftwerke AG realisiert derzeit mit dem hocheffizienten 912-MW-Kohleblock im Karlsruher Rheinhafen-Dampfkraftwerk (RDK 8) und der 5. Maschine des Laufwasserkraftwerks Iffezheim zwei Kraftwerksneubauten. Beide Kraftwerksneubauten sind Beispiele für eine intelligente und nachhaltige Weiterentwicklung bestehender Erzeugungsstrukturen.

Mit modernen Kraftwerken in die Zukunft investieren - Aktuelle Neubauprojekte der RWE Power AG

Alexander Frohne

Die politisch beschlossene Energiewende erfordert einen massiven Umbau der Energiewirtschaft, der in erheblichem Maße auch den Kraftwerkspark betrifft. Zunehmende fluktuierende Einspeisungen aus Wind und Fotovoltaik erfordern flexiblere konventionelle Kraftwerke. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Reservekapazitäten und Stromspeichern, um jederzeit eine sichere Versorgung zu gewährleisten. RWE Power leistet mit dem Bau moderner fossiler Kraftwerke einen Zukunftsbeitrag zur Integration der erneuer­baren Energien.

Erfahrungen im Kraftwerk Torrevaldaliga nach Stromerzeugung von 10 TWh und Planungsaktivitäten beim Neubau Porto Tolle im Nord-Osten Italiens

Leonardo Arrighi

Am Standort Torrevaldaliga Nord/Italien wurden in den Jahren 2009 bis 2010 drei neue Kohlekraftwerksblöcke in Betrieb genommen. Im März 2011 wurde bei der Nettostromerzeugung die 10-TWh-Marke überschritten. Nach zwei Jahren im kommerziellen Betrieb laufen die Anlagen ohne nennenswerte Störungen. Lediglich einige Bauteile aus dem Hochtemperaturstahl P92 sollen in den nächsten Jahren ersetzt werden. Das Kraftwerk Porto Tolle befindet sich in der Konstruktionsphase. Für dieses wird u.a. eine CCS-Demonstrationsanlage geplant.

Vergleich und Einsatz von Speichertechnologien aus Sicht eines Kraftwerksbetreibers

Marcus Kurth, Hendrik Lens, Jürgen Marquard, Andreas Dengel, Wolfgang Schweißthal und Carsten Kolligs

Elektrische Energieversorgungssysteme müssen permanent das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch herstellen. Neben intelligenten Netzregelstrukturen erfordert dies Erzeuger mit ausreichend speicherbarer Primärenergie. Aufgrund des Trends zur vermehrten Nutzung stark fluktuierender Primärenergiequellen müssen an anderer Stelle neue Speichermöglichkeiten installiert werden. Verschiedene Speichertechnologien werden aus Sicht eines Betreibers verglichen und bewertet.

ENELs Projekte zu CCS

Cristiana La Marca und Sauro Pasini

Im Hinblick auf den Klimaschutz verfolgt ENEL eine Reihe von technologischen Wegen zur Reduzierung von CO2-Emissionen. Eine wesentliche Komponente bilden Forschungsarbeiten zu Carbon Capture and Storage (CCS) für fossil befeuerte Kraftwerke. Eine erste Pilotanlage wird dazu seit Ende 2010 im Kraftwerk Brindisi Sud bei einem Normdurchsatz von 10.000 m3/h betrieben. In der Anlage sollen neben dem aktuellen Absorbent MEA zukünftig auch andere Absorbenzien getestet werden. Als Folgeprojekt ist eine CCS-Anlage für ein 660-MW-Kraftwerk am Standort Porto Tolle geplant.

Lösungen für eine Grüne Stromerzeugung - Technologien zur Kohlendioxid-Abtrennung

Oliver Reimuth, Hermann Kremer und Nikolas Vortmeyer

Fossile Energieerzeugung wird weiterhin einen dominanten Anteil von über 50 % an der künftigen Energieerzeugung einnehmen. Um den Anforderungen des Klimaschutzes zu genügen, ist bei der fossilen Energieerzeugung eine Kombination aus höchst effizienten und flexi­blen GuD-Kraftwerken und der Einsatz der Carbon Capture and Storage (CCS)-Technologie erforderlich. Dabei sind neben den Förderungen für die ersten Demonstrationsprojekte ein umfassender gesetzlicher Rahmen und gesellschaftliche Akzeptanz zur Einführung der CCS-Technologie notwendig.

Wirtschaftlicher Erfolg durch operative Exzellenz bei der Anlagenprozessführung

Markus Bieder und Hans-Peter Cremer

Das Auftreten von Ereignissen mit Produktionsausfall ist zu vermeiden. Hoch qualifizierte Produk­tionsmannschaften bieten neben der Vermeidung bekannter Szenarien das Potenzial, neue Störungszenarien zu vermeiden oder zu beherrschen. Mit dem Ziel, dieses Potenzial zu nutzen, widmet sich die Kraftwerksschule am RWE Power-Standort Ludwigshafen der Verbesserung des Prozessführungsverhaltens von Leitstandpersonal. Dabei erweist sich die Verbindung „hoch motivierender Workshop mit Blick über den Tellerrand und interner KVP“ als äußerst zweckdienlich.

Gasturbinen mittlerer Leistung - OEM-Konzept zur kontinuierlichen Reduzierung der Lebenszykluskosten

Vladimir Navrotsky und Scott Santamaria

Die Lebenszykluskosten einer Gasturbine sind für Kraftwerksbetreiber einer der wichtigsten Parameter. Deshalb sollte eine kontinuierliche Reduzierung der Lebenszykluskosten von Gasturbinen als ein wesentlicher Beitrag des Anlagenherstellers (OEM) zur Verbesserung der Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit der Kraftwerke des Kunden betrachtet werden. Aus Sicht von Siemens wird die Strategie für eine solche kontinuierliche Reduzierung der Lebenszykluskosten von Gasturbinen mittlerer Leistung vorgestellt.

Migration, schrittweise Übergang zu SPPA-T3000

Ute Messmer und Linda Krumbholz

Siemens bietet für bestehende Leittechnik-Installa­tionen eine Migrationslösung an, die den schrittweisen Übergang bestehender TELEPERM ME und SPPA-T2000 Leittechnik zu SPPA-T3000, der neues­ten Leittechnik-Generation, ermöglicht. Im HKW Reuter konnte unter Beweis gestellt werden, dass viele kleine Schritte der optimal Weg hin zu einem großen Ganzen, nämlich der schrittweisen Erneuerung der Leittechnik quasi im laufenden Anlagenbetrieb ist.

Qualitätssicherung von Korrosionsschutz- und Beschichtungsarbeiten im Kraftwerks- und Industriebau

Helmut Müller

Durch Korrosion entstehen jährlich Bauwerksschäden, die ca. 4 % des Bruttosozialproduktes eines Landes ausmachen. Schon aus wirtschaftlichen Gründen ist daher ein qualitativ hochwertiger und somit langlebiger Korrosionsschutz anzustreben. Ein beschichtungsgerechtes Design ist neben der Oberflächenvorbereitung und Applikation eines geeigneten Beschichtungssystems Voraussetzung für eine lange Schutzdauer. Der überwiegende Teil der Schäden ist auf eine mangelhafte, nicht fachgerechte Verarbeitung zurückzuführen. Maßnahmen und Prüfungen zur Herstellung eines qualitativ hochwertigen und langlebigen Korrosionsschutzes werden vorgestellt.