Technische Basis für den künftigen Anschluss von Erzeugungsanlagen an das Höchstspannungsnetz

Die Verordnung (EU) 2016/631 der Europäischen Kommission vom 14. April 2016 zur Festlegung eines Netzkodex mit Netzanschlussbestimmungen für Stromerzeuger (NC RfG) ist die gesetzliche Grundlage für den künftigen Anschluss von Erzeugungsanlagen an das Netz.

NetworkCode RfG und in Deutschland VDE-AR-N 4130 – Frist läuft am 27. April 2019 ab!

Mit der VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4130 werden insbesondere die Anforderungen an Erzeugungsanlagen zum Anschluss an das Höchstspannungsnetz entsprechend NC RfG national umgesetzt. Der NC RfG ist umfassender und stellt Anforderungen auch für Erzeugungsanlagen, die an unterlagerte Spannungsebenen angeschlossen werden. In Deutschland erfolgt die nationale Umsetzung getrennt je Spannungsebene (siehe dazu VDE-AR-N 4105, 4110 und 4120).

Das genannte technische Regelwerk wird durch einschlägige Beschlüsse und Festlegungen der Bundesnetzagentur ergänzt.

Die Einführungsfristen von NC RfG und VDE-AR-N 4130 laufen am 27. April 2019 aus. Ab diesem Zeitpunkt haben alle Neuanlagen die neuen Anforderungen zu erfüllen. Bestandsanlagen wurden in Deutschland mit § 118 Abs. 25 EnWG (Fassung gemäß Artikel 3 im Gesetz vom 17. Dezember 2018) definiert:

„Stromerzeugungsanlagen im Sinne der Verordnung (EU) 2016/631 sind als bestehend anzusehen, sofern sie bis zum 30. Juni 2020 in Betrieb genommen wurden und für sie vor dem 27. April 2019

  1. eine Baugenehmigung oder eine Genehmigung nach dem BundesImmissionsschutz-gesetz erteilt wurde oder
  2. der Anschluss an das Netz begehrt wurde und eine Baugenehmigung oder eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz nicht erforderlich ist.

Der Betreiber der Anlage kann auf die Einstufung als Bestandsanlage verzichten. Der Verzicht ist schriftlich gegenüber dem Netzbetreiber zu erklären.“

Die (anteilige) Anwendung der VDE-AR-N 4130 ist auch auf Bestandsanlagenbei wesentlichen Änderungen möglich. Die gilt sowohl für wesentliche Änderungen der Bestandsanlage als auch für wesentliche Änderungen der Netzsituation. Details der diesbezüglichen Ausgestaltung bedürfen einer Einzelprüfung, die konkreten Rahmenbedingungen sind auch noch in der Diskussion in den Europäischen Gremien.

Der nationale deutsche Prozess wurde aus Sicht der Erzeuger durch ein so genanntes VGB Backup Team des zuständigen VDE/FNN-Gremiums mitgestaltet. Dabei zeigte sich, dass die Argumente und das „Gewicht“ der Erzeuger nicht angemessen gewürdigt wurden. Die VGB-Geschäftsstellen hat mit den zuständigen Gremien konstruktive Hinweise in die öffentliche Konsultationen, Einspruchsberatung und Berufungssitzung eingebracht und darüber hinaus umfangreichen Schriftverkehr mit dem BMWi, der BNetzA und der EU-Kommission geführt.

Leider konnten aus Sicht des VGB wesentliche Unklarheiten in der VDE-AR-N 4130 nicht beseitigt werden, so dass VGB das ab dem 27. April 2019 anzuwendende Regelwerk in Teilen weiterhin kritisch sieht.

Eine Übersicht der umfangreichen VGB-Aktivitäten ist hier abrufbar. Gern stellt VGB den Betreiberunternehmen (ordentliche VGB-Mitglieder) die komplette Dokumentation zur Verfügung.